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Fellner: "Es gibt derzeit die absurdesten Gerüchte"

Fellner
(c) APA (HARALD SCHNEIDER)
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"Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner hält die Frage, wen Hans Dichand liebkost und wen er verstößt, für "völlig unerheblich". Dass "Österreich" die "Krone" in Wien an Auflage überholt hat, feiert er als Triumph.

Während andere unter Werbeverlusten stöhnen, haben Sie den Break-even verkündet. Beobachtern fällt es schwer, das zu glauben.

Wolfgang Fellner: Diese Beobachter brauchen nur in die unabhängige und von allen anerkannte Marktanalyse von „Focus“ zu schauen und werden dabei sehen: Laut „Focus“ haben die Tageszeitungen zwar generell heuer leichte Werbeverluste – minus 2,2 Prozent im ersten Halbjahr, verglichen mit fast minus 20 Prozent bei Magazinen und ORF – aber die zwei neuen Tageszeitungen „Österreich“ und „Heute“ haben deutlich zugelegt. Wir liegen bei „Focus“ in den ersten fünf Monaten bei einem Plus von 7,5Prozent, in unserem Geschäftsergebnis, bereinigt um Rabatte, liegt das Plus sogar deutlich über zehn Prozent. Im Mai hatten wir deshalb zum ersten Mal den operativen Break-even – auf den Monat durchgerechnet. Ab September rechnen wir für alle Herbstmonate bereits mit Break-even, das ist deutlich früher als im Businessplan vorgesehen. Wir haben noch nicht einmal unser drittes Erscheinungsjahr beendet – vorgesehen war der Break-even erst für das siebente Jahr.

Sie bekommen immer wieder großzügige Regierungsinserate – z. B. vom Infrastruktur- oder vom Bildungsministerium.

Die Summen sind im Gegensatz zu dem, was behauptet wird, minimal. Der Vorwurf kommt immer von jenen Zeitungen, die selbst Millionen an Presseförderung kassieren und – im Verhältnis zum Umsatz – deutlich mehr Regierungsinserate aufweisen. Was wir bekommen, steht in keinem Verhältnis zur Presseförderung („Die Presse“ bekam 2008 1,35 Mio. Presseförderung, Anm.).

Es heißt, Bundeskanzler Werner Faymann habe sich beim Vorstand der Erste Bank dafür eingesetzt, dass Ihr Sohn Niki einen Kredit für das Projekt „Money.at“ bekommt. Wissen Sie davon?

Es gibt derzeit die absurdesten Gerüchte. Dieses ist völlig frei erfunden und definitiv falsch – genauso könnte man erfinden, dass sich der Herr Bundespräsident bei der Easy Bank für „Die Presse“ einsetzt.

Hans Dichand soll Faymann verstoßen haben, weil er Sie fortwährend unterstützt.

Dieses Denken ist mir völlig fremd, weil ich es für absurd halte, wenn Verleger und Zeitungsherausgeber in solchen Kategorien denken. Ich persönlich halte es für völlig unerheblich, wen ein Verleger verstößt oder liebkost. Ich glaube, dass hier die Rolle der Zeitungen missverstanden wird. Zeitungen sollen kritisch informieren, sollen distanziert informieren – aber nicht selber Parteien machen oder fördern. Ich glaube auch, dass keine Zeitung der Welt Politiker durch Gunstbeweise zu Kanzlern machen oder stürzen kann. Das ist eine hysterische Überreaktion, die kein Empfinden dafür hat, wie Zeitungen funktionieren. Zeitungen können existierende Trends, Wählerströmungen, Protestgefühle – etwa wie bei Hans-Peter Martin – unterstützen, vielleicht um zwei, drei Prozent verstärken. Aber sie können sicher keine Kanzler und Bundespräsidenten machen– Gott sei Dank nicht, das ist definitiv nicht ihre Aufgabe. Was sicher stimmt, ist aber, dass die „Krone“ ziemlich nervös geworden ist wegen der jüngsten Erfolge von „Österreich“.

Wie haben sich denn Ihre Auflagen im Vergleich zur „Krone“ entwickelt?

Es gibt in Wien bereits eine klare Wachablöse: Die „Kronen Zeitung“ hat in der Bundeshauptstadt nur mehr eine Druckauflage von 158.000 Stück, wir hatten zuletzt laut Auflagenkontrolle ÖAK schon 170.500 – das bauen wir in diesem Sommer auf bereits 250.000 Auflagen nur für Wien aus. Wir haben die „Krone“ in Wien also schon klar überholt, und das löst natürlich gewisse nervöse Reaktionen in der Muthgasse aus.

