Prognose: „Alleine kommt Osteuropa nicht aus dem Sumpf“

2011 kehrt Wachstum in die Region zurück – wenn sich der Westen bis dahin fängt.

Wien (mac/ag.). „Für kurze Zeit konnte es gutgehen“, sagt Josef Pöschl, Wissenschaftler am Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche. Auf Dauer waren die hohen Leistungsbilanzdefizite der mittelosteuropäischen Länder, wie sich jetzt zeigt, nicht finanzierbar. Denn die dafür nötigen Kapitalflüsse aus dem Ausland bleiben aus, die wenigsten Länder können das mit ihren Währungsreserven ausgleichen.

Für Osteuropa wird die Welt nach der Krise ganz anders aussehen, sagt auch sein Kollege Sandor Richter. Die Staaten müssten sich an deutlich weniger Finanzierung aus dem Ausland gewöhnen. Ungarn und Slowenien werden ihr Leistungsbilanzdefizit heuer dank geringerer Importe halbieren, Tschechien verzeichnete schon im ersten Quartal einen kleinen Überschuss.

„Noch keine Entwarnung“

Der Rückgang der Wirtschaftsleistung wird laut Prognosen des Instituts heuer in den meisten Oststaaten deutlich schlimmer ausfallen als im EU-Schnitt. Für die baltischen Länder erwarten die Forscher einen Rückgang von 16 bis 20 Prozent. „Sie werden im Aufholprozess um zehn Jahre zurückgeworfen“, erklärte Baltikumexperte Sebastian Leitner.

Auch das BIP in Ungarn, Rumänien und der Slowakei dürfte um fünf bis sieben Prozent schrumpfen. Einzig Polen kann heuer noch auf positives Wachstum hoffen. Die Talsohle sei aber erreicht, so das Institut, nächstes Jahr sollen die Wirtschaften im Osten stagnieren. Erst für 2011 werden wieder konstante Wachstumsraten erwartet.

Allein wird sich die Region aber ohnedies nicht aus dem Sumpf ziehen können, sagt Pöschl. Dafür brauche es einen deutlichen Impuls aus dem Westen. Ob sich die EU aber tatsächlich rasch genug erholen kann, ist derzeit nicht absehbar. Kommt es im zweiten Halbjahr zur erwarteten Pleitewelle, steht der Region ein neuer Schock ins Haus, warnt Pöschl. „Für eine Entwarnung ist es noch zu früh.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.07.2009)

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