Bei der Verteilung von Flüchtlingen sollte der Arbeitsmarkt berücksichtig werden, empfiehlt die OECD. Sonst könnten „beträchtliche“ Kosten entstehen.
Während Österreich noch überlegt, die Sozialhilfe an eine Wohnsitzpflicht zu koppeln, um Wien zu entlasten, gibt es in Ländern wie Schweden oder Neuseeland bereits Maßnahmen, um anerkannte Flüchtlinge besser im Land zu verteilen. Insbesondere Schweden hatte diesbezüglich allerdings eine Lernkurve hinter sich, wie im aktuellen OECD-Bericht „Erfolgreiche Integration“, der im Jänner 2016 veröffentlicht wurde, nachzulesen ist. Bei der Verteilung von Flüchtlingen sollte demnach nicht nur der vorhandene Wohnraum, sondern auch der Arbeitsmarkt berücksichtigt werden. Da sonst „beträchtliche“ Kosten entstehen können.
Mehr von Sozialleistungen abhängig
So zeigt eine in Schweden durchgeführte Studie aus dem Jahr 2004, dass Flüchtlinge, die nur aufgrund von verfügbarem Wohnraum auf Gebiete verteilt wurden, acht Jahre nach ihrer Ansiedlung im Durchschnitt 25 Prozent weniger verdienten und mit einer 40 prozentigen Wahrscheinlichkeit eher von Sozialleistungen abhängig waren als Flüchtlinge, die nicht im Rahmen einer Verteilungspolitik angesiedelt wurden. Weiters hätten die zugewiesenen Flüchtlinge ein um sechs bis acht Prozentpunkte niedrigeres Beschäftigungsniveau.
„Bei der Verteilung sollten auch Stellenangebote vor Ort und die Ausbildung der Flüchtlinge berücksichtigt werden“, sagte Thomas Liebig, leitender Ökonom in der Abteilung für Internationale Migration bei der OECD, der im Rahmen eines Hintergrundgesprächs der Medienservicestelle Neue Österreicher/innen Dienstagsabend in Wien weilte. Wenn in Oberösterreich etwa Fachkräfte gesucht werden, könnten Flüchtlinge mit entsprechender Ausbildung in die Region ziehen, nannte Liebig ein Beispiel.
Mehrere Kriterien für Verteilung entscheidend
In Schweden ist das mittlerweile Realität. Dort werden anerkannte Flüchtlinge nach Verfügbarkeit von Wohnraum, Größe der Kommune, Konzentration von Flüchtlingen, Beschäftigungsquoten und individuellen Beschäftigungsaussichten im Land verteilt. Zumindest in der Theorie. Die Praxis, heißt es in dem OECD-Bericht, sei bei einer sehr starken Zuwanderung „nicht immer durchführbar“.
In Norwegen überlegt man unterdessen ein Schnellverfahren zur Kompetenzfeststellung, damit Flüchtlinge auf Städte verteilt werden, die zu ihrem Berufsprofil passen. Dieses Verfahren, schreibt die OECD, soll 2016 landesweit eingeführt werden.