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US-Wahl 2016: Trump verteidigt Größe seines Penis

Eine TV-Debatte weit unter der Gürtellinie.
Eine TV-Debatte weit unter der Gürtellinie.APA/AFP/GETTY IMAGES/CHIP SOMODE
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In einer von Schreiduellen und Beleidigungen durchzogenen Fernsehkonfrontation zog Donald Trump das Gesprächsniveau auf einen neuen Tiefpunkt.

Die zehn bisherigen Fernsehkonfrontationen der republikanischen Präsidentschaftsanwärter waren bereits von tiefer Animosität und rüder Wortwahl geprägt, doch was sich in der Nacht auf Freitag bei der elften in Detroit ereignete, hat es noch in keinem amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf gegeben. Donald Trump, der Gewinner von zehn der 15 bisherigen Vorwahlen, verteidigte gleich zu Beginn der von Fox News veranstalteten TV-Show die Größe seines Geschlechtsorganes. "Sehen Sie meine Hände? Sind das kleine Hände? Und wenn noch irgendetwas klein sein sollte, garantiere ich Ihnen, dass es das nicht ist."

Anlass für diesen rhetorischen Griff unter die Gürtellinie waren die wiederholten Sticheleien von Marco Rubio gegen Trump in den vergangenen Tagen gewesen. Der Senator aus Florida hatte gesagt, Trump habe für einen Mann seiner Größe bemerkenswert kleine Hände, und Männern mit kleinen Händen dürfe man nicht trauen (zuvor hatte allerdings Trump über Rubios große Ohren gespottet).

Nach der Debatte legte Trump noch nach. Gegenüber der NBC-Reporterin Katy Tur sagte er: "Sehen Sie, wie schön meine Hände sind. Es sind mächtige Hände."

"Dieser kleine Kerl lügt so viel"

Rubio, der mit Minnesota erst einen Staat gewonnen hat und in seinem Heimatstaat in den Umfragen derzeit weit hinter Trump liegt, war während der Debatte von einer Grippe sichtlich schwer mitgenommen. Er versuchte ohne zu großen Nachdruck, Trump Scheinheiligkeit in Fragen des wirtschaftspolitischen Patriotismus zu unterstellen, eines der Hauptthemen dieses Wahlkampfes. "Er kann gleich heute Abend erklären, dass er Donald-Trump-Bekleidung nicht mehr in China und Mexiko herstellen lässt, sondern hier in Amerika", sagte Rubio.

Er erinnerte auch daran, dass Trump mitnichten ein Selfmade-Milliardär ist, sondern einen mindestens zweistelligen Millionen-Dollar-Betrag von seinem Vater Fred, einem der damals reichsten Männer Amerikas, geerbt hatte. Trumps Antwort: "Du hast keinen einzigen Menschen angestellt. Dieser kleine Kerl lügt so viel. Die Menschen von Florida würden ihn heute nicht einmal zum Hundefänger wählen! Ich habe mit einer Million begonnen und ein Unternehmen aufgebaut, das zehn Milliarden Dollar wert ist. Das ist die Art von Denken, die wir brauchen." Diese zehn Milliarden Dollar sind allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit falsch; drei Milliarden Doller dürften realistischer sein.

"Lerne, nicht zu unterbrechen. Zähl bis zehn, Donald"

Ted Cruz, der Senator aus Texas und Gewinner der Vorwahlen in Alaska, Iowa, Oklahoma und Texas, versuchte Trump mit einer etwas feineren Klinge aus der Fassung zu bringen. "Seit 40 Jahren ist Donald Teil der Korruption in Washington, die Sie alle so verärgert", sagte Cruz und erwähnte die mehrfachen Wahlspenden Trumps an Hillary Clinton, die wahrscheinliche Kandidatin der Demokraten.

Zudem forderte er Trump mehrfach auf, der Veröffentlichung jener Tonaufnahmen eines vertraulichen Treffens mit der Redaktionsleitung der "New York Times" zuzustimmen, bei dem er gesagt haben soll, dass seine harte Linie gegenüber illegalen Einwanderern "Verhandlungssache" sei. Trump lehnte das ab und herrschte Cruz an: "Ich habe meine Antwort gegeben, lügender Ted!" Dessen Replik: "Donald, du musst lernen, nicht zu unterbrechen. Das ist nicht kompliziert. Du kannst das schaffen. Zähl bis zehn, Donald!"

Trump möchte US-Militär zum Foltern zwingen

Erneut erklärte Trump, dass die USA Terrorverdächtigte foltern sollten. "Wir sollten zum Waterboarding greifen, und wir sollten noch härter als Waterboarding sein." Die Nachfrage, ob er auch die unschuldigen Kinder und Frauen von Terroristen töten ließe, bejahte Trump: "Ich habe kein Problem damit." Als die Moderatoren darauf hinwiesen, dass mehrere hohe Militärs in den vergangenen Tagen erklärt haben, einen Befehl zum Foltern als rechtswidrig zu verweigern, sagte Trump: "Wenn ich denen sage, dass sie es tun sollen, werden sie es tun. Glauben Sie mir das."

Dann erzählte er eine jener Verschwörungstheorien, die nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in obskuren Kreisen die Runde machten. Trump sagte, die Frauen der Attentäter hätten die USA zwei Tage vor den Anschlägen verlassen. Das ist nachweislich unwahr: die 9/11-Kommission hat keinen Beleg gefunden, dass sich Partnerinnen der Attentäter in den USA aufgehalten hatten. Die meisten von ihnen waren zudem Junggesellen.

Cruz, Rubio, Kasich würden Trump unterstützen

Einzig John Kasich, der Gouverneur von Ohio, hielt sich aus der Schlammschlacht heraus: "Wäre es nicht schön, wenn wir alle einander mehr respektierten, liebten und gemeinsam das Land hochbrächten?"

Erstaunlicherweise erklärten am Schluss allerdings Cruz, Rubio und Kasich, dass sie Trump unterstützen würden, falls er als Kandidat der Partei bestätigt würde. "Ich habe mein Wort gegeben", begründete dies Cruz. Die Frage sei nur hypothetisch gewesen, weil Trump nicht der Kandidat werde, versuchte Rubios Team den Schaden im Nachhinein mit einem Spin abzuwenden. Doch das Erstaunen über die widersprüchliche Haltung der Gegner Trumps war weitverbreitet: "Wenn Sie sagen, Trump wird Ihre Partei ruinieren, wie sehr wird dieses Argument untergraben, indem Sie sagen, dass Sie seine Nominierung unterstützen würden?", fragte John Dickerson, politischer Direktor von CBS News, auf Twitter.

Und auch Rubios außenpolitischer Berater Max Boot scheint seine ganz eigene Ansicht zu dem Thema zu haben. Kurz vor der Debatte sagte er der "New York Times": "Ich würde eher für Josef Stalin stimmen als für Donald Trump."