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Bawag: „Wollen Offensive spielen“

PK BAWAG PSK: 'JAHRESERGEBNIS 2015' / BYRON HAYNES
APA/HANS KLAUS TECHT
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Bei der erwarteten Konsolidierung auf dem Bankenmarkt werde die Bawag ein Treiber sein, so Bankchef Byron Haynes. 2015 zahlte das Institut erstmals eine Dividende an US-Fonds Cerberus.

Wien. Mit dem Erfolg kommt auch das Selbstbewusstsein. So könnte man die Präsentation der Bilanz für 2015 der Bawag PSK beschreiben. Denn nach Jahren der Krise und stetiger Umstrukturierung scheint das Institut nun seinen Platz in der heimischen Bankenwelt gefunden zu haben. Und es ist dabei durchaus erfolgreich. Diesen Erfolg will die Bawag nun nutzen, um bei der erwarteten Konsolidierung auf dem Bankenmarkt „Offensive spielen zu können, wenn andere defensiv bleiben müssen“, sagt Bawag-Finanzvorstand Anas Abuzaakouk.

„Eigentlich simple Strategie“

„Unsere Strategie ist eigentlich sehr simpel. Wir haben uns aus riskanten Geschäften – vor allem in Osteuropa – zurückgezogen und konzentrieren uns auf Österreich und starke westliche Volkswirtschaften. Außerdem haben wir das Produktportfolio bereinigt und statt zwölf nun nur mehr drei bis vier Produkte pro Kategorie“, umreißt Abuzaakouk den im Jahr 2012 umgesetzten Strategiewechsel.

Seither haben sich sämtliche relevanten Geschäftszahlen deutlich verbessert: Statt wie einst 70 Cent Kosten je Euro Einnahmen fallen nun nur noch 47 Cent an. Die Kernkapitalquote erhöhte sich von 6,1 auf 13,1 Prozent und, wohl am wichtigsten, der Nettogewinn stieg von einst 107 Mio. Euro im Jahr 2015 auf 418 Mio. Euro.

Dieser Nettogewinn ermöglicht es der Bawag auch, erstmals seit dem Verkauf an den US-Fonds Cerberus im Jahr 2007, eine Dividende an die Eigentümer auszuzahlen. 325 Mio. Euro will das Institut an die Aktionäre (vor allem Cerberus und den ebenfalls in den USA beheimateten Fonds Golden Tree) überweisen. Genau ein Zehntel jener Summe, die Cerberus vor neun Jahren – inklusive einer Kapitalerhöhung – für die Bank bezahlte.

Geld könnte an die Eigentümer in Zukunft jedoch öfter fließen. Denn seit der Rückzahlung der Staatshilfen im Jahr 2014 ist es dem Institut auch rechtlich wieder möglich, so viel zu zahlen, wie es will. Die Ausschüttungspolitik soll sich jedoch an der Kapitalquote orientieren, die nach der Dividende noch erreicht wird. Hier sieht das Management einen Wert von zwölf Prozent als das Minimum an. Ohne Dividende hätte die Bawag per Ende 2015 über eine Kernkapitalquote von 15,1 Prozent verfügt.

Doch trotz der deutlich verbesserten Zahlen ist die Neuausrichtung der Bank nach wie vor nicht abgeschlossen, so Bankchef Byron Haynes. Er wolle zwar nicht mehr von konkreten Kostensenkungsprogrammen sprechen, im Rahmen derer sich der Mitarbeiterstand zwischen 2012 und 2015 von 4500 auf 3750 reduziert hat. Man müsse jedoch beim Filialgeschäft auf die neuen Bedürfnisse der Kunden stärker eingehen. So würden nur noch 15 Prozent aller Transaktionen in einer Filiale getätigt. Und selbst komplexere Produkte wie Konsumkredite würden in einem von sechs Fällen bereits im Internet abgeschlossen werden. Was das für die knapp 500 Filialen und die darin beschäftigten Mitarbeiter bedeute, wollte Haynes nicht konkretisieren. Vieles deutet aber darauf hin, dass die Bawag so wie andere heimische Banken künftig vermehrt auf Schwerpunktfilialen setzen wird, in denen mehr Beratung angeboten wird, im Gegenzug jedoch die Zahl der Filialen in Summe sinkt.

Zu viele Banken in Österreich

Allerdings erwartet Haynes auch in der gesamten österreichischen Bankenlandschaft eine weitere Konsolidierung, da das Land „overbanked“ sei. Die Bawag will dabei einer der Treiber sein, der auch andere Institute zukaufen könne. Konkrete Namen für mögliche Übernahmen will Haynes nicht nennen. Auch die im Herbst bekannt gewordenen Gespräche über eine Übernahme des Privatkundengeschäfts der Bank Austria will er nicht kommentieren. „Es gibt aber eine ganze Reihe von guten Möglichkeiten“, so Haynes. Sowohl in Österreich als auch im Ausland. Wichtig sei dabei jedoch, dass die erfolgreiche neue Strategie der Bawag durch einen Zukauf nicht geopfert werde. (jaz)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.03.2016)