Hat die Firma Ihres Sohnes die beantragte Staatshaftung für den 2,5-Millionen-Kredit für „Money.at“ bekommen?

Das ist für uns kein Thema. Das wurde völlig falsch dargestellt, als würde „Österreich“ von der Republik 2,5Millionen Euro geschenkt bekommen. Keine Rede davon. Das Start-up-Unternehmen meines Sohnes hat für die sicherlich sehr gute Idee von „Money.at“ so wie praktisch alle Start-up-Unternehmen in diesem Land bei der AWS um eine Kreditförderung angesucht. Dabei hätte es nur eine Haftung für einen Kredit gegeben, wir hätten damit – wie alle Unternehmen – bessere Zinskonditionen erhalten: Auf die ganze Durchrechnungsphase wären das sage und schreibe 80.000 Euro gewesen. Während sich die Gremien nicht einigen konnten, haben wir das längst selbstständig auf die Beine gestellt. Im Mediengeschäft gewinnt der, der schneller und innovativer ist.

Wie finanziert sich das jetzt?

Acht Seiten Beilage sind mit ein bis zwei Seiten Inseraten ausfinanziert – so wie „Madonna“ werden wir auch „Money.at“ von Beginn in den Break-even bringen. Und ich gehe davon aus, dass wir diese Beilage vom Start weg positiv betreiben.

Wie hoch ist denn Ihr Startkapital?

Das ist nicht wahnsinnig viel. „Money.at“ ist eine schlanke, für ein junges, breites Publikum konzipierte Wirtschaftsbeilage. Das ist ein kreativ gestaltetes Beiboot, kein Kreuzfahrtschiff. Wir wollen hier für eine junge Zielgruppe eine neue, spannende Geld- und Wirtschaftsberichterstattung anbieten.

Aber es wird sich doch beziffern lassen – immerhin war von vier Millionen Eigenmitteln, vier Millionen von Erste Bank und der Wiener Städtischen und von einem weiteren Kredit von zunächst auch vier, dann nur 2,5 Millionen Euro der Erste Bank die Rede. Für Letztere hätte der Staat haften sollen.

Das sind Fantasiezahlen, die nicht der Realität entsprechen. Wir machen dieses Projekt mit einem deutlich kleineren Budget.

Können Sie garantieren, dass die vom Staat besicherten Gelder – so Sie welche bekommen sollten – nicht zur Finanzierung des laufenden Betriebs von „Österreich“ verwendet werden?

Wir machen „Money.at“ – ähnlich wie bei „Madonna“ – in einer eigenen Gesellschaft, wirtschaftlich getrennt von „Österreich“. Da ist schon allein aufgrund des kleinen Budgets keine Querfinanzierung möglich – und sie ist auch gar nicht gewünscht, weil das ja ein eigenständiges Unternehmen mit einem eigenen Firmenwert und einer sehr attraktiven Marke ist.

Aber diese Beilage wird ja von Ihrer Wirtschaftsredaktion gemacht, die nach Abgängen personell geschwächt sein soll.

Auch „Madonna“ wird von unserem Life&Style-Team gemacht, diese Synergie ist ja eines der Erfolgsgeheimnisse, warum diese Projekte so schnell in der Gewinnzone sind. Personell wird definitiv nicht eingespart – im Gegenteil, da bauen wir aus: Es kommen zwei Kollegen dazu, dann sind das acht Redakteure.

Könnte sich „Money.at“ eines Tages als Magazin selbstständig machen?

Wenn das Projekt ein Erfolg ist, sind viele Ausbauformen möglich: Zusätzlich ein Magazin zu machen oder vielleicht als Vision so etwas wie einen Bloomberg-Channel im Internet – das ist alles denkbar. Jetzt wollen wir die Zeitungsbeilage „Money.at“ von Beginn an im Break-even haben. Über weitere Projekte hat ausschließlich mein Sohn zu verfügen, weil die Firma ihm gehört. Es ist sein Baby und sein jetzt schon sehr beachtlicher Erfolg. Aber wenn das im Herbst so gut weitergeht, wird er sicher weitere Investitionen tätigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2009)