Michael Albasini gewann die Tour d'Autriche, der Tiroler Stefan Denifl wurde Achter. Der 21-Jährige will ins Ausland, in Österreich könne er sich nicht weiterentwickeln.
WIEN. Die Kulisse für das Finale der 61. Österreich-Radrundfahrt hätte kaum besser gewählt sein können. Das Wiener Burgtheater gab eine herrliche Kulisse. Der Schweizer Michael Albasini spielte dort die Hauptrolle und holte den Gesamtsieg. „Ich habe in den letzten zwei Jahren versucht, mich zu einem Rundfahrer zu entwickeln. Ich sehe, dass ich auf dem richtigen Weg bin“, sagte der 28-Jährige, der vor drei Wochen im Tiroler Serfaus die Königsetappe der Tour de Suisse gewonnen hatte.
In einer Nebenrolle zu sehen war Stefan Denifl. Der 21-Jährige im Dress von Elk-Haus wurde als bester Österreicher Achter der Gesamtwertung. Mit den Plätzen zehn am Kitzbüheler Horn und elf auf der Glockneretappe hatte er den Grundstein gelegt. Im Zeitfahren sieht er allerdings noch Verbesserungspotenzial.
Dennoch meinte Denifl: „Wir jungen Österreicher, vor allem auch mein 19-jähriger Teamkollege Matthias Brändle, haben bei der Tour gezeigt, dass der Radsport in Österreich lebt! Ich bin absolut happy mit dem achten Platz, mehr konnte man von mir nicht erwarten.“
Österreich schlecht beleumundet
Denifl hat in diesem Jahr bereits die Thüringen-U23-Rundfahrt gewonnen und die Bayern-Rundfahrt als Siebenter beendet. Sein Auftreten bei der Ö-Tour, die allen Widrigkeiten zum Trotz von Organisatorin Uschi Riha auf die Räder gestellt wurde, ermutigt den Stubaitaler nun, seinen Blick nach einem ausländischen Team zu intensivieren. „Vom Talent her sollte es möglich sein, aber für einen Österreicher ist es derzeit nicht leicht, der Ruf ist nicht so gut“, meinte er über einen Wechsel.
Nach den Dopingskandalen rund um Bernhard Kohl und Christian Pfannberger sind die österreichischen Radfahrer generell schlecht beleumundet, auf der internationalen Bühne ist es für sie daher schwer, einen Platz zu finden. Zudem ist der heimische Markt für viele Sponsoren nicht attraktiv genug, um gezielt nach einem ÖRV-Fahrer zu angeln.
Thomas Rohregger, der Sieger der Österreich-Rundfahrt 2008, hat den Sprung zuletzt trotz Skandalen und Wirtschaftskrise geschafft, er ist nun für das deutsche Milram-Team aktiv. Dem will Denifl, der aus einer Radfahrerfamilie kommt – Vater Ernst war bei der Olympia-Premiere der Mountainbiker in Atlanta 1996 Mitglied des ÖOC-Teams –, nacheifern: In Österreich komme er nicht mehr weiter, hat Denifl jüngst ganz trocken analysiert. Der Radsport sei hierzulande ganz einfach zu wenig populär.
("Die Presse" Printausgabe vom 13. Juli 2009)