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Vorstadtweiber, Folge 11: Rückkehr mit schlechter Laune

Caro und Hadrian Melzer bei der Sexualtherapeutin, gespielt von Nicole Beutler.
Caro und Hadrian Melzer bei der Sexualtherapeutin, gespielt von Nicole Beutler.(c) ORF (Petro Domenigg)
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Episodenrückschau Staffel zwei, Folge 11: Aus dem Gefängnis entlassen, aber zerstritten, sind die fünf Freundinnen. Neue Figuren werden eingeführt und es ist schon wieder jemand schwanger.

  • Spoiler: Wir verraten den Inhalt der ersten Folge der zweiten Staffel.

Exakt ein Jahr ist vergangen seit dem Finale der "Vorstadtweiber" auf einem (wahrscheinlich: Döblinger) Friedhof. Und spätestens seit der Ausstrahlung der österreichischen Produktion in der ARD ein paar Wochen später müssen Kritiker anerkennen, dass man an der Serie derzeit nicht vorbei kommt, zumindest gemessen an den Zuseherzahlen (im Durchschnitt 900.000 in Österreich, vier Millionen in Deutschland pro Folge). Deswegen nimmt "Die Presse" ab sofort jede Episode - nach angloamerikanischem Vorbild der Recaps - ausführlich unter die Lupe, analysiert Charaktere, Dialoge und Handlungsstränge. Die Episodenrückschau wird aktuell zur jeweiligen Sendung online gehen.

Nach der ersten Folge fällt zunächst einmal eines auf: In der Vorstadt ist offenbar immer Sommer. Denn im Auftakt der neuen, zweiten Staffel sprießen Wiesen und Bäume noch genauso quietschgrün wie am Ende der ersten, die Kleider sind genauso kurz und ärmellos. Während also in der Realität ein Jahr vergangen ist, sind es in der Serie nur drei Monate. Waltraud (Maria Köstlinger) war beim Finale der ersten Staffel im vierten Monat schwanger und freut sich jetzt im siebenten genauso wenig auf den Nachwuchs wie bisher. Erstaunlich, dass sie sich dennoch freiwillig auf einen Kinderspielplatz begibt. Das Drehbuch (Uli Brée) schickt sie dort zumindest hin. Vielleicht zur Eingewöhnung auf die Mutterrolle? Wir erfahren es nicht.

Sie trifft dort jedenfalls auf die ebenso schwangere und entrückt wirkende Vanessa, die über Helikoptereltern scherzt, ihren eigenen Sohn aber beinah in der Sandkiste verliert. Hilde Dalik legt die neue Figur vordergründig liebenswert-naiv an. Dass diese Vanessa im schneeweißen Kleidchen mit der Nickelbrille aber hoch gesteckte Ziele - vor allem für ihre Kinder - hat, verrät der erste längere Dialog (Achtung: erwartbare Anspielung an den übertriebenen Ehrgeiz einer bestimmten Elterngeneration): Ihren Oskar hat sie bereits im Kindergarten angemeldet, bevor er gezeugt wurde, und seine Spielkameraden in der "Auberge de Petite" sind der Sohn vom Innenminister und die Tochter vom Star-Primarius ("Es wird meinem Sohn sicher nicht schaden, wenn er solche Leute schon vom Kindergarten her kennt."). Waltraud kann das nicht erschüttern, sie stellt trocken fest: "Mit dem Arschkriechen kann man nie früh genug anfangen." Sie macht sich weniger Gedanken über den Krippenplatz für ihr Baby als darüber, ob dessen Vater "die Matura schafft".

