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USA: Viele Banken drehen wieder am großen Rad

(c) AP (Lefteris Pitarakis)
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In den USA setzen die Geldhäuser erneut auf riskante Geschäfte. Vor allem im volatilen Investment-Banking (Handel mit Wertpapieren) wird erneut das große Rad gedreht.

New York/Wien. Für die Verursacher der Finanzkrise, die großen US-Banken, hat sich wenig geändert: Kommenden Dienstag wird Goldman Sachs als erstes US-Institut die Zahlen für das zweite Quartal vorlegen. Die von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Analysten gehen davon aus, dass Goldman von April bis Juni 2009 einen Gewinn von 2,2 Mrd. Dollar beziehungsweise 3,57 Dollar pro Aktie erwirtschaftet hat. Während andere Geldhäuser Risken abgebaut haben, profitierte Goldman vor allem vom Handel mit Rohstoffen, Devisen und Aktien. Damit kehrt das viel kritisierte Geschäftsmodell der Wall Street zurück.

Viele internationale Großbanken nutzen die durch die staatlichen Rettungsaktionen hervorgetretene Entspannung an den Finanzmärkten, um wieder riskante Deals einzugehen. Vor allem im volatilen Investment-Banking (Handel mit Wertpapieren) wird erneut das große Rad gedreht. Möglich wird dies durch gelockerte Bilanzierungsrichtlinien.

„Nachdem alle Stützungsmechanismen der US-Regierung etabliert waren, konnte Goldman den alten Geschäften wie üblich nachgehen“, meint Roger Freeman, Analyst von Barclays Capital, im Bloomberg-Interview. Und Jean-Pierre Roth, Präsident der Schweizerischen Nationalbank, klagt: „Was jetzt passiert, haben wir vorausgesehen. Wir wussten, dass die Banker ein sehr kurzes Gedächtnis haben.“

Auch von der Deutschen Bank ist zu hören, dass das zweite Quartal besonders gut gelaufen ist. Deren Bankchef, Josef Ackermann, hält daher an seinem Ziel, eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent zu erzielen, fest. Vor allem beim Geschäft mit Hedgefonds soll die Deutsche Bank Marktanteile gewonnen haben. Genau jene Finanzinstrumente, die einst als Teufelszeug und als Verstärker der Finanzkrise beschimpft wurden, feiern ein Comeback. Der Branchenbeobachter Eurekahedge in Singapur meldete am Freitag, dass die Hedgefonds im Juni weltweit Neuzuflüsse von vier Milliarden Dollar verzeichneten. Nach Ausbruch der Finanzkrise wurde über strengere Regeln für Hedgefonds diskutiert. Doch diese sind bis auf kleinere Alibiaktionen im Sand verlaufen. Auch von einer großen Reform des Finanzsystems, wie sie vergangenen November von den Staats- und Regierungschefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) angekündigt wurde, ist immer weniger zu hören.

 

Die dicken Boni sind zurück

Dabei hat die Europäische Zentralbank (EZB) erst jüngst 442 Mrd. Euro in den Markt gepumpt. In Deutschland werfen Politiker und Wirtschaftsvertreter den Banken vor, die EZB-Gelder lieber zum Spekulieren zu verwenden als an die Wirtschaft weiterzugeben.

In New York macht in Finanzkreisen ein neues Kürzel die Runde: BAB – „Bonuses are back“. Der größtenteils verstaatlichte US-Finanzkonzern AIG steht kurz vor der Ausschüttung von Boni in Millionenhöhe an Dutzende Manager. Etwas diplomatischer ging die Citigroup vor. Das Institut hat einfach das Gehaltssystem verändert. Um keine Boni ausschütten zu müssen, wurden die Fixgehälter angehoben. Angeblich sollen manche Mitarbeiter jetzt doppelt so viel verdienen wie vor der Finanzkrise.

Die Citigroup verteidigte die Maßnahme als notwendig, um wichtige Mitarbeiter halten zu können. Konkret geht es um erfolgreiche Wertpapierhändler, die der Bank zuletzt hohe Gewinne eingebracht haben.

In Österreich laufen die Uhren anders. Hier spielt das Investmentbanking eine geringe Rolle. Die Wiener Institute konzentrieren sich vor allem auf das klassische Bankgeschäft, nämlich Einlagen entgegenzunehmen und diese als Kredite weiterzureichen. Der Wirtschaftsabschwung trifft sie daher besonders stark. Bereits im ersten Quartal 2009 mussten manche Institute die Risikovorsorgen für faule Kredite versechsfachen.

Meinung, Seite 31

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2009)

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