Tour de France: Contador kontert Armstrong

(c) EPA (Nicolas Bouvy)
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Rinaldo Nocentini ist der neue Gesamtführende der Tour de France. Doch der eigentliche Sieger heißt Alberto Contador, der Lance Armstrong in Andorra ausstach.

ANDORRA-ARCALIS/HORN. Am 15. Juli 1997 eroberte sich Jan Ullrich in Andorra-Arcalis zum ersten Mal das Gelbe Trikot bei der Tour de France und löste einen Radboom aus, der erst 2006 endete – als Ullrich unmittelbar vor dem Start der Tour de France suspendiert wurde.

Am 10. Juli 2009 wollte Lance Armstrong ebenfalls in Andorra-Arcalis ins Gelbe Trikot fahren. Doch der 37-jährige Comebackmann verfehlte die Sensation. Nichts wurde es für ihn (vorerst) daraus, ein 84. Mal in das maillot jaune zu schlüpfen.

Denn in der zum teaminternen Duell im Rennstall Astana ausgerufenen siebenten Etappe zeigte Alberto Contador, warum ihn der sportliche Leiter des Astana-Teams und Armstrong-Intimus, Johan Bryneel, als Kapitän ins Rennen geschickt hatte. Mit einem starken Antritt wenige hundert Meter vor dem Ziel in 2200 Metern Seehöhe hängte er Armstrong deutlich ab. Er holte nicht nur die 19 Sekunden auf, die er zu Etappenbeginn hinter dem Texaner gelegen war, sondern er liegt in der Gesamtwertung nun zwei Sekunden vor ihm.

Neuer Mann in Gelb ist, nachdem der Schweizer Fabian Cancellara in den Bergen die Topposition verlor, der Italiener Rinaldo Nocentini. Er ist seit Alberto Elli vor neun Jahren der erste Italiener im Gelben Trikot.

Bemerkenswert war das Verhalten der Astana-Mannschaft. Zwar ließ sie eine achtköpfige Ausreißergruppe ziehen, die letztlich auch den Tagessieg (Brice Feillu/FRA) unter sich ausmachte, darüber hinaus aber versuchte sie beiden Stars im Team gegenüber loyal zu sein. Astana diktierte das Tempo des Feldes und nahm Armstrong wie Contador jede Arbeit ab. Das Duo bewegte sich stets unmittelbar hinter der Spitze und beäugte sich argwöhnisch. Mit seinem Antritt hat sich Contador die Vorherrschaft im Team gesichert – und sich für Armstrongs Coup in La Grande-Motte auf der dritten Etappe gerächt. Das letzte Wort aber scheint im Machtkampf mit Armstrong noch nicht gesprochen zu sein.

Armstrong hat längst angekündigt, der Toursieg werde sich erst am Mount Ventoux entscheiden. Und der steht erst am vorletzten Tag auf dem Programm.

Ö-Tour: Feld verirrte sich

Eine kuriose Situation erlebte die Österreich-Rundfahrt auf ihrer sechsten Etappe: Während das Ausreißertrio um den Österreicher Stefan Rucker (Elkhaus) die Strecke von St. Pölten nach Horn korrekt fuhr, nahm das Peloton eine falsche Abzweigung – und musste nach einigen Kilometern umkehren. Die Spitzengruppe wurde gestoppt und das Rennen daraufhin neu gestartet. Die Führungsgruppe durfte dabei den Vorsprung von fünf Minuten klarerweise behalten.

Die Szene erinnerte an die Österreich-Rundfahrt 2005 als eine Drei-Mann-Ausreißergruppe um den Etappenort Kitzbühel von einem Motorrad in eine Sackgasse gelotst worden war. Eine Zuschauerabsperrung hatte sie von der Zielgeraden getrennt, sie mussten absteigen und mit dem Rad über das Gitter klettern. Mit dem Tagessieg hatten sie in Kitzbühel nichts mehr zu tun.

Auch in Horn siegten die Ausreißer nicht. Die Etappe gewann der Deutsche André Greipel. Gesamtführender ist weiter der Schweizer Michael Albasini, bester Österreicher Stefan Denifl als Achter.

Einen besonderen Reiz erhält die heutige vorletzte Etappe: Denn die österreichische Vizeweltmeisterin Christiane Soeder nützt das Einzelzeitfahren in Podersdorf als WM-Vorbereitung. Über den Vergleich mit den Männern macht sie sich keine Illusionen. „Auf diesem flachen Kurs bin ich froh, wenn ich ein paar Fahrer hinter mir lasse“, meint die 34-jährige Ärztin. Bei den Staatsmeisterschaften 2007 in Podersdorf hatte sie rund zehn Prozent auf den Männer-Sieger eingebüßt.

AUF EINEN BLICK

Der Franzose Brice Feillu gewann die 7. Tour-Etappe.

Das Gelbe Trikot trägt nun der Italiener Rinaldo Nocentini. Nur sechs Sekunden hinter ihm liegt Vorjahressieger Alberto Contador.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2009)


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