Ein starker Dollar könnte die jüngste Erholungsbewegung der Rohstoffpreise zunichtemachen. Ein Experte erklärt, warum er damit nicht rechne.
Wien. Die Rohstoffpreise scheinen ihre Talsohle überwunden zu haben. Seit Mitte Jänner haben sie sich um fast zwölf Prozent verteuert, wie der Bloomberg-Rohstoffindex zeigt. Sie liegen damit noch immer um 65 Prozent unter ihrem Höchststand aus dem Jahr 2008, und seitdem hat es zahlreiche Zwischenerholungen gegeben, die sich stets als trügerisch herausgestellt haben.
„2016 sollte die Kehrtwende kommen“, sagt Jan Hendrick Hein von ETF Securities. Viele Rohstoffe notieren unter den Produktionskosten. Neue Förderungen rechnen sich nicht. Bis das Angebot tatsächlich sinkt und die Preise anziehen, dauert es freilich. Auch macht den Rohstoffpreisen grundsätzlich ein starker Dollar zu schaffen.
Der Theorie zufolge sollte der Dollar heuer weiter aufwerten, da die US-Notenbank Fed ihre Geldpolitik strafft, während die Europäische Zentralbank (EZB) weitere Lockerungen vornimmt. In der Praxis werde so etwas jedoch im Vorfeld eingepreist, sagt Hein. Der Dollar sollte also nicht mehr viel stärker werden. Dafür sollte die Inflation anziehen: Bei früheren Zinserhöhungen habe sich auch gezeigt, dass immer dann, wenn die Fed auf den ersten Zinsschritt rasch einen zweiten folgen ließ, die Inflation im Maß (bis zwei Prozent) blieb. Habe sich die Fed aber mit dem zweiten Zinsschritt zu lang Zeit gelassen, sei die Inflationsrate deutlich höher ausgefallen.
Gold wird attraktiver
Vorige Woche hat sich die Fed, die im Dezember erstmals seit sieben Jahren die Zinsen angehoben hat, Vorsicht verordnet. Sie wird voraussichtlich nur noch zwei Mal die Zinsen anheben, weniger oft als bisher vorgesehen. Vorerst bleibt es bei der im Dezember festgelegten Spanne von 0,25 bis 0,5 Prozent.
Der Theorie zufolge leidet der Goldpreis unter Zinserhöhungen, da Gold keine Zinsen abwirft und dadurch relativ unattraktiver erscheint. Wenn es aber negative Realzinsen gebe (die Inflation die Zinsen auffresse), wiege dieser Nachteil nicht so schwer, sagt Hein. Auch in den USA dürften die Zinsen unterhalb der Inflationsrate bleiben, schon allein wegen des Basiseffekts beim Ölpreis: Die Inflationsrate wird immer im Jahresabstand gemessen. Da der Ölpreis in den vergangenen Monaten meist niedriger als im jeweiligen Vorjahresmonat war, drückte das die Inflation nach unten. Das könnte jedoch in den nächsten Monaten kippen, wenn sich der Ölpreisanstieg fortsetzt.
Kleinanleger können grundsätzlich auf drei Arten auf einen Rohstoffpreisanstieg setzen: Der erste Weg ist, sich den Rohstoff direkt zuzulegen (etwa Gold). Eine andere Möglichkeit sind Fonds (ETFs), die mit Futures handeln. Dabei lässt sich aber meist nicht der Rohstoffpreis eins zu eins abbilden, da immer auslaufende Futures durch neue ersetzt werden müssen. Dabei entstehen Rollverluste. Die dritte Möglichkeit ist ein Investment in Aktien einschlägiger Unternehmen (Minenfirmen). Solche haben aber vielfach mit Problemen zu kämpfen (teure Projekte, die sich nicht rechnen). (b. l.)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2016)