Kriminalität geht zurück, Fremdenanteil steigt

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Polizeilich registrierte Straftaten sanken auf langjährigen Tiefststand. Der Anteil der Ausländer unter den Tatverdächtigen erreichte mit 37 Prozent den bisherigen Höchststand. Unter ihnen befanden sich 14.477 Asylwerber.

Wien. Persönlich, also ganz subjektiv, haben weite Teile der Bevölkerung das Jahr 2015 wohl als ein Jahr wahrgenommen, in dem sich die Sicherheitslage im Land bedeutend verschlechtert hat. Ein Eindruck, der sich zumindest durch die Eckdaten der polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2015 nicht erhärten lässt.

517.870 angezeigte Straftaten entsprechen einem langjährigen Tiefststand. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote auf den bisher höchsten Wert seit Beginn der elektronischen Datenauswertung (44 Prozent). Die Spitzenpolizisten des Innenministeriums, Konrad Kogler, Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, und Franz Lang, Direktor des Bundeskriminalamts, strichen bei der Vorstellung der Zahlen am Donnerstag erneut die Diskrepanz zwischen subjektiv erlebter und statistisch erfasster Kriminalität hervor.

Die Analyse der Details zeigt für das Jahr 2015 jedoch auch andere interessante Entwicklungen. So sind inzwischen 37 von 100 Tatverdächtigen ausländische Staatsbürger. Das ist ein historischer Höchstwert. Noch zur Jahrtausendwende (2001) betrug dieser Anteil 23 Prozent. In absoluten Zahlen hat sich ihre Summe seit damals von 47.256 auf zuletzt 92.804 nahezu verdoppelt.

 

Durchziehende Flüchtlinge unauffällig

Innerhalb der Gruppe der Ausländer stellen Asylwerber mit 14.477 Verdächtigen einerseits nur einen Anteil von 16 Prozent, andererseits stieg ihre Gesamtzahl im Vergleich zum Jahr 2014 (10.416) um 39 Prozent. Die Zahl der Asylanträge hat sich im selben Zeitraum allerdings auf 88.912 verdreifacht. Der enorme Zustrom stellt damit eine Art Zäsur in der kriminalpolizeilichen Erfassung von Asylwerbern dar. „Die Presse“ hatte zuletzt errechnet, dass von 2004 bis 2014 zwischen 41 und 62 Prozent der Asylantragsteller zumindest ein Mal angezeigt wurden. Das Ergebnis wurde von einigen Seiten inhaltlich und methodisch kritisiert. Im aktuellen schriftlichen Bericht des Innenministeriums kommt das Bundeskriminalamt jedoch auf ganz ähnliche Zahlen. Demnach „waren 2014 von 1000 Asylwerberinnen und -werbern 371 Personen straffällig“ (37,1 Prozent). Verwendet man die vom BK angewandte Methode ebenfalls bis in das Jahr 2004 zurück, kommt man auch hier auf Werte, die ungefähr zwischen 40 und 60 Prozent liegen (2006 und 2008 ergibt die vom Bundeskriminalamt verwendete Berechnungsart sogar Werte von je 83 Prozent).

Die große Zahl an Flüchtlingen im Vorjahr hat jedoch die Größenordnung bedeutend verschoben. Das Bundeskriminalamt schreibt: „Von 1000 Asylwerbern (. . .) waren 2015 (. . .) nur noch 161 Personen tatverdächtig“ (also 16,1 Prozent). Ein Grund dafür ist, dass die meisten von ihnen erst im letzten Halbjahr, viele gar erst im dritten Quartal ins Land gekommen und damit nur kurze Zeit hier sind. BK-Direktor Franz Lang rechnet damit, dass sich diese Personen erst auf die Statistik 2016 auswirken werden.

Auffallend ist auch, dass die Hunderttausenden (exakte Zahlen gibt es nicht), die Österreich in Richtung andere EU-Länder durchquerten, in nur kleinem Ausmaß zur Kriminalität beitrugen. Nach polizeilichen Maßstäben werden solche Personen nämlich als „unrechtmäßig Aufhältige“ – kurz Illegale – erfasst. Diese Gruppe stellt jedoch nur 2,4 Prozent aller Tatverdächtigen (2014: 1,7 Prozent). Die häufigsten Delikte dabei waren Laden- und Taschendiebstähle sowie Schlägereien, die fast immer in und rund um die betroffenen Durchgangsquartiere stattfanden.

 

Alle Morde geklärt

Als „besonders erfreulich“ bezeichnete man im Innenministerium die seit Jahren höchste Aufklärungsquote von 44 Prozent. Die 44 Prozent bedeuten beim aktuellen Gesamtniveau 227.855 geklärte Straftaten. Im Vorjahr waren es um 8533 mehr.

In einem Teilsegment jedoch wurden ausnahmslos alle Delikte geklärt: Bei 39 vollendeten Morden konnten alle Täter überführt werden. Bei 96 gescheiterten Mordversuchen ermittelte die Kriminalpolizei in immerhin 93 Fällen ebenfalls den oder die Täter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.03.2016)

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