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Kroatiens Küste wird mit Müll überschwemmt

Symbolbild.
Symbolbild.(c) APA/AFP
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Der Unrat der Balkanländer landet in der Adria. Jährlich werden vor dem Beginn der Touristensaison hunderte Tonnen Abfall entfernt.

Belgrad/Dubrovnik. Ganze Buchten übersät mit Plastikflaschen, Tierkadavern und Unrat: Alljährlich bieten die Gestade der südkroatischen Adria-Insel Mljet nahe Dubrovnik nach den Winterstürmen dasselbe erschütternde Bild. Woher das unerwünschte Treibgut kommt, ist beim Blick auf noch lesbare Etiketten des angeschwemmten Mülls schnell auszumachen: Meist wird es von den Ufern der nahen Adria-Nachbarn Montenegro und Albanien, aber auch aus Griechenland oder der fernen türkischen Küste angespült. Selbst aus den meereslosen Binnenstaaten Kosovo und Mazedonien tragen erst Flüsse und dann die Meeresströmungen ihre schmutzige Fracht bis an die kroatische Adria.

Kommunale Dienste und Umweltschützer aus ganz Kroatien entfernen jährlich vor dem Beginn der Touristensaison hunderte Tonnen Abfall aus Buchten und von Klippen. Neben Mljet wird im Süden Kroatiens die lang gezogene Halbinsel Pelješac zum Opfer der alljährlichen Plage. Vor allem Albanien, aber auch der selbst ernannte „Öko-Staat“ Montenegro genießen in Sachen Müllentsorgung einen sehr schlechten Ruf. So soll es etwa um die albanische Hafenstadt Durrës wilde Deponien direkt an der Küste geben. Der an die kroatischen Gestade gelangende Unrat gilt nur als die Spitze des in der Adria versenkten Müllbergs. Nur neun Prozent des Abfalls treibt sichtbar an der Oberfläche.

 

EU-Aktionsplan gefordert

Kroatische Umweltschützer fordern einen stärkeren Druck Brüssels auf die EU-Anwärter Montenegro und Albanien, die Verschmutzung der Adria entschlossener anzugehen. Entnervt reichte Dubrovniks frühere Bürgermeisterin und heutige Europa-Abgeordnete, Dubravka ?uica, eine offizielle Anfrage bei der EU-Kommission ein, welche Maßnahmen Brüssel zu ergreifen gedenke, um die Wiederholung des jährlichen Öko-Desasters zu vermeiden. Da der Abfall sowohl von Beitrittskandidaten als auch einem EU-Mitglied wie Griechenland stamme, sei ein europäischer Aktionsplan vonnöten. (ros)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.03.2016)