Bundestheater: Bund und Kunst im ewigen Clinch ums Geld

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Die Burgtheater-Krise kam nicht von ungefähr. An Warnungen und Anzeichen hat es nicht gefehlt. Nun wurde die Subvention für alle Staatsbühnen deutlich erhöht. Prozesse sind weiter anhängig.

Wien. Durch die Ausgliederung 1999 wurden die Bundestheater mit Staatsoper, Burgtheater, Volksoper in GmbHs umgewandelt – und damit, kurz gesagt, ökonomisch an die Kandare genommen. Die Politik wollte häufigen Geldforderungen der Bühnen einen Riegel vorschieben. Es wurde ein fixer Betrag (Basisabgeltung) als Subvention für die Staatsbühnen vereinbart – dieser aber jahrelang nicht erhöht. Das brachte die Bühnen in Bedrängnis. In Folge wurde rationalisiert.

1988–1990 war Rudolf Scholten, heute Generaldirektor der Kontrollbank, Generalsekretär des Bundesverbandes. 1991 wurde Scholtens Stellvertreter, Georg Springer, Generalsekretär. Nach der Ausgliederung wurde Springer Holding-Chef. Bereits 2001 warnte Springer vor Engpässen, wenn die Subvention nicht erhöht würde. 2011/12 bilanzierte der Bundestheater-Konzern „mit einer schwarzen Null“, so Springer, und weiter: „Der Tank ist leer. Wir fahren auf Reserve, und es ist keine Tankstelle in Sicht.“ Immer wieder kam es zu Scharmützeln zwischen dem früheren Staatsopern-Direktor Ioan Holender und Ex-Burgtheater-Direktor Nikolaus Bachler, heute Direktor der Bayerischen Staatsoper in München. Holender wunderte sich, dass das Burgtheater mit seinem Geld nicht auskomme, er schon. Bachler replizierte verärgert, die Subvention sei zu niedrig. 2009 übernahm Matthias Hartmann das Burgtheater. Staatssekretär Franz Morak (ÖVP) hatte den erfolgreichen Intendanten in Bochum und Zürich engagiert.

 

Ostermayer entließ Geschäftsführung

2013 erklärte Hartmann bei der Spielplan-Präsentation: „Der Tag, an dem es nicht mehr geht, ist bereits verstrichen.“ Freilich hinterfragte niemand ernstlich die Kosten von Hartmanns künstlerischer Offensive bei seinem Amtsantritt – und dessen Einkünfte.

An Hartmanns Seite amtierte als kaufmännische Geschäftsführerin Silvia Stantejsky, eine Institution des Burgtheaters, mit vielen Künstlern befreundet. Im November 2013 wurde Stantejsky wegen Ungereimtheiten in der Buchführung suspendiert und in weiterer Folge fristlos entlassen. Thomas Königstorfer, kaufmännischer Direktor des Landes- und Musiktheaters in Linz, wird Burgtheater-Geschäftsführer. Es wird bekannt, dass die Burg einen Jahresverlust von 8,5 Millionen Euro verzeichnen könnte. Hohe Steuernachzahlungen drohen – sogar Konkurs. Ein Bericht der KPMG-Wirtschaftsprüfer belastet Stantejsky. Es gibt den Verdacht der Urkunden-, Beweismittel- und Bilanzfälschung. Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) ersucht im März 2014 den Rechnungshof, die Geschäftsgebarung des Burgtheaters zu überprüfen. Außerdem entlässt Ostermayer Burg-Chef Hartmann. Dieser klagt. Mehrere Prozesse sind weiter anhängig.

Karin Bergmann wird Interimschefin und später Burgtheaterdirektorin, die erste in der Geschichte des Hauses. Ihr Vertrag läuft bis 2019. Springer geht 2014 in Pension. Günter Rhomberg löst ihn ab – als interimistischer Geschäftsführer der Bundestheater-Holding. Dessen Nachfolger wird ab 1. April 2016 Christian Kircher, bisher Finanzdirektor des Wien-Museums. In einer Novelle zum Bundestheater-Organisationsgesetz werden Dreijahrespläne für die Bühnen festgelegt. Die Subvention wird um 14 Millionen Euro auf 162,9 Millionen erhöht. (bp/APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.03.2016)