Showdown am Friedhof in der ersten Staffel.(c) ORF (Petro Domenigg)

Zeit für eine kleine Rückschau: Am Ende der ersten Staffel wussten wir, dass Waltraud ein Baby von ihrem ehemaligen Nachhilfeschüler und Liebhaber Simon (Johannes Nussbaum), dem Sohn von Maria (Gerti Drassl) und Georg Schneider (Juergen Maurer) erwartet. Waltrauds Mann Josef (Simon Schwarz) hatte das früher überzuckert als der Rest der Nachbarschaft und deswegen sein gesamtes Vermögen an den 16-jährigen Simon vermacht. Josefs überraschender Tod durch Fremdverschulden bringt somit nicht nur Waltraud in akute Geldnöte, sondern auch sie und ihre Freundinnen unter Mordverdacht. Bei Josefs Begräbnis werden die fünf vor den Augen ihrer Ehemänner vom meist in Dunkeln tappenden, aber liebenswürdigen Vater-Sohn-Polizisten-Duo Jörg (Thomas Mraz) und Bruno Pudschedl (Branko Samarovski) abgeführt und ins Gefängnis gebracht.

Neue Freiheit für (fast) alle

Mittlerweile sind alle bis auf Nicole "Nicoletta" Huber (Nina Proll) aus dem Gefängnis draußen. Der früheren Boutiquenbesitzerin glaubt man zwar, ihren Liebhaber Josef nicht getötet zu haben, ihre Geschäfte mit gefälschter Markenkleidung allerdings gefallen den Steuerfahndern nicht.

Eines fällt auf in diesem dramaturgisch noch recht dünnen Staffelauftakt: Die Laune ist bei allen noch schlechter als bisher, jede(r) hasst jede(n) und die Reflektierteren sich selbst. Maria kann gar nicht genug Malakofftorten essen, um sich zu beruhigen. Vielleicht fehlt der Eierlikör. Den darf sie nämlich nicht mehr trinken, jetzt, wo sie doch schwanger ist. An der Lade mit den Jesus-Witzen konnte Drehbuchautor Ulli Brée offenbar nicht vorbeigehen. Da flötet Maria ihrem Gynäkologen verzweifelt entgegen: "Es gibt nämlich keinen Vater", schon rät der ihr als möglichen Bubennamen eben "Jesus".

Gut, wenn jemand solche schwachen Passagen ausmerzen kann, dann Gerti Drassl, der die Rolle der Maria ausnehmend gut liegt. Ihrer Schwiegermutter Anna (Gertrud Roll) begegnet sie beim Auszug mit ungewohnt spitzer Zunge: "Anna, dass ich dich noch sehe. Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich noch eine sinnlose Runde im Kreis gefahren." Auch wenn der Zuseher glauben soll, dass ihr Callboy Timo (Peter Marton) der Vater des Kindes ist, sagen wir nun mutig voraus: Da steckt sicher noch eine Überraschung dahinter.

Maria Schneider (Gerti Drassl) wartet auf das Ergebnis ihres Schwangerschaftstests.(c) ORF (Petro Domenigg)

Apropos Auszug: Oma Anna siedelt nun zu ihrer Tochter Sylvia in die Himmelstraße. Somit lernen wir nicht nur Georgs Schwester, sondern auch Hadrians Ex-Frau kennen, von der er in einer der ersten Folgen sprach. Bis auf einen Mini-Dialog mit ihrer Mutter hat Sylvia, gespielt von Julia Stemberger, allerdings noch wenig Entfaltungsmöglichkeiten in dieser Folge. Aber neue Protagonisten tun der Serie sicherlich gut.

Schlechte Laune herrscht auch bei den Melzers: Caro (Martina Ebm) und Hadrian (Bernhard Schir) konsultieren die Sexual-Therapeutin Angela (ebenfalls neu: Nicole Beutler), weil Caro häufiger Lust hat als ihr Mann. Der erklärt wehleidig, wie anstrengend er das ständige Sexbedürfnis seiner Frau empfindet - und sagt dann den sehr seltsamen Satz: "Du willst, dass ich es Dir jeden Abend so richtig besorge, und gleichzeitig kämpfst Du für die Rechte der Frauen. Da habe ich manchmal das Gefühl, ich bin mit der Pamela Anderson im Bett, die redet aber wie die Alice Schwarzer." Die trockene Antwort der Therapeutin: "Herr Melzer, wär's ihnen andersrum lieber?" Caro will das Prolem mitten in der Therapiestunde lösen, ein Ansatz, der der Therapeutin gefällt, nicht jedoch ihrem Mann, der sich ungeschickt verplappert, als er sagt: "Ich kann nicht zwei Mal hintereinander." Da Caro beim ersten Mal nicht anwesend war, vermutet sie nun also Betrug.

