Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Heimkinder: Wenig Chancen auf gute Ausbildung

Villa Hohe Warte, ehemaliges städtisches Waisenhaus und Kinderheim der Stadt Wien.
Villa Hohe Warte, ehemaliges städtisches Waisenhaus und Kinderheim der Stadt Wien.(c) Die Presse (Fabry)
  • Drucken

Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen sind an Sonderschulen überrepräsentiert. Die Uni Klagenfurt untersucht ihren Werdegang.

11.000 Kinder und Jugendliche aus schwierigen Familienverhältnissen wachsen in Österreich zumindest zeitweise in institutioneller Betreuung wie Wohngemeinschaften oder Pflegefamilien auf, mit 18 Jahren fallen sie aus der Jugendfürsorge und sind auf sich allein gestellt. Nun sollen erstmals systematisch Bildung und Arbeitssituation dieser Gruppe beleuchtet werden, teilte die Uni Klagenfurt mit.

Bisher sei nur wenig über die Bildungschancen der sogenannten "Care Leaver" bekannt, eine systematische Studie dazu fehle in Österreich, erklärte Stephan Sting vom Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung der Universität Klagenfurt am Donnerstag. Aus internationalen Studien wisse man allerdings, dass diese Gruppe drastisch benachteiligt ist; nur ein geringer Teil studiere, die meisten seien weder in Beruf noch Ausbildung.

An Sonderschulen überrepräsentiert

Für Österreich wisse man bisher nur aus Untersuchungen einzelner Träger wie dem SOS-Kinderdorf, dass die betroffenen Kinder und Jugendlichen an Sonderschulen und Neuen Mittelschulen (NMS) überrepräsentiert sind und es seltener auf ein Gymnasium schaffen. Den hohen Anteil an Sonderschülern sieht Sting dabei kritisch, die Zuweisung passiere nämlich vielfach nicht aufgrund kognitiver Einschränkungen, sondern wegen psychischer- und Verhaltensauffälligkeiten. "Es ist klar zu hinterfragen, wieso so ein großer Teil an den Sonderschulen landet."

"Viele, die nicht gut zurechtkommen"

Da die "Care Leaver" beim Übergang ins Erwachsenenalter oft ohne familiäre Unterstützung zurechtkommen müssen, seien gewisse Probleme zu erwarten, so der Forscher. Es gebe "viele, die nicht gut zurechtkommen", hier spiele sich vieles im Grenzbereich zu Psychiatrie und Strafvollzug ab - mit hohen Folgekosten für die österreichische Gesellschaft. Schon allein deshalb gebe es ein Interesse daran, die Bildungschancen dieser Gruppe zu untersuchen.

Für die auf eineinhalb Jahre anberaumte Studie sollen ab April repräsentative Daten zu Bildung, Ausbildung und Arbeitssituation der 20- bis 29-jährigen "Care Leaver" erhoben werden. In vertiefenden qualitativen Interviews soll dann auch geklärt werden, wodurch sie in ihrer Bildungslaufbahn behindert wurden, wodurch ihnen Wege eröffnet wurden und was ihnen gefehlt habe.

 

(APA)