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Pirker: „Trittbrettfahrer“ unerwünscht

(c) APA (Harald Schneider)
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Verleger-Präsident Horst Pirker fordert Schutz für Internetinhalte vor kommerziellem Missbrauch.

Die Presse: Ihr deutscher AmtskollegeHubert Burda hat sich für ein erweitertes Leistungsschutzrecht für Verlage im Internet ausgesprochen. Journalistische Inhalte aus dem Web werden oft verwendet, ohne dass die Urheber etwas bekommen – auch von Unternehmen wie Suchmaschinen, die von der Werbung im Netz am meisten profitieren.

Horst Pirker: Ich teile die Position von Hubert Burda vollinhaltlich. Es ist unerträglich, dass gewerbliche Trittbrettfahrer mit den von uns mit hohem finanziellem Einsatz erstellten Inhalten Geschäfte machen.

Was wird innerhalb der Zeitungsorganisation WAN-IFRA dagegen getan?

Pirker: Es gibt nicht nur Diskussionen, sondern es wird intensiv an dem Thema gearbeitet. Die deutsche Bundesregierung hat zugesagt, die Leistungsschutzrechte der Medienunternehmen verlegerischer Herkunft gesetzlich unter Schutz zu stellen.

Burda sagt, es gebe „kein tragfähiges Geschäftsmodell für journalistische Qualität im Internet“? Sehen Sie das auch so?

Pirker: Es gibt natürlich qualitativ hochwertige Inhalte, die sich auch monetarisieren lassen, denken Sie beispielsweise an erstklassige Finanzinformationen. Aber für den überwältigenden Teil der Inhalte, insbesondere alle General-Interest-Inhalte, hat Hubert Burda recht. Und das wird sich nicht ändern.

Wer ist gefordert, aktiv zu werden?

Pirker: Alle sind gefordert: die Medienunternehmen verlegerischer Herkunft, die Interessenverbände, die EU und die Regierungen der Nationalstaaten. Wenn da nichts geschieht, werden die klassischen Medien untergehen und die Demokratie, wie wir sie kennen, mit.

Noch sind Zeitungen im Netz gratis – wie lange noch? Wäre national (oder international) eine konzertierte Aktion denkbar?

Pirker: Für die Userinnen und User werden die Inhalte, soweit sie General Interest bedienen, unentgeltlich zugänglich bleiben; das bleibt internationaler Standard. Es wird keine internationale Aktion geben, die Zeitungen vom Netz zu nehmen. Es geht ausschließlich darum, die klassischen Medien vor Unternehmen zu schützen, die mit ihren Leistungen Geschäfte machen, ohne dafür zu bezahlen.

Wäre E-Paper ein Geschäftsmodell?

Pirker: Das soll man jedenfalls nicht unterschätzen, da ist etwas in Bewegung geraten; der tote Punkt der technologischen Entwicklung dürfte hier überwunden sein. Das ist sicher kein universeller Problemlöser, aber ein vielversprechender Ansatz. Freilich stehen hier noch weitere Technologiesprünge aus, die könnten aber doch rasch folgen.

 

Horst Pirker ist Präsident des Verlegerverbandes VÖZ, Vizepräsident der WAN-IFRA, Vorstandsvorsitzender der Styria Medien AG (u. a. „Kleine Zeitung“, „Presse“, „Furche“).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.07.2009)