Abgesehen von ihrem eigenen Beziehungsleben ist Caro in dieser Folge die Undurchschaubarste: Warum gibt ausgerechnet die jüngste im Weiber-Quintett allen zerstrittenen Freundinnen den gleichen (platten) Rat, den sie noch dazu abwechselnd zur buddhistischen, russischen oder feministischen Weisheit erklärt: "Wenn Du Deine Feindin nicht besiegen kannst, dann mach sie zu deiner Freundin." (In Wahrheit ist das eine Volksweisheit ohne bestimmte Herkunft.) Was Caro vom kollektiven Frieden hat, ist noch unklar, doch am Ende der ersten Folge geht ihre Sprüche-Saat auf. Bei einem Willkommensfest von Nicolette in ihrem Stammlokal liegen sich die Freundinnen plakativ in den Armen. Der Satz der Folge nach der öffentlichen Versöhnung kommt von Nicoletta, die sich nach der kitschigen Szene übergeben muss: "Manchmal graust mir so dermaßen vor mir selber, dass ich kotzen muss."

Rätsel der Woche

Wenig war bisher die Rede von den krummen Geschäften, die der schöne Lobbyisten-Berti (Lucas Gregorowicz), Banker Hadrian und Georg rund um die vom Ministerium geplante Autobahn ausgeheckt haben. Josefs Tod und die Verhaftung ihrer Frauen hat ihren Tatendrang zwar gedämpft, zudem sitzt Georg nach dem gekonnten Einsatz des Rückwärtsgangs seiner Frau immer noch im Rollstuhl. Doch mit Sabine, der Kurzzeit-Affäre von Bertram, ist nun eine enge Vertraute die neue Gutachterin für das Verkehrsministerium, was die Motivation der Männer wieder fördern dürfte. Interessant ist nur, dass sich Sabine inzwischen amourös mit Helga (Sandra Cervik), Betrams Haushälterin, einlässt.

Hilde Dalik (links) spielt das neue Vorstadtweib Vanessa, die unbedingt mit Waltraud befreundet sein will.(c) ORF (Petro Domenigg)

Und was tut sich Neues in der Mordsache? Nichts. Der aufmerksame Zuseher erinnert sich ja noch, wer Josef umgebracht hat und welchen Namen er seiner Frau zugeraunt hat (für Vergessliche, es war: "Schnitzler", das ist der schwule Minister, gespielt von Philipp Hochmair), bevor er den letzten Atemzug tat. Ein Rätsel bleibt, warum sich Waltraud bisher nicht an diesen Namen erinnern will. Der Tod ihres Mannes hat sie wohl kaum so erschüttert, dass sie den Namen im Schock vergessen hat. Andererseits war sie bisher an dem Autobahn-Geschäft auffallend wenig interessiert und es sieht auch jetzt nicht so aus, als habe sie etwas anderes im Kopf als ihre ungewollte Schwangerschaft.

Das Stammlokal der nun ziemlich zerstrittenen Clique, das ab sofort Nicoletta als Geschäftsführerin führt, gehört jetzt übrigens Anwältin Tina (Proschat Madani), die dank ihrer unerschrockenen Art und der besten Textzeilen immer noch die Lieblingsfigur der Serie ist.

Kleine Info für Hardcore-Fans: Die Video-on-Demand-Plattform "Flimmit" zeigt ab heute, Montag, direkt nach der Ausstrahlung der aktuellen Folge auf ORFeins, bereits die nächste Folge. Nur die finale Folge 20 wird erst nach ihrer TV-Premiere auf Flimmit zu sehen sein.

>> Überblick über die Vostadtweiber-Episodenrückschau

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