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Stromnetz wie Glieder einer Kette anlegen

Wiener Forscherin fordert Paradigmenwechsel.

„Wir forschen in die falsche Richtung“, sagt die Elektrotechnikerin Albana Ilo von der TU Wien. Um den neuen Anforderungen an die Stromverteilung zu genügen, solle man nicht bestehende Energienetze „durch weitere Adaptierungen und Notlösungen immer komplizierter machen“. Es brauche einen völlig neuen Ansatz. Mit „Link“ will sie einen solchen entwickelt haben, einem breiten Fachpublikum will sie diesen erstmals auf der Hannover Messe Ende April präsentieren.

Vereinfacht gesagt sollen in ihrem neuen Paradigma die einzelnen Elemente in einem Stromnetz wie Glieder einer Kette zusammenhängen. Ilo teilt das gesamte System dazu in kleine Einheiten, sogenannte Links: mit eigenem Steuersystem und Schnittstellen zu den benachbarten Einheiten.

Physikalisch sind Stromnetze in ein Hochspannungsnetz, ein Mittelspannungsnetz und ein Niederspannungsnetz aufgeteilt. Dazu kommen Kraftwerke, Speicher und Konsumenten. An diesen Trennlinien solle sich auch die Führung von Stromnetzen orientieren, so Ilo.


Vorteile für den Datenschutz

Das soll auch Vorteile für den Datenschutz bringen. Bei bisherigen Konzepten wie etwa virtuellen Kraftwerken, zu denen eine große Zahl kleiner, dezentraler Stromerzeuger zusammengefasst werden, müssen große Datenmengen getauscht werden. Das sei im Link-Paradigma nicht mehr nötig, dort teile ein Kettenglied nur sehr kleine Mengen unbedingt benötigter Daten.

„Niemand möchte, dass der Stromanbieter etwa Daten über das Ein- und Ausschalten bestimmter Geräte im eigenen Haus sammeln könnte“, sagt die Forscherin. Versuche in einer Salzburger Modellregion hätten jedenfalls bereits gezeigt, dass ihr Konzept funktioniere, so Ilo. (gral)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2016)