Der niedrige Ölpreis belastet die Staatseinnahmen der ölexportierenden Staaten zusehends. Die Ratingagentur könnte sich daher zum Handeln veranlasst sehen - und stellt eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit in den Raum.
Wien. Nun will Moody's also Ernst machen. Die US-Ratingagentur hat mehreren ölproduzierenden Ländern mit einer Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit gedroht – und deren Ratingausblick auf negativ gesenkt. Davon betroffen sind Saudiarabien, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Russland und Kasachstan. Bei Bahrain verzichtete Moody's gleich darauf zuzuwarten. Es stufte die Anleihen des Landes auf Ramschniveau ab. Sinkt die Kreditwürdigkeit eines Landes, wird die Refinanzierung an den Kapitalmärkten teurer, zumindest in der Theorie.
Die Bonitätshüter verwiesen in ihrer Begründung auf den verheerenden Einfluss des anhaltenden Ölpreisverfalls auf die Staatseinnahmen und die wirtschaftliche Entwicklung der Länder.
Erst kürzlich teilte die Internationale Energieagentur mit, dass sie erst für das Jahr 2017 mit einer Stabilisierung des Ölpreises rechne. Unter den derzeitigen Bedingungen sei wegen des großen Überangebots kurzfristig nicht von einem deutlichen Anstieg auszugehen. Ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostet derzeit rund 38 Dollar. Zwar betrug der Preisauftrieb seit Mitte Jänner beachtliche 30 Prozent. Der Rohstoff liegt damit aber nach wie vor um rund 60 Prozent unter seinem Niveau vom Sommer 2014, als der Kursrutsch eingesetzt hat.
Um das Überangebot auf dem Markt zu stoppen, haben sich die Förderländer Russland, Saudiarabien, Venezuela und Katar darauf verständigt, die Produktion auf dem Niveau vom Jänner einzufrieren. Die Länder haben jedoch eingeschränkt, dass das Abkommen nur dann greifen werde, wenn auch andere große Ölstaaten mitmachen. Russlands Energieminister, Alexander Nowak, kündigte noch für März ein Treffen der Erdölförderstaaten an. Dieses solle in Wien oder Doha stattfinden. Derzeit würden Termine zwischen dem 20. März und dem 1. April diskutiert, sagte er. Teheran sträubt sich jedenfalls gegen eine Beschränkung der Ölförderung. Nach dem Fall der Wirtschaftssanktionen will es mehr Öl exportieren. Auch Saudiarabien lehnt eine Drosselung der Produktion ab und hält daran fest, seine Marktanteile aufrechtzuerhalten.
Ölstaaten mit hohen Budgetlöchern
Die Förderstaaten leiden massiv unter dem Preisverfall. Bei den arabischen Ölnationen sind immerhin 90 Prozent der Staatseinnahmen vom schwarzen Gold abhängig. Allein Saudiarabiens Budgetdefizit summierte sich im abgelaufenen Jahr auf umgerechnet rund 90 Mrd. Euro. Heuer soll die Finanzierungslücke nach wie vor 79 Mrd. Euro betragen.
Das Land muss folglich nicht nur seine Ausgaben drosseln, es will auch seine Einnahmen außerhalb des Ölsektors stärken. Der Staat erhöhte bereits Steuern auf Erfrischungsgetränke und Tabak, der Benzinpreis verteuerte sich ebenso, und zwar um mehr als 50 Prozent. Die Kürzungen von Subventionen für Wasser und Strom standen zum Jahreswechsel gleichfalls auf der Agenda.
Russland, dessen Ölexporte 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen, befürchtet für das laufende Jahr ein Budgetloch von 36 Mrd. Euro. Für seinen Haushalt 2016 kalkulierte die Regierung jedoch mit einem Ölpreis von 50 Dollar. Sollte das Geld also nicht ausreichen, könnte der staatliche Fonds NWF angezapft werden. Venezuela rief bereits im Jänner den Wirtschaftsnotstand aus.
Weil die Ölexporteure unter Druck sind, rechnet die US-Bank JP Morgan mit einem Verkauf des Tafelsilbers. Zur Stabilisierung ihrer Haushalte könnten die betroffenen Staaten heuer Vermögenswerte für 240 Mrd. Dollar auf den Markt werfen. Es gelte immerhin, Etatlöcher im Ausmaß von 260 Mrd. Dollar zu stopfen. (ag./nst)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2016)