Platzt Lufthansa-Deal, braucht AUA eine Milliarde Euro

Peter Michaelis
Peter Michaelis(c) APA (Robert Jaeger)
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Platzt der Deal mit der Lufthansa bräuchte die AUA mehr als eine Milliarde Euro, sagt AUA-Aufsichtsratschef und ÖIAG-Vorstand Michaelis. Der Kapitalbedarf wäre also doppelt so hoch wie beim Kauf durch die Lufthansa.

Im Falle eines Scheiterns des Verkaufs der AUA an die deutsche Lufthansa müsste der österreichische Staat mehr als eine Milliarde Euro in die angeschlagene österreichische Fluglinie stecken. Das sagte AUA-Aufsichtsratschef und ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis heute vor Anlegern bei der außerordentlichen AUA-Hauptversammlung im Wiener Austria Center. Das ist doppelt so viel wie bei einem Verkauf an die Lufthansa. Denn im EU-Beihilfeverfahren geht es aktuell um einen Staatszuschuss von 500 Millionen Euro, der beim Verkauf an die Lufthansa für die AUA fließen sollte.

AUA-Hauptversammlung als "Phantomveranstaltung"

Am Dienstag begann im Wiener Austria Center knapp nach 11 Uhr die Sonderhauptversammlung der Austrian Airlines (AUA). Von den acht Kandidaten für den AUA-Aufsichtsrat - primär Manager und Vertrauensleute des Lufthansa-Konzerns - die in der Sonder-Hauptversammlung in Wien ins Kontrollgremium gewählt werden sollen, war aber lediglich ein einziges Mitglied anwesend: Nur die Wiener Anwältin Teresia Jordis stellte sich den AUA-Anlegern persönlich vor.

Der noch amtierende AUA-Aufsichtsratschef Peter Michaelis entschuldigte die Lufthansa-Konzern-Vertreter zur heutigen Hauptversammlung. Für ihn ist die Kandidatenliste aber Beweis, dass die Lufthansa mit "sehr attraktiven" Aufsichtsräten in der AUA vertreten sein möchte. Dass Lufthansa-Vorstandschef Mayrhuber und sein Vorstandskollege Stephan Lauer in den AUA-Aufsichtsrat gehen, wertete Michaelis in der AUA-Hauptversammlung als "wertvolles Signal" in die Zukunft des Unternehmens.

"Aufsichtsräte ohne Anstand"

Kritische Anleger bei der Hauptversammlung sahen das anders. Sie fühlten sich an andere "Farce-Veranstaltungen" erinnert: "Der Scheich heißt jetzt nicht mehr Al Jaber, sondern heute offenbar Mayrhuber", empörte sich der Investor Staller. Wenn Mayrhuber so präpotent in Brüssel auftrete, wundere ihn, Staller, nichts mehr. Er wundere sich aber, wie man "so blauäugig, so dämlich" sein könne, zu meinen, dass man bei der AUA keine vertiefte Prüfung haben werde, wo die Lufthansa bei ihren anderen beiden Zukäufen (Brussels, BMI) doch gerade vertiefte Prüfungen absolvieren musste.

Dem aktuellen AUA-Aufsichtsratspräsidenten und ÖIAG-Chef Michaelis warf Staller vor, "uns alle in einen Prozess gehetzt" zu haben, den man jetzt nicht mehr in der Hand habe. Er, Staller, fühle sich an den Spieltisch eines "Pokerspielers namens Mayrhuber" gesetzt. Es sei "eine Frechheit der Sonderklasse, dass wir wieder über Aufsichtsräte abstimmen müssen, die nicht den Anstand haben, sich den Anlegern zu stellen."

"Phantomveranstaltung"

Anlegerschützer Wilhelm Rasinger sprach gar von einer "Phantomveranstaltung". Er verglich die Lage der AUA mit einem "Flieger, der auf einen Berg zusteuert". Alle hofften, dass er es noch darüber schaffe. "Wir befinden uns auf der Spur einer lose-lose-Situation", sagte Rasinger. "Wenn es schief geht, verlieren alle: AUA, Republik, Lufthansa".

Ein anderer kritischer Kleinaktionär zeigte sich überzeugt, dass es die Deutschen auf einen Konkurs der AUA ankommen ließen, "weil man damit noch mehr Leute entlassen kann".

(APA)

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