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Job-Aus für kritischen Arzt: Abteilung stellt sich hinter Gernot Rainer

Gernot Rainer, Lungenfacharzt, Ordination
Lungenfacharzt Gernot Rainer in seiner Wahlarztordination in Döbling.Clemens Fabry
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27 der 29 Ärzte in der Ersten Internen Lungenabteilung des Otto-Wagner-Spitals bescheinigen Gernot Rainer ausgezeichnete fachliche sowie soziale Kompetenzen und fordern vom KAV seine Vertragsverlängerung.

Nachdem sie zunächst tagelang zur Nicht-Vertragsverlängerung von Lungenfacharzt Gernot Rainer im Otto-Wagner-Spital geschwiegen hatte, meldete sich Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) am Dienstag im Gemeinderat doch zu Wort und warf ihm indirekt mangelnde "Social Skills" vor. Also mangelnde soziale Kompetenzen, die ein "unabdingbarer Faktor" und "offenbar nicht ganz gegeben" gewesen seien.

Diesen Vorwurf will Rainers Abteilung nicht auf sich sitzen lassen und stellt nun einen schriftlichen Antrag an die Führung des Krankenanstaltenverbundes (KAV), in dem ihm ausgezeichnete fachliche sowie soziale Kompetenzen bescheinigt werden. "Gernot Rainer ist fachlich kompetent, setzt sich für seine Patienten ein, ist kollegial, teamfähig und hilfsbereit", heißt es in dem Schreiben, das von 27 der 29 Ärzte in der Abteilung unterschrieben wurde und der "Presse" vorliegt.

Und weiter: "Rainer ist aufgrund seiner hervorragenden fachlichen Fähigkeiten in nahezu jedem Bereich unserer Abteilung einsetzbar, sowohl was Tagespräsenz (Ambulanz, Normalstation, Schlaflabor, Weaning Center), als auch Nachtdiensträder (Oberarzt, Intensivstation, Respiratory Care Unit/Respiratory Monitoring Unit) anbelangt. Es gelingt ihm, die fachlichen Fähigkeiten durch seine Einfühlsamkeit und seine Kommunikationsfähigkeit seinen Patienten zu vermitteln. Auch in medizinischen Notfallsituationen können wir durch seine intensivmedizinische Kompetenz und seine besonnene Art immer auf ihn zählen."

Kollegen mit befristeten Verträgen

Zudem engagiere sich der 37-Jährige stets in der Kollegenschaft und helfe im Falle von Krankenständen häufig aus. Je weiter er in seiner Ausbildung fortgeschritten sei, desto wichtiger sei es ihm immer gewesen, die jungen, nachrückenden Kollegen zu unterstützen und sein Wissen an sie weiterzugeben.

Während der Umsetzungsphase des neuen Arbeitszeitgesetzes sei er stets um konstruktive Lösungen bemüht gewesen. "Er ist in unserem Team sehr geschätzt und trägt wesentlich zum guten zwischenmenschlichen Klima in unserer Abteilung bei", schreiben die Ärzte, von denen viele sich noch in der Ausbildung befinden und ebenfalls einen befristeten Vertrag haben.

Der Antrag endet mit den Sätzen: "In dieser angespannten Personalsituation ist es uns noch weniger begreiflich, warum ein Kollege, der sich durch seine hohe fachliche Kompetenz, vielseitige Einsetzbarkeit, Patientenorientiertheit, Kollegialität und Teamgeist auszeichnet, nicht weiter verlängert wird. Wir möchten Sie daher im Sinne der uns anvertrauten Patienten unserer Abteilung um eine Reevaluierung dieser Entscheidung bitten."

Entscheidung wird angefochten

Gernot Rainer, Gründer der Ärztegewerkschaft Asklepios, war vergangene Woche mitgeteilt worden, dass sein Ende April auslaufender Vertrag nicht verlängert wird. Mit der Begründung, er habe sowohl bei der "Identifikation mit den Gesamtinteressen der Stadt Wien" als auch mit jenen der Dienststelle eine "ausdrücklich negative Beurteilung". Unterschrieben wurde die Mitarbeiterbeurteilung auch von der ärztlichen Direktorin des Otto-Wagner-Spitals, Barbara Hörnlein, der Ehefrau von Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ).

Für Unverständnis sorgte diese Vorgehensweise vor allem deshalb, weil Rainer ein fachlich ausgezeichnetes Dienstzeugnis bescheinigt wurde und seine Abteilung erst vor zweieinhalb Monaten einen Antrag auf 13 zusätzliche Ärzteposten an den KAV gestellt hat. Rainer wird die Entscheidung des KAV juristisch anfechten. Der Fall wird darüber hinaus von der Volksanwaltschaft geprüft. Zudem hat die Wiener Ärztekammer eine Onlinepetition für seine Vertragsverlängerung gestartet. Bisher haben mehr als 1700 Personen, zumeist Ärzte, unterschrieben.