Erste-Chef Andreas Treichl hofft, dass die Banken in Europa nicht in alle Ewigkeit mit der expansiven Geldpolitik der EZB leben werden müssen - und mit dem dadurch drohenden Damoklesschwert von Negativzinsen.
Wien. In einigen Ländern werden die Negativzinsen der Europäischen Zentralbank schon an die Einlagenkunden weitergegeben. Bisher sei man in Österreich davon verschont geblieben. In der Ersten wird aber befürchtet, dass der Trend anhält oder noch schärfer wird, so Erste-Chef Andreas Treichl.
Die EZB verlangt von Banken, die Geld bei ihr parken, schon seit längerem Strafzinsen. Sinken die Zinsen weiter ab, stehe man vor der Wahl, "entweder wir zahlen drauf und es kostet uns viel Geld, dass Kunden bei uns Geld einlegen, ob wir gebens an die Kunden weiter", sagte Treichl am Freitag bei seiner Jahrespressekonferenz. Dies wäre ein ganz dramatischer Schritt, "der uns wirklich Sorgen macht".
Er könne "nur hoffen, dass wir uns das nicht überlegen müssen", sagte Treichl. Sein Privatkundenvorstand Peter Bosek sei sicher jeden Tag mit diesen Fragen konfrontiert. Weil praktisch keine Zinsen mehr aufs Ersparte gezahlt werden könnten, wird der große Kapitalstock der Spargelder in Österreich jeden Tag weniger wert, so Bosek.
Ausrede als Rechtfertigung
Die Argumentation, die Banken würden mit der EZB-Niedrigzinspolitik dazu gebracht, mehr Kredite an die Wirtschaft zu vergeben, hält der Erste-Chef für "falsch und unehrlich". Es gehe "nur darum, dass Staaten sich billig refinanzieren können. Punkt."
Verluste schreibt die Erste Group im Privatkundengeschäft nicht, hieß es heute. Auch in Österreich nicht.