Die Billigfluglinie SkyEurope kämpft ums Überleben. Um das zu sichern, ist dringend ein Investor nötig, SkyEurope konnte nicht einmal die Gehälter und den notwendigen Treibstoff verdienen.
Wien (ker). „Ich habe das Gefühl, ich bin in einer Leichenhalle", sagt ein Aktionär der slowakisch-österreichischen Billigfluglinie SkyEurope. Bei der Hauptversammlung der Fluglinie am Dienstag gibt es wahrlich nicht viel zu lachen. „2008 war kein gutes Jahr", will Nick Manoudakis, der neue Chef der Airline, überhaupt nichts beschönigen. Sein Vorgänger, der kürzlich ausgeschiedene Jason Bitter, ist erst gar nicht erschienen.
„Wie viel Geld hat Bitter für seinen Abgang bekommen?", fragt ein Anteilseigner. „Gar nichts", so die Antwort des Aufsichtsrates. Das hätte auch nicht gut ausgesehen in der misslichen Lage, in der sich SkyEurope befindet.
Aufgrund der desaströsen Liquiditätslage stellte die Gesellschaft Ende Juni einen Insolvenzantrag für die in der Slowakei beheimatete operative Tochter. Das slowakische Restrukturierungsrecht räumt SkyEurope einen Zeitraum von 90 Tagen ein, um das Unternehmen zu sanieren.
Die Gesellschaft schrieb im Geschäftsjahr 2007/08 (Ende September) tiefrote Zahlen. Sogar das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Leasinggebühren für Flugzeuge war negativ. Das heißt, dass SkyEurope nicht einmal die Gehälter und den notwendigen Treibstoff verdienen konnte. In der Kasse hatte die Fluglinie nur 1,3 Mio. Euro, im März sogar nur mehr 500.000 Euro. Die dünne Kapitaldecke erlaubt der Fluglinie nicht, sich an den Börsen gegen starke Ölpreisschwankungen abzusichern - auch heuer nicht.
„Wir fahren einen harten Restrukturierungskurs", sagt Manoudakis. Schließlich „lieben wir dieses Unternehmen - bis in den Tod." Es sei Personal abgebaut worden, und es habe einen Gehaltsverzicht gegeben. Die Fluglinie hat eine befristete Fluglizenz bis Oktober. Dann muss sie die Restrukturierung nachweisen.
Vorstände entlastet
Wichtig ist ein neuer Investor, der über eine Kapitalerhöhung einsteigt. Dazu musste es einen Kapitalschnitt geben. Die Aktionäre segneten eine Herabsetzung des Grundkapitals von 43 Mio. Euro auf 8,5 Mio. Euro ab. Alle Vorstände, auch der vor kurzem zurückgetretene Ex-Chef Jason Bitter, und die Aufsichtsräte wurden entlastet.
Man sei bereits auf Interessentensuche, aber noch nicht fündig geworden, sagt Manoudakis. Dem Vernehmen nach will der mit knapp zehn Prozent zweitgrößte Aktionär Alon Shklarek an Bord bleiben. Der größte Aktionär York soll hingegen mit einem Schuldenverzicht aussteigen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2009)