Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Klosterbibliothek geplündert: Ex-Novize verurteilt

35-Jähriger stahl aus Mechitaristenkollegium in Wien kostbare Bücher.

WIEN (APA). Das seit 200 Jahren bestehende Mechitaristenkollegium in Wien-Neubau birgt ungeahnte Kunstschätze. Allerdings: Mit den Sicherheitsvorkehrungen nahmen es die Brüder bisher nicht allzu ernst. So kam es, dass die 120.000 Bände umfassende Bibliothek teilweise geplündert werden konnte. Ein ehemaliger Novize ist am Donnerstag in Wien zum zweiten Mal verurteilt worden, weil er wertvolle Bücher und Manuskripte mitgehen hatte lassen, die er dann einem Antiquariat verkaufte.

Über den Mann war im Jahr 2006 eine teilbedingte Haftstrafe von 18 Monaten verhängt worden, weil er den Mechitaristen 34 Bücher gestohlen hatte. Er hatte im Sommer 2001 als Seminarist das Kloster kennengelernt, sich dann aber in eine Frau verliebt. Nach seinem Ausscheiden hielt er weiter Kontakt zu den Ordensmännern, sang im Chor mit und war bei der Archivierung der Bibliotheksbestände behilflich.

Dass dabei Kunstschätze abhandenkamen, fiel dem Orden erst auf, als das Plakat zu einer großen Kunst- und Auktionsmesse in Deutschland gedruckt wurde: Die dort abgebildete antike Landkarte hätte sich noch im Eigentum der Mechitaristen befinden müssen, war jedoch von dem Ex-Novizen verkauft worden.

Nachdem der Täter erstmals rechtskräftig verurteilt wurde, entschloss sich der Orden zu einer Inventur und entdeckte, dass zusätzlich Dutzende weitere Kunstschätze fehlten. Der mittlerweile 35-Jährige habe in Wahrheit 2201 Bücher und Manuskripte gestohlen, behauptete nun der Rechtsvertreter der Mechitaristen beim Prozess: „Er ist ein Krimineller!“

Allerdings: Auch gegen einen Ex-Archivar der armenisch-katholischen Mönche läuft ein Strafverfahren, weil er unter anderem einen Brief von Kaiser Franz Joseph gestohlen haben soll. Dieser Verdächtige war dem Vernehmen nach nebenbei als Polizeiseelsorger tätig.

Der mittlerweile verheiratete 35-Jährige wurde schließlich für das Verschwinden von acht Büchern und sechs Handschriften neuerlich schuldig erkannt. Das Gericht verhängte eine Zusatzstrafe von vier Monaten bedingt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2009)