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Champions League: Misslungener Kaltstart von Kiew

(c) REUTERS (John Sibley)
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Ohne Wettkampfpraxis war Dynamo Kiew mit ÖFB-Teamspieler Aleksandar Dragović gegen Manchester City beim 1:3 chancenlos. Die lange Winterpause zeigte Wirkung.

Kiew/Wien. Die Zeiten, in denen Dynamo Kiew im europäischen Fußball Angst und Schrecken verbreitet hat, sind längst vorbei. Zweimal hat der Verein den Europacup der Pokalsieger (85/86 und 74/75) gewonnen, von einem weiteren Europacup-Triumph ist Kiew jedoch sehr weit entfernt. In der Champions League droht im Achtelfinale das vorzeitige Aus, schon im Heimspiel wurde fast alles verspielt. Das Duell mit Manchester City verlief ernüchternd, am Ende lief Kiew in eine deutliche 1:3-Schlappe. Damit ist der Traum vom Viertelfinale fast schon geplatzt.

Dabei hatte sich der Klub von Österreichs Teamspieler Alexandar Dragović so viel vorgenommen. Aber die Heimstärke war gegen die Engländer wie weggeblasen, neun Europacupspiele war man im Kiewer Olympiastadion ungeschlagen gewesen, gegen Manchester City half das alles nichts. 60.000 Zuschauer waren enttäuscht, weil sich die Gastgeber rasch, mitunter zu leicht Treffer einhandelten.

 

13 Tests, 30 Tage Trainingslager

Nach der langen Winterpause war Kiew nicht in der Lage, sich als Hausmacht zu etablieren, zu beweisen. Seit dem 1:0 gegen Tel Aviv zum Gruppenabschluss am 9. Dezember des Vorjahres hat der Verein kein Pflichtspiel mehr bestritten. Dieses Manko ließ sich nicht wettmachen. Auch Dragović, der eine überragende EM-Qualifikation gespielt hat, konnte der Hintermannschaft nicht den nötigen Halt geben. Er sagt: „Wir haben vor der Pause mit zu viel Respekt gespielt – da war bei einigen offenbar fast Angst dabei.“ Angst vor dem Versagen, die eine vernünftige Leistung unmöglich machte.

Die fehlende Wettkampfpraxis war nicht zu überspielen, der Dynamo schien zwar aufgeladen, aber er lief letztlich nicht rund. Man hat zwar dreizehn Testspiele bestritten, ein 30-tägiges Trainingslager in Marbella abgehalten – aber den Ernstfall und seine Folgen konnte man nicht simulieren.

Schon nach einer Viertelstunde wurde man von Manchester City empfindlich getroffen. Sergio Agüero, der Starstürmer, traf nach einem Eckball. Die Abwehr wirkte da schon heillos überfordert. David Silva, der spanische Welt- und Europameister, sorgte mit dem 2:0 fünf Minuten vor der Pause für die Vorentscheidung.

 

Verdiente Niederlage

„Sicher hat die lange Winterpause eine Rolle gespielt, aber ich bin froh, dass meine Spieler nicht das Handtuch geworfen haben“, sagte Sergej Rebrow, der Kiew-Trainer. „Diese Niederlage ist aufgrund unserer Fehler durchaus verdient. Wir haben City erlaubt, seine Qualitäten auszuspielen – und gleichzeitig haben wir einmal mehr unsere nicht gezeigt.“

Doch auch ein weiteres Detail wurde offenkundig: Kiew verfügt auf diesem Niveau über nicht allzu viel Erfahrung. Manchester City hatte oft zu leichtes Spiel und so sehr sich Coach Manuel Pellegrini in Understatement übte, im Rückspiel dürfte nicht mehr viel schiefgehen. „Es ist noch nicht erledigt“, warnt er, „aber nach dem Auswärtsspiel mit zwei Toren voran zu liegen, ist sehr gut.“ Der Chilene bestreitet seine Abschiedstour, im Sommer folgt ihm Josep Guardiola nach. City-Kapitän Vincent Kompany traut seiner Mannschaft nun viel zu. „Wir haben wie ein Team gespielt, das hungrig nach Erfolg ist.“

Der Anschlusstreffer durch Witali Bujalski (59.) ließ bei den Fans noch Hoffnung aufkeimen. Doch City-Keeper Joe Hart verhinderte mit einer traumhaften Parade den Ausgleich. Im Finish bezwang Yaya Touré (89.) Kiews Schlussmann Alexander Schowkowski, 41, erneut. „1:3, das war der Genickbruch“, sagte Dragović.

Dynamo will im Rückspiel am 15. März in Manchester Charakter zeigen, sich teuer verkaufen. Auch Dragović würde da gern glänzen, will er sich doch für höhere Aufgaben empfehlen. In drei Wochen hat Kiew immerhin schon weitere Spiele in den Beinen. Am 2. März findet das Cupviertelfinale statt, am 5. März startet dann die Liga in die neue Saison. (ww)

Champions League, Achtelfinal-Hinspiele: Dynamo Kiew – Manchester City 1:3 (0:2). Tore: Bujalski (59.) bzw. Agüero (15.), David Silva (40.), Yaya Touré (90.).
PSV – Atletico 0:0; Gelb-Rot: Pereiro (68.).

Weiters: Juventus – Bayern (Alaba) 2:2, Arsenal – Barcelona 0:2, Gent – Wolfsburg 2:3, Roma – Real Madrid 0:2, Paris – Chelsea 2:1, Benfica – St. Petersburg 1:0.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.02.2016)