Porsche-Zukunft vor Entscheidung

(c) AP (Thomas Kienzle)
  • Drucken

Eigentümerfamilien beraten (und streiten) über Angebot aus Katar. Sollte der Deal zustande kommen, wäre der Sportwagenhersteller auf einen Schlag vom Großteil seiner Schulden befreit. Das Angebot aus Katar ist laut Wiedeking „endverhandelt“.

Stuttgart/Frankfurt (red./ag.). Es hätte ein Treffen in aller Diskretion werden sollen – doch dann wurde die Sache doch publik: Die Eigentümerfamilien des deutschen Autobauers Porsche haben sich gestern, Sonntag, in Salzburg getroffen. Kein gewöhnliches Familientreffen, wohlgemerkt. Vielmehr ging es um die Zukunft von Porsche. Denn im Machtkampf mit seinem Widersacher, dem VW-Patriarchen Ferdinand Piëch, ist für Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ein „Befreiungsschlag“ in greifbare Nähe gerückt. In der monatelangen Suche nach einer Geldquelle für den mit neun Mrd. Euro hochverschuldeten VW-Großaktionär Porsche könnte das Emirat Katar die Rettung sein: Der Golfstaat bietet der Porsche Automobil Holding SE nach Angaben aus Bankenkreisen rund sieben Mrd. Euro für den Kauf von Optionen und Stammaktien.

Sollte der Deal zustande kommen, wäre der Sportwagenhersteller auf einen Schlag vom Großteil seiner Schulden befreit. Das Angebot aus Katar ist laut Wiedeking „endverhandelt“.

Doch das letzte Wort ist in dem seit Wochen tobenden Machtstreit noch nicht gesprochen. Der Familienrat tagt – spätestens am Donnerstag bei der Hundertjahrfeier für die VW-Tochter Audi in Ingolstadt werde es eine Verlautbarung geben, heißt es.

VW-Piëch ringt um Einfluss

Bei einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am 23.Juli entscheidet der Porsche-Aufsichtsrat über die Angebote von Katar und Volkswagen. VW soll laut eines Berichts des „Spiegel“ sein Angebot von bisher drei auf vier Mrd. Euro erhöht haben und nun deutlich mehr als vier Mrd. Euro für eine Beteiligung von 49,9Prozent an Porsche zahlen wollen.

Porsche hält knapp 51 Prozent an Volkswagen. Beim Übernahmeversuch von Europas größtem Autobauer hatten die Stuttgarter den riesigen Schuldenberg angehäuft.

Porsche-Chef Wiedeking wehrt sich mit aller Kraft gegen die Übernahme durch VW – denn das würde wohl auch ihn die Macht kosten. Hingegen würde eine Hereinnahme von Katar den Großteil seiner Sorgen lösen. Über eine Kapitalerhöhung würde sich Katar an bis zu 25Prozent der Holding beteiligen und stimmberechtigte Stammaktien erwerben, die bisher ausschließlich im Besitz der Familien Porsche und Piëch sind.

Ferdinand Piëch hat sich bereits mehrfach gegen einen Einstieg des Emirats ausgesprochen. Der Aufsichtsratschef der Porsche-Holding, Piëchs Cousin Wolfgang Porsche, hingegen will – so wie Piëch-Bruder Hans-Michel – die Eigenständigkeit von Porsche erhalten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2009)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.