Im Machtspiel zwischen Haustieren und ihren Haltern wenden Katzen einen akustischen Trick an.
Wenn Halter von Haustieren sich selbst als „Herrchen“ titulieren, dann hat der Diminutiv verschiedene Gründe, je nach Tier: Wenn Hunde nicht folgen, liegt das an der Erziehung, sie bzw. ihre Ahnen, die Wölfe, sind soziale Tiere, die Rudelführer anerkennen. Bei Katzen hingegen haben schon viele Besitzer alle Hoffnung aufgegeben bzw. ihren Willen vorauseilend dem ihrer Schutzbefohlenen angeglichen.
Die sind einfach zu eigenständig, und sie arbeiten mit allen Raffinessen, etwa einem akustischen Trick, den Karen McComb (Zoo Atlanta) in ihrem Labor an zehn Katzen analysiert hat: Wenn diese Tiere Futter wollten, schnurrten sie – und betteten mitten in das behagliche Geräusch ein schrilles „Miau“ ein, das an das Schreien eines Menschenbabys erinnerte, es hatte die gleiche Frequenz, zwischen 300 und 600 Hertz.
Subtile Ausbeutung
Die Mischung öffnet Menschenohren: 50 Testpersonen hörten die Sequenz vom Band, alle – auch Nichtkatzenbesitzer – nahmen das Signal als unangenehm und dringlich wahr. Die Forscherin interpretiert das so, dass Katzen ihr innerartliches Kommunikationsverhalten – sie schnurren und miauen beim Saugen – auf die Kommunikation mit der anderen Art übertragen haben: „Die hochfrequente Komponente im Schnurren könnte der subtilen Ausbeutung dienen und eine Sensibilität gegenüber solchen Schreien ausnutzen, die allen Säugetieren gemeinsam ist“ (Current Biology, 13.7.).
„Man muss bei solchen Befunden vorsichtig sein“, mahnt Kurt Kotrschal (Uni Wien), „Katzen können sich furchtbar aufführen. Aber ihr Kommunikationsrepertoire ist individuell unglaublich unterschiedlich.“ Das kommt nicht nur von ihren eigenen Eigenschaften, sondern auch von denen ihrer sozialen Situation. Kotrschal hat es in einer der raren Studien erhoben, die sich mit der sozialen Situation der „Dyade“ von Mensch und Katze bzw. mit ihren Auswirkungen auf das Verhalten der Katzen beschäftigen: „Manche Katzen gehen zur Schüssel und fressen, andere sind heikel, maunzen, drehen eine Runde in der Wohnung, schauen den Besitzer an.“
Dann hängt viel daran, wie der zurückschaut: „Leute, die ihre Katze zwar lieben, aber sie im Wesentlichen als Haustier betrachten und ihnen zweimal am Tag Futter hinstellen, werden eher Katzen haben, die anstandslos fressen. Andere, die Katzen emotional als Partner brauchen und das Futter aufbessern, wenn die nur ein bisschen schielen, werden eher futtermäkelige Katzen haben.“ Vor allem dann, wenn sie Kater sind, das Geschlecht spielt mit: Kater zeigen expressiver, wenn ihnen Futter nicht passt – und schlingen dann doch. Bei Weibchen ist es umgekehrt (CAB Reviews, 10.6.).
Überlagert wird das von der Person, die füttert. Und die kann sich auskennen, so gut sie will – mancher nimmt von ihr nichts, auch dieses Problem gibt es. Kotrschal erlebte es gerade, er zieht mit seiner Gruppe im Rahmen eines Wolfsprojekts Jungtiere auf, mit der Flasche: Ein Junges lehnte beharrlich ab, wenn die Flasche in Kotrschals Händen war, eine Studentin musste einspringen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2009)