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Ein Minenfeld als Grenze

VERTEIDIGUNGSMINISTER DOSKOZIL IM LIBANON: DOSKOZIL/COMMENDA
VERTEIDIGUNGSMINISTER DOSKOZIL IM LIBANON: DOSKOZIL/COMMENDAAPA/BUNDESHEER/PUSCH
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Der erste Truppenbesuch von Minister Doskozil führte ihn in den Libanon.

Hans Peter Doskozil hat noch einmal Glück gehabt. Normalerweise werden Neulinge hier im Camp Naqoura von der Feuerwehr begrüßt – Dusche vom Wasserwerfer inklusive. Der frisch ernannte Verteidigungsminister (SPÖ) wird bei seinem ersten Truppenbesuch im Ausland aber verschont. Er darf sich sogar – nicht ganz freiwillig – ans Steuer des Löschfahrzeugs setzen und den Wasserstrahl testen. Dass er in seinen 20 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr im Burgenland nur einen Einsatz hatte, erzählt er lieber erst nachher.

177 österreichische Soldaten sind derzeit im Libanon stationiert. Im Hauptquartier der UNO-Mission im Süden des Landes leben sie mit Blauhelmen aus 39 Nationen zusammen. Die heimischen Militärs übernehmen nicht nur die Funktion der Camp-Feuerwehr. Sie sind vor allem für den Transport sämtlicher Soldaten der sogenannten Unifil-Mission und für die Instandhaltung der Fahrzeuge verantwortlich.

Prinzipiell klingt das nach keinem allzu gefährlichen Job. Vor allem, wenn man im Camp auf das rauschende Meer und die blühenden Orangenbäume blickt. Aber das sei das Tückische daran, meint Ronald Schmied, Kommandant des österreichischen Kontingents. „Das subjektive Sicherheitsbewusstsein täuscht über die instabile Lage hinweg. Daran muss man die Soldaten jeden Tag erinnern.“ Die Bedrohung erfolge ohne Vorwarnung.


Seit 1948 im Kriegszustand. Die Gefahr ist keine theoretische: Drei Kilometer vom Camp entfernt zieht sich die „Blue Line“, eine Rückzugslinie, die den Libanon von Israel trennt. Markiert wird sie nicht nur durch Tonnen; auch ein Minenfeld und Zäune stehen zwischen den Staaten. Der jahrzehntelange Konflikt zwischen den Ländern ist der Ursprung der UNO-Mission: Seit 1948 befinden sich der Libanon und Israel im Kriegszustand. Die Aufgabe von Unifil ist es, die Feindseligkeiten zu überwachen, die Sicherheit wiederherzustellen und die libanesische Armee bei ihrer Etablierung zu unterstützen.

Geht es nach Doskozil, soll sich Österreich auch weiterhin in dem Land engagieren. In seiner Rede vor den Blauhelmen kündigt er aber auch erneut mehr Personalbedarf in Wien an: „Wir haben derzeit 1600 Soldaten im Dauereinsatz“, sagt er. Bald werde man auch am Brenner einen Assistenzeinsatz starten. Dann werde man an die Grenzen gelangen – zur Unterstützung will er auf Grundwehrdiener setzen. „Sie werden in den ersten vier Monaten für den Einsatz ausgebildet“, sagt er. Und: Das Heeressparpaket werde gestoppt, verspricht er den Soldaten.

Der formelle Teil am Ende der Rede fällt dann noch etwas unsicher aus: „Es lebe das österreichische Bundesheer!“, ruft Doskozil der Truppe zu. Dann treten sie ab. Die Soldaten – und auch der Minister.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2016)

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