Ähnlich wie Europa bleibt auch Japan bei der Politik des billigen Geldes. Die Aussichten auf einen Aufschwung und mehr Inflation sind nämlich düster. Nach der Schrumpfung 2015 droht heuer abermals eine Rezession.
Tokio. Angesichts einer drohenden Rezession setzen auch Japans Währungshüter weiter auf eine Politik des billigen Geldes. So beschloss die Bank von Japan (BoJ) am Dienstag nach dem Abschluss zweitägiger Beratungen, die Geldmenge wie gehabt um jährlich 80 Billionen Yen (632 Mrd. Euro) auszuweiten. Auch an den im Jänner überraschend eingeführten Negativzinsen zur Ankurbelung der Preise und des Wirtschaftswachstums halten die Notenbanker fest. Von einer weiteren Lockerung der geldpolitischen Zügel sahen die Notenbanker allerdings vorerst ab, was Anleger enttäuschte.
„Das abgeschwächte Konjunkturbild ist ein Vorspiel für eine weitere geldpolitische Lockerung“, konstatierte Ökonom Hiroaki Muto vom Tokai Tokyo Research Center. Laut Notenbankchef Haruhiko Kuroda ist der Werkzeugkasten der BoJ gut bestückt: „Wir haben uns aber nicht auf irgendwelche Schritte festgelegt“, betonte Kuroda.
Da der Wirtschaft ein Rückfall in die Rezession drohe, werde die Notenbank im April voraussichtlich ihre Wachstums- und Inflationsprognosen nach unten revidieren, erfuhr Reuters von Insidern. Die Wirtschaft ist Ende 2015 geschrumpft und könnte laut Ökonomen auch Anfang 2016 auf Talfahrt geblieben sein.
Schwache Konsumausgaben
Auch die Europäische Zentralbank kämpft mit allen Mitteln gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche: Die Währungshüter senkten erst dieser Tage den Leitzins von 0,05 Prozent auf 0,0 Prozent. Zugleich pumpt die EZB noch mehr Geld in den Markt und brummt Finanzinstituten, die Geld bei ihr parken, höhere Strafzinsen auf. Die Finanzmärkte schauen nun auf die Sitzung der US-Notenbank Fed am Mittwochabend. Es wird aber nicht erwartet, dass sie die Leitzinsen weiter anhebt.
Die japanischen Notenbanker ihrerseits kämpfen darum, nach fast zwei Jahrzehnten der Deflation mit stetig fallenden Preisen ein Inflationsziel von zwei Prozent zu erreichen. Doch das gestaltet sich nicht zuletzt wegen des Ölpreisverfalls schwierig. Sinkende Preise gelten als problematisch, weil sinkende Erlöserwartungen Firmen davon abhalten können, Investitionen zu tätigen. Im Jänner dümpelten die Verbraucherpreise weiter vor sich hin. Vor allem wegen der immer noch schwachen Ausgaben der Verbraucher, die in Japan zu rund 60 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes beitragen, ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt im Schlussquartal 2015 um eine hochgerechnete Jahresrate von real 1,1 Prozent geschrumpft.
Umstrittener Negativzins
Vor diesem Hintergrund sowie angesichts von Sorgen über die Flaute beim größten Handelspartner China führte die Bank von Japan im Jänner einen Negativzins von 0,1 Prozent ein. Damit sollen Geschäftsbanken – ähnlich wie in der Eurozone – davon abgehalten werden, große Mengen an Geld bei der Notenbank zu parken, statt sie als Kredite für Investitionen an die Unternehmen zu vergeben. Bisher hat es jedoch keine großen Anzeichen dafür gegeben, dass Unternehmen mehr Geld aufgenommen haben. Notenbankchef Kuroda zeigte sich dennoch überzeugt, dass der Negativzins Wirkung auf die Realwirtschaft wie auch auf die Preisentwicklung zeigen werde. Notfalls sei man bereit, weitere Schritte zur Lockerung der Geldpolitik zu ergreifen. (ag./est)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.03.2016)