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Raucherparadies: Wie Serbien Touristen anlockt

(c) APA (DPA)
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Ganz Europa verbannt den Qualm, doch Serbiens Gastronomie will mit dem Recht auf eine Zigarette das Land als Urlaubsparadies für Raucher positionieren.

BELGRAD. Ganz Europa steht im Bann des sich ausweitenden Rauchverbots. Selbst im Südosten zieht sich das Netz um die Freunde unbeschwerten Nikotinkonsums immer enger zu. Nach Albanien und Slowenien haben auch Kroatien und Griechenland ab Juli dem Rauchen in Wirtshäusern ein Ende gesetzt. Selbst die Türken - 40 Prozent der Erwachsenen bezeichnen sich als begeisterte Raucher - dürfen sich nur mehr wenige Tage in den Schankstätten am liebgewonnenen Rauchwerk laben. Doch ein stolzes Balkanland bietet den Feinden des glimmenden Tabaks trotzig paffend Widerstand: In der Raucherhochburg Serbien haben Nichtraucher nach wie vor einen schweren Stand.

„Ich hoffe, das stört nicht", sagt der Taxifahrer in der Belgrader Maxim-Gorki-Straße. Eine Frage ist das nicht, und eine Antwort wartet der Mann in dem verqualmten Gefährt auch nicht ab, bevor er sich die nächste Zigarette anzündet: Das Rauchverbotsschild im Cockpit seines Vehikels scheint den Serben nicht zu stören. Auch Verbotsschilder in verrauchten Restaurants und Kneipen dienen in Belgrad ausschließlich der Zierde: Eilfertig und routiniert wechseln die Kellner auch in vermeintlichen Nichtraucherecken regelmäßig die überfüllten Aschenbecher aus.

Spitze in Europa

Jährlich 10.000 Nikotin-Tote zählt das auf 7,5 Millionen Einwohner geschrumpfte Land. Der beißende Zigarettendunst in Kleidern und der Haarpracht scheint die lebenslustigen Serben dennoch kaum zu stören: Nach den Russen gelten sie als die eifrigsten Raucher des Kontinents. Die Serbinnen dürfen sich heimischen Statistiken zufolge gar mit dem Titel der Rauch-Europameisterinnen schmücken.

Zwei Drittel der serbischen Kinder und Jugendlichen zwischen sieben und 19 Jahren wachsen nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Qualm auf. Früh übt sich denn auch, was ein routinierter Raucher werden will: Selbst ein gutes Viertel der Mittelschüler bezeichnet sich in Serbien als gelegentliche oder regelmäßige Raucher.

Schon 1995 wurde im Land von Save und Donau zwar das Rauchverbot am Arbeitsplatz eingeführt. Doch ob in Büros, Läden, Friseursalons, Autowerkstätten oder auf dem Bau: Gepafft wird überall, was die geteerten Lungen hergeben. Selbst im Belgrader Klinikum greift ein Drittel der Ärzte und die Hälfte der Krankenschwestern regelmäßig zum Suchtstängel. Pläne der Regierung, dem Rauchverbot bis Jahresende in den Kneipen zur späten, aber konsequenten Umsetzung zu verhelfen, stoßen in der Rauchernation denn auch auf entschiedenen Widerstand.

„Schutz ja, Verbot nein", lautet die landesweite Initiative des Gastronomenverbands, der sich verbissen gegen ein rigoroses Rauchverbot stemmt: Denn dessen Einführung sei keineswegs die Bedingung zum angestrebten EU-Beitritt. Daher könne man auch ohne auskommen. Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise haben der Branche schon jetzt einen Umsatzrückgang von 40 Prozent beschert, klagt Verbandschef Nikola Dimtrijević: Ein zusätzlicher Einbruch durch ein Rauchverbot könnte für viele das Aus bedeuten.

Antistresstherapie

Unterstützt wird Serbiens Raucherlobby von einer stattlichen Prominentenriege. Rauchen sei für ihn die „beste Antistresstherapie", so der Schauspieler und Zigarrenliebhaber Alexandar Sreković Kubura: „Ein Land, das meine Steuergelder beim Zigarrenkauf einstreicht, kann mir kaum verbieten, in der Kneipe zu rauchen."

Gerade von Ausländern werde das ungezwungene Belgrader Nachtleben geschätzt, macht sich die Journalistin Snežana Dahić-Mrkić gar dafür stark, künftig das Image als Raucherstadt bei der Touristenwerbung gezielt zu nutzen: „Unser Nachtleben sollte auch in Zukunft anders sein als das in anderen Ländern."

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2009)