Die Fraktionen des ersten Bezirks fordern eine Planänderungen und stellen Bedingungen für eine Zustimmung.
Wien. Eine derartige politische Einigkeit ist selten: Im prestigeträchtigen ersten Bezirk ist am Mittwoch ein gemeinsamer Antrag zur geplanten Neugestaltung des Schwedenplatzes erfolgt. Und darin stellen die Fraktionen ganz klare Bedingungen, wie die Architekten (derzeit sind noch sechs Entwürfe im Rennen) ihre Pläne ändern müssen, um die Zustimmung des Bezirks zu erhalten – darunter sind auch einige brisante Forderungen.
► Keine Manipulationen. Die Architektenillustrationen des neuen Schwedenplatzes sollen realistisch sein, wird in dem Antrag gefordert (er liegt der „Presse“ vor). Diese Selbstverständlichkeit wurde explizit festgeschrieben, nachdem einige Architekten laut Bezirkschef Markus Figl (ÖVP) „vergessen“ haben, optisch weniger schöne Bauwerke wie U-Bahn-Lüftungsschächte oder die Tankstelle beim Schwedenplatz in ihrem Entwurf darzustellen – was zwar optisch besser wirkt, aber zahlreiche Bürger verärgert hat, die im Rahmen der Bürgerbeteiligung von bewusster Manipulation gesprochen haben.
► Bühnenverbot. Der Bezirk spricht sich strikt gegen eine (auch nur grafisch angedeutete) Veranstaltungsbühne aus, heißt es in dem Antrag – nachdem im Vorfeld Grafiken einer Bühne auf dem Schwedenplatz (u. a. ein Vorschlag der Wirtschaftskammer) zu sehen waren. Anrainer waren dagegen Sturm gelaufen, weil sie mit dem Bermudadreieck ohnehin schon Probleme hätten und nicht eine weitere Belastung ihrer Lebensqualität wollten, erklärt Figl.
► Tag- und Nachtszenario. Auch wurden die Architekten dazu verpflichtet, dass ihre Entwürfe den neuen Schwedenplatz bei Tag und Nacht zeigen – weil es dann völlig unterschiedliche Nutzungen gibt.
► Mehr Freiflächen. Es soll künftig mehr freie Flächen und weniger Stände, Schanigärten und Kioske auf dem Schwedenplatz geben, die das Bild nicht dominieren dürfen.
► Klimawandel. Beim neuen Schwedenplatz muss es mehr Grün- und Wasserflächen geben. Eine sich aufheizende „Betonwüste“ sei unbedingt zu vermeiden, heißt es wörtlich. Es müsse der Baumbestand möglichst erhalten bleiben und auch konsumzwangfreie Sitzgelegenheiten geben.
► Zonenmodell. Klartext redet der Bezirk, wenn es um die Lebensqualität dort geht: Um sie zu sichern, „ist ein Zonierungs- und Bewirtschaftungskonzept zu erstellen und dem Bezirk zur Abstimmung vorzulegen“, wird der Stadt und den Architekten ausgerichtet.
Hintergrund des Antrags: Bevor die Jury den Siegerentwurf Ende Mai/Anfang Juni bestimmt, treffen sich am heutigen Donnerstag Architekten mit Vertretern von Bezirk und Stadt. Deshalb möchte der Bezirk den Planern mitgeben, welche Hausaufgaben sie noch machen müssen. Gleichzeitig soll auch gegenüber der Stadt klargestellt werden, was geht und was nicht, ist in der Bezirksvorstehung zu hören.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2016)