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Das Opfer spielt nicht mit in dieser Fluchtgeschichte

Katharina Klar, Christoph Rothenbuchner(C) Robert Polster/ Volkstheater
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„Isabelle H.“ im Volx/Margareten: Ein intensives Stück mit tollem Ensemble.

Das Stück „Isabelle H. (geopfert wird immer)“, das am Samstag im Volx/Margareten, der kleinen Nebenspielstätte des Volkstheaters, Premiere hatte, stellte gleich zu Beginn klar, dass es hier nicht gespielt werden will: „Dieser Text muss auf die große Bühne“, verlautbarte der Autor Thomas Köck in einer Videoeinspielung. Das Publikum, das die Premiere frenetisch bejubelte, würde ihm wohl recht geben. Das Stück, schlau konstruiert und von Felix Hafner mitreißend inszeniert, wirft einen scharfen Blick auf die eingelernten Vorstellungen von Täter- und Opferrollen und lässt Flüchtlinge, mit deren Leid sich gut Betroffenheitstheater machen lässt, in einem anderen Licht erscheinen.

Denn Betroffenheitstheater, genau das will „Isabelle H.“ nicht sein. Ein junger, traumatisierter Soldat (Christoph Rothenbuchner), eben aus Afghanistan zurückgekehrt, und eine illegale Immigrantin (Katharina Klar), die kaum mehr von sich preisgibt als ihren Namen, angeblich Isabelle Huppert, harren in einer Lagerhalle aus, die jeden Moment von einem Sonderkommando gestürmt werden könnte. Was die beiden hergeführt hat – da sind Leichenberge und tote Polizisten im Spiel – , wird nach und nach in Rückblenden aufgedeckt. Als der Soldat von seinen unterdrückten Kriegserinnerungen eingeholt wird, spitzt sich die Situation zu – und könnte wie ein klassischer Thriller enden, wäre da nicht Isabelle, die sich weigert, in dieser Geschichte das Opfer zu spielen. Im kahlen, mit Plastikfolie ausgelegten Bühnenbild werden aus Köcks Zeilen intensive, schwer erträgliche Szenen – und das Ensemble beeindruckt in diesem Stück, das so geschickt mit unseren Erwartungen spielt. (kanu)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2016)