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Cerhas spannende Baal-Gesänge

Das RSO Wien spielte einen Klassiker des 90-Jährigen.

Man kann nie genug feiern. Vor allem ganz besondere Anlässe wie den 90. Geburtstag, den Friedrich Cerha am 17. Februar gefeiert hat. Gut, dass man zwei Wochen später an eines seiner Meisterwerke erinnerte: die 1981 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführte, dann von der Staatsoper übernommene Oper „Baal“. Cerha interessierte an Brechts Stück das Verhältnis von Individuum und Masse, er schuf daraus spannendes Musiktheater, aus dem er später ein einstündiges Konzertstück filterte. Diese Suite stand nun im Mittelpunkt eines Abends im Großen Konzerthaussaal, in Anwesenheit des dabei herzlich gefeierten Komponisten.

Nicht nur er hatte seine Freude an der sorgfältig erarbeiteten, spannenden Aufführung durch die – von kleineren Irritationen bei den Bläsern abgesehen – glänzend gelaunten Musiker des RSO Wien. Aber auch an der exemplarisch wortdeutlichen Interpretation der von Ironie und Sarkasmus durchzogenen Texte dieser Orchesterlieder durch Jochen Schmeckenbecher, der sich meist souverän gegen die auftrumpfende Gewalt der Orchesterklänge behaupten konnte.

Warum der Abend mit Haydns Ouvertüre zu „Acie e Galatea“ begann, blieb unverständlich. Auch weil bei aller liebevollen Herausarbeitung vieler Details weder Dirigent Cornelius Meister noch sein Orchester dafür eine besondere Affinität zeigten. Hörbar eindringlicher hatten sie sich mit dem Adagio aus Mahlers unvollendeter zehnter Symphonie befasst. Aber auch hier gelang ihnen nur in Maßen, die Spannung zu erzeugen, die das gesamte Stück hält.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2016)