Formel 1: Senkrechtstarter ohne Starallüren

Vettel
Vettel(c) REUTERS (KAI PFAFFENBACH)
  • Drucken

Sebastian Vettel ist der einzige Formel-1-Pilot, der heuer Jenson Buttons Siegesserie stoppen konnte. Vor dem GP von Deutschland erzählt er der "Presse", dass er sich trotzdem noch über Autogrammwünsche wundert.

In dieser Formel-1-Saison gab es mit Jenson Button und Ihnen erst zwei Sieger. Bleibt das auch am Nürburgring so?

Sebastian Vettel: Es wäre gelogen, Jenson und mich nicht als Mitfavoriten zu bezeichnen, allerdings ist auch von unseren beiden Teamkollegen Webber und Barrichello viel zu erwarten. Außerdem ist der Nürburgring für Wetterkapriolen bekannt – da kann ein Rennen auch schon mal zur Lotterie werden.

Warum stellen nur BrawnGP und Red Bull heuer die Siegerautos? Warum sind Ferrari und McLaren gar so weit weg vom Fenster?

Bedingt durch das neue Reglement musste jeder auf einem weißen Blatt Papier anfangen. Und man kann sagen, dass wir und Brawn das leere Blatt bis jetzt am sinnvollsten gefüllt haben. Im Übrigen ist Ferrari bisher unter Wert geschlagen worden, ich rechne immer noch fest mit ihnen, ich traue ihnen sogar Siegchancen zu.

(c) Die Presse / JV

Wie sehr können Sie Jenson Button noch zusetzen? Sie sind offensichtlich der einzige aus dem Feld, der ihm den Rang oder den Titel noch ablaufen kann.

Wir haben ein schnelles Auto, sie aber auch. Deshalb wird es ein enges Rennen bis zum Ende der Saison. Wir versuchen immer, das Beste rauszuholen! Wir wollen alle schlagen.

Zu überholen und nicht nur Button hinterherzufahren – was ist das für ein Gefühl? Beneiden einen da nicht alle anderen?

Man fährt Autorennen, um zu gewinnen, und will jeden zu überholen, nicht nur einen speziellen Piloten.

Sie bestreiten jetzt ein Heimrennen, wie hoch schlägt da das Herz? Und wie viel Österreich sitzt in Ihrem Cockpit?

In den 90 Minuten, in denen ich das Rennen fahre, überlege ich nicht, in welchem Land ich mich gerade befinde, sondern konzentriere mich nur aufs Rennen. Es gibt hier nicht mehr Punkte als anderswo, aber der Große Preis von Deutschland ist nun mal mein Heimrennen. Das gibt extra viel Motivation. Es gibt nichts Schöneres, als bei der Ehrenrunde an den deutschen Fans vorbeizufahren. Und zur Österreich-Frage: Mein Red-Bull-Team läuft unter österreichischer Lizenz – das sagt ja wohl alles! Ich hoffe, die Hymne noch öfter zu hören.

Sie kommen aus der Fahrerschmiede von Red Bull. Hätten Sie auch einen anderen Weg in die F1 gefunden? Wer war der beste Lehrer, Gerhard Berger etwa?

Dass ich im Junior-Programm war, ist optimal. Es hat mir den Weg bereitet. Ich hatte viele gute Lehrmeister, es wäre aber unfair, jetzt einen dabei herauszuheben. Und Fakt ist: Ohne Red Bull wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin!

Sie sagten zuletzt immer wieder, Sie wären kein „Star“. Sehen Sie das als WM-Mitfavorit noch immer so? Was aber wäre so schlimm daran, ein Star zu sein?

Ich wundere mich immer noch, wenn jemand von mir am Flughafen ein Autogramm haben will! Ich finde, wer sich als Star fühlt, ist auf dem besten Weg, keiner mehr zu sein. Ich bin, wer ich bin, und dazu gehört es auch, mit beiden Füßen am Boden zu bleiben.

Glauben Sie, dass die Budgetstreitereien dem Image der F1 geschadet haben? Oder lässt man solche Diskussionen als Fahrer links liegen?

Ich konzentriere mich ganz aufs Fahren, aber dass Diskussionen, die sich über Monate hinziehen, nicht hilfreich für einen Sport sind, ist auch klar. Letzten Endes interessieren sich die Leute aber für die Autos und Fahrer. Das ist gut so.

Wie sehr hat sich Ihr Leben durch den Job als F1-Pilot verändert, vor allem jetzt nach Ihren Siegen?

Mein Leben hat sich nicht verändert. Besonders nicht meine Lebenseinstellung.

Wie sehr leidet das Privatleben darunter? Nun will ja jeder alles über Sie wissen, bleibt da noch Freiraum?

Wie Sie schon sagen, jeder will alles wissen. Deshalb erfahren auch Sie hier nichts.

Wie sieht ein typischer Sonntag bei Ihnen aus, sofern kein Grand Prix oder Testfahrten warten?

Lange schlafen und dann mit meinen Freunden was unternehmen, oder ich gehe Fußball spielen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2009)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.