Wie erwartet hat die US-Notenbank Fed heute ihre Zinsen unverändert gelassen. Und sie beruhigte die Märkte zusätzlich: Statt, wie früher angenommen, bis zu vier soll es heuer nur noch zwei kleine Zinsschritte geben, ließ Fed-Chefin Janet Yellen durchblicken.
Die US-Notenbank Federal Reserve steuert bei ihrer Geldpolitik einen äußerst vorsichtigen Kurs und lässt ihren Leitzins unverändert bei 0,25 bis 0,5 Prozent. Das hat der Offenmarkt-Ausschuss der Fed unter Leitung von Notenbank-Chefin Janet Yellen am Mittwoch nach seiner März-Sitzung bekanntgegeben.
Die Anhebung des Zinsniveaus auf ein normales Maß könnte wegen Einflüssen aus der Weltwirtschaft langsamer vonstatten gehen als geplant.
Für dieses Jahr sind nur noch zwei Zinsschritte auf 0,9 Prozent die Zielmarke, bisher waren vier geplant. Der Ausschuss begründete seine Zurückhaltung besonders mit Risiken in der Weltwirtschaft. "Unsere Nachbarn wie etwa Mexiko spüren die Auswirkungen des niedrigen Ölpreises", sagte Yellen.
"Weltweite wirtschaftliche und finanzielle Entwicklungen bedeuten weiterhin Gefahr", heißt es in einem Statement der Fed. Der Zins werde noch für eine ganze Weile unter der langfristigen Zielmarke liegen. Schuld daran sei neben Entwicklungen im Ausland auch die Inflation, die bisher nicht die Zielmarke von zwei Prozent erreicht habe.
Das liege einerseits an den niedrigen Energie- und Rohstoffpreisen, andererseits aber auch an billigen Importen wegen des vergleichsweise starken Dollars.
"Wachstum ist etwas weicher, als wir erwartet hatten"
Fed-Chefin Janet Yellen rechnet erst 2018 mit dem Erreichen dieser Grenze, 2016 werde die Inflation bei nur 1,2 Prozent liegen. "Auch das Wachstum ist etwas weicher, als wir erwartet hatten", sagte sie. Dafür werde die Arbeitslosenquote von derzeit 4,9 Prozent bis 2018 sogar auf 4,5 Prozent zurückgehen: Das ist nahe an der Vollbeschäftigung.
Die Zinsentscheidung in USA hat den Eurokurs am Mittwoch im amerikanischen Handel nach oben katapultiert. Die Gemeinschaftswährung kostete zuletzt 1,1210 US-Dollar. Den Referenzkurs hatte die Europäische Zentralbank zuvor auf 1,1064 (Vortag: 1,1109) Dollar gesetzt. Der Dollar kostete 0,9038 (0,9002) Euro.
Die meisten Experten hatten mit dieser Entscheidung gerechnet. Eine Umfrage des "Wall Street Journals" unter Volkswirten hatte eine Wahrscheinlichkeit von lediglich zwölf Prozent für eine Erhöhung ergeben. Der US-Leitzins hatte sieben Jahre lang auf einem Niveau nahe Null verharrt. Die letzte Erhöhung vor Dezember 2015 hatte fast zehn Jahre zurückgelegen.
In Europa hatte die Europäische Zentralbank in einer gegenläufigen Entwicklung erst vergangene Woche die Geldpolitik weiter gelockert und den Leitzins auf Null gedrückt. Zudem gab Zentralbankchef Mario Draghi bekannt, das Programm zum Ankauf von Anleihen - eine weitere Maßnahme zum "Gelddrucken" - auszuweiten. Der Euro hatte im Vorfeld der Entscheidung leicht nachgegeben.
Fragen und Antworten zur Geldpolitik
In Europa hat die Europäische Zentralbank die Zinsen gerade gesenkt, die Fed denkt über eine weitere Anhebung nach - warum?
Die Federal Reserve hat zwar auch die Weltwirtschaft im Auge, muss sich bei ihren Entscheidungen aber zunächst einmal am wirtschaftlichen Geschehen in den USA orientieren. Die Lage am Arbeitsmarkt und die Inflation sind bestimmende Indikatoren, beiden hängen zusammen. Die USA haben sich schneller als andere aus der Finanzkrise gearbeitet, die Arbeitslosenquote liegt bei fast idealen 4,9 Prozent - auch wenn dort viele Teilzeit- und Niedriglohnjobs versteckt sind.
Kommt die Zinserhöhung bald?
Alle Experten rechnen damit, dass die Juni-Sitzung eine weitere Anhebung bringen wird. Bis dahin könnten sich die positiven Daten vom US-Arbeitsmarkt stabilisiert haben und die Inflation weiter nach oben gegangen sein, wie Fed-Vize Stanley Fischer kürzlich andeutete. Die niedrige Preissteigerung war lange Zeit das Haupthindernis für eine Zinsanhebung. Jetzt schauen die Fed-Notenbanker eher ins Ausland, um in schwächelnden Volkswirtschaften mit einer Zinsanhebung nicht unnötig einen Flächenbrand auszulösen, den die USA dann selbst wieder zu spüren bekommen würden.
Warum haben die Notenbanker dann nicht schon im März zugeschlagen?
Die Fed muss vorsichtig sein. In der globalisierten Wirtschaft hängt alles mit allem zusammen, eine reine Binnensicht ist auch in den USA als größter Volkswirtschaft der Welt nicht möglich. Eine Zinsanhebung verteuert potenziell etwa die Exporte, Kunden amerikanischer Produkte in konjunkturell schwachen Ländern hätten womöglich auf Investitionen verzichtet. Im schwächelnden China hätten die wichtige Marktanteile verlieren können, wenn sie jetzt zu schnell gehandelt hätte.
Wer drückt beim Thema Zinsanhebung aufs Tempo, wer auf die Bremse?
Die Banken hätten gerne höhere Leitzinsen, weil sie dann mittelfristig mehr Geld für Kredite und andere Leistungen verlangen könnten. Sie orientieren sich mit ihren Geschäftszinsen an den Vorgaben der Fed. Notenbanker wie Fed-Gouverneurin Lael Brainard sind vorsichtiger. Brainard sprach zuletzt von "weltweiten Strudeln", die die USA erfassen könnten. "Es gibt weltweit wenig Zeichen für eine robuste Nachfrage", sagte sie. Auch der Internationale Währungsfonds IWF, der sich vor allem um notleidende Volkswirtschaften kümmert, hält nach wie vor Vorsicht für geboten.
Gibt es ein Zeitproblem?
Ja. Die Fed muss das richtige Timing erwischen. Wartet sie zu lange mit einer Zinsanhebung, könnte die Inflation plötzlich galoppieren. Dies müsste maßgeblich "der kleine Mann" tragen, außerdem würden die Risiken für unerwünschte Entwicklungen wie erneute Immobilienblasen steigen. Agiert die Fed zu hastig, würgt sie die Wirtschaft ab.
Welche Auswirkungen hätte eine baldige Zinsanhebung auf Europa?
Unmittelbar wären diese zunächst einmal gering. Die Europäische Zentralbank hat ihre Geldpolitik gerade noch einmal gelockert. Nach Einschätzung von Volkswirten wird eine Zinswende in Europa mit einer Verspätung gegenüber den USA von mindestens zweieinhalb bis drei Jahren eintreten. Eine Zinsanhebung könnte jedoch den Dollar gegenüber dem Euro weiter stärken - was gut für deutsche und europäische Exporteure wäre. Die Waren würden für Käufer, die in Dollar bezahlen, billiger. Urlaub in den USA würde hingegen noch teurer.