Eine dubiose Studie ließ den Kurs von Wirecard, ein Anbieter von elektronischen Zahlungslösungen, tief abstürzen.
Frankfurt. Der Handelstag hat für Aktionäre von Wirecard noch gut begonnen. Die Aktie des Anbieters von elektronischen Zahlungslösungen, der im deutschen Technologieindex TecDAX notiert, ging mit 42,84 Euro in den Handel, ein leichtes Plus gegenüber dem Vortag. Gegen elf Uhr brach das Papier plötzlich ein und kostete zwischenzeitlich nur 32 Euro – ein Minus von einem Viertel. Zuletzt war die Aktie im November 2014 so billig.
Händler verwiesen auf einen Kommentar von Zatarra Research, einem bisher unbekannten Research-Dienst. Die Website von Zatarra Research ist erst vor einer Woche bei der Agentur ICANN registriert worden, die die Vergabe von Internetadressen koordiniert. Antragsteller war die Firma Perfect Privacy. Diese wirbt damit, dass die Betreiber der von ihr angemeldeten Seiten nicht zurückverfolgt werden können. Die einzige abrufbare Studie im Zatarra-Internetauftritt ist diejenige zu Wirecard. Die „Financial Times“ hat in ihrem Internet-Blog FTAlphaville den Bericht aufgegriffen, in dem ein anonymer Autor Wirecard Geldwäsche und Betrug vorwirft. Die angeblich illegalen Praktiken würden zu Sanktionen der Behörden in den USA und in Europa führen. Angesichts dessen liege das Kursziel für die Wirecard-Aktie bei null Euro.
Wirecard dementierte umgehend: Die Vorwürfe seien verleumderisch und gänzlich unwahr, erklärte der Zahlungsabwickler. „Wir nehmen an, dass dieser Bericht verteilt wurde, um unseren Aktienkurs negativ zu beeinflussen“, hieß es in der Erklärung weiter. Und: „Wir haben rechtliche Schritte eingeleitet.“ Auch die deutsche Börsenaufsicht BaFin ermittelt.
Nach dieser Erklärung entspannte sich der Kurs ein wenig, blieb aber dennoch tief im Minus. Wirecard war in den vergangenen Jahren mehrfach Ziel von Anschuldigungen, die zu Kurseinbrüchen führten. Das Unternehmen wehrte sich wiederholt gegen Behauptungen über angeblich illegale Geldtransfers oder Bilanzfälschung, die nie belegt wurden.
Experten sprachen auch im Zusammenhang mit dem gestrigen Absturz von wilden Spekulationen und einer Short-Attacke, bei der Geld mit fallenden Kursen verdient wird. (Reuters/DPA/red)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2016)