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OMV: Ein Abgang zur Unzeit

Peter Oswald tritt als OMV-Präsident zurück(c) Fabry
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Peter Oswald tritt als OMV-Präsident zurück, weil ihm die Zeit für diese Mammutaufgabe fehlt. Ausgerechnet jetzt: Der Konzern ist im Umbruch. Jetzt muss schnell Ersatz her.

Wien. Irgendwie hat es Peter Oswald von Anfang an geahnt. Schon vor seiner Bestellung zum Aufsichtsratsvorsitzenden der OMV im vergangenen Mai gab es für den Chef des Papierkonzerns Mondi nur eine Frage: Wie viel Zeit wird die Kontrollaufgabe beim teilstaatlichen Unternehmen kosten? Fünf Tage im Monat waren kalkuliert. Zu optimistisch: Ölpreisschock, Strategiewechsel und Restrukturierung bei der OMV haben dem Manager deutlich mehr Zeit abverlangt. Zu viel, wie sich nun zeigt: Am Freitag gab Peter Oswald überraschend seinen Rückzug bekannt. Nach der OMV-Hauptversammlung am 18. Mai ist er in der OMV Geschichte – vier Jahre früher als geplant.

Für den Konzern kommt diese Nachricht zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Der Verfall des Rohölpreises hat offen gelegt, wie sehr die OMV in den vergangenen Jahren die Kosten aus dem Ruder hat laufen lassen. Das Unternehmen gibt zu viel aus, ist schwach im Wettbewerb und bohrt zu oft glücklos nach neuem Öl. Das Resultat im Vorjahr: ein Milliardenverlust. Die „strategischen Weichen“ für die Aufräumarbeiten seien zwar gestellt, ließ Oswald wissen. Doch am Ziel ist das Unternehmen damit noch lange nicht.

Ab zu Mondis Luxusproblemen

Hinzu kommt die unglückliche Optik, die der plötzliche Rückzug des Aufsichtsrats für die OMV hinterlässt. Der Plan von OMV-Chef Rainer Seele, den heimischen Energiekonzern enger an die russische Gazprom zu binden, rief schon bisher viele Kritiker auf den Plan. Oswald verteidigte das Geschäft stets. Sein Abschied dürfte die Gerüchteküche noch einmal anheizen: Steigt die OMV doch schlechter aus dem Russen-Deal aus, als bisher versprochen? Rettet sich der Aufsichtsratschef vom sinkenden Schiff?

Fragt man Peter Oswald, ist nichts davon wahr. Grund für seinen Rücktritt seien einzig die stark gestiegenen „zeitlichen Anforderungen“, so der 53-Jährige. Und zwar nicht nur bei der OMV, sondern auch bei seinem Stammunternehmen Mondi Europe.

Im Vergleich zur OMV steht der Papierkonzern mit Sitz in London und Johannesburg allerdings vor einem Luxusproblem: Im Vorjahr hat das Unternehmen in Europa unter Oswald ein Rekordergebnis abgeliefert. Das Geld der Investoren wurde um ein Fünftel vermehrt. Doch just dieser Erfolg wird nun zum Fluch, denn die Aktionäre erwarten neuer Rekorde. Angesichts hoher Überkapazitäten und sinkender Papierpreise in Europa ist das wohl keine leichte Aufgabe. In jedem Fall aber eine, in der sich Konzern und Aktionäre die volle Aufmerksamkeit ihres Vorstandsvorsitzenden wünschen dürften.

Mondi bekommt seinen Chef also wieder zur Gänze zurück.

Die Republik Österreich bringt Peter Oswald mit seiner Entscheidung jedoch – allen Huldigungen zum Trotz – gehörig unter Druck. Als 31,5-Prozent-Eigner der OMV ist der Staat derzeit ohnedies stark mit der OMV beschäftigt. So wird der Syndikatsvertrag zwischen Österreichs Staatsholding Öbib und der Ipic aus Abu Dhabi gerade neu verhandelt. Offiziell sind alle Beteiligten zwar guter Dinge, hinter den Kulissen ist allerdings zu hören, dass es nicht ganz einfach sein dürfte, die Investoren aus den Emiraten an Bord zu halten. Österreich ist nämlich nicht gewillt, auf seine dominierende Rolle zu verzichten. Die Ipic bliebe daher in die – für sie ungewohnte – Rolle als Minderheitsaktionär gedrängt. Auch wenn Peter Oswald bei den Verhandlungen formal keine Rolle spielt, wirklich gut macht es sich nicht, wenn der Staat in der Situation seinen wichtigsten Mann im Kontrollgremium verliert.

Öbib: „Lückenloser Übergang“

Nun ist Eile geboten. Österreich muss so bald als möglich Ersatz für einige OMV-Aufsichtsräte finden. Denn Mitte Mai wird nicht nur Peter Oswald gehen. Auch der Allianz-Österreich-Chef Wolfram Littich hat seinen Rücktritt aus dem Gremium bereits bekannt gegeben.

Zudem dürften etliche Mitglieder, die länger als ein Jahrzehnt im Gremium sitzen, ausgewechselt werden. Betroffen wären etwa der Ex-Banker Herbert Stepic, Helmut Draxler oder Herbert Werner.

Öbib-Generalsekretärin Martha Oberndorfer will von steigendem Zeitdruck nichts wissen. Die Headhunter würden bereits nach geeigneten Kandidaten suchen, sagt sie zur „Presse“. Im Extremfall könne auch eine Woche vor der Hauptversammlung noch ein Kandidat auf die Tagesordnung gesetzt werden. Für einen „lückenlosen Übergang“ sei mehr als genug Zeit vorhanden.

Mitreden bei diesem lückenlosen Übergang wird aber auch die Politik. Die Entscheidung über die neuen OMV-Aufsichtsratsmitglieder fällt letztlich das Nominierungskomitee, in dem die Staatssekretäre Harald Mahrer (ÖVP) und Sonja Steßl (SPÖ) sowie die Manager Günter Geyer (Vienna Insurance Group-AR) und Wolfgang Leitner (Andritz) sitzen. Im Finanzministerium ist man optimistisch, rechtzeitig geeignete Kandidaten parat zu haben. Entscheidend sei, dass „wieder ein unabhängiger und objektiver Experte“ gefunden werde, heißt es zur „Presse“. Nachsatz: „Er muss halt wissen, dass damit sehr, sehr viel Arbeit verbunden ist“.


[M2D4C]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2016)