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Buch: Eine Wanderung durch die Goldgeschichte

(c) APA/G�NTER GRANITZER
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Wer das Thema Gold verstehen will, muss die Charts hinter sich lassen. Georg Lux und Helmuth Weichselbraun haben sich auf den Weg gemacht, die Goldgeschichte Österreichs zu entdecken - und einen Wanderführer geschrieben.

Wien. Das Edelmetall Gold ist in diesem Jahr die bisher erfolgreichste Assetklasse überhaupt – der Preis hat als Reaktion auf wachsende Unsicherheiten auf den Märkten um mehr als 15 Prozent zugelegt. Einige Analysten haben schon das Ende des fast fünf Jahre alten Bärenmarktes beim Goldpreis ausgerufen – andere sind da vorsichtiger und erwarten eine Korrektur.

Nur zwei Dinge sind in Sachen Gold sicher. Erstens: Das Edelmetall wird uns auch in diesem und dem nächsten Jahr beschäftigen. Und zweitens: Die Betrachtung kurzfristiger Preistrends wird der jahrtausendealten Geschichte des Goldes und der Faszination, die das Metall seit jeher auf die Menschen ausübt, keinesfalls gerecht.

 

Alchemisten in Österreich

Wer wissen will, was es mit dem Gold auf sich hat, der muss die Charts und Börsenbriefe einmal beiseitelegen – und auf Wanderung gehen. Der Journalist Georg Lux („Kleine Zeitung“) hat gemeinsam mit dem Fotografen Helmuth Weichselbraun jetzt ein Buch vorgelegt, das als hervorragender Wanderführer dienen könnte: „Gold in Österreich – Eine Schatzsuche“. Wer trockene ökonomische Abhandlungen zu Gold und Papiergeld sucht, ist hier fehl am Platz. Stattdessen nehmen Lux und Weichselbraun die Leser auf eine Reise durch die goldene Geschichte Österreichs mit – und diese hat es in sich, bis heute. So erfahren die Leser, dass im Nationalpark Hohe Tauern noch mehr 100 Tonnen des gelben Metalls unter der Erde liegen – auf 2300 bis 3000 Metern Seehöhe. Anrühren darf sie freilich niemand, weil es eben ein Nationalpark ist. Dafür kann man im niederösterreichischen Kirchberg am Wagram eine Kapelle entdecken, in deren Nebenzimmer vor 200 Jahren Alchemisten an der Suche nach dem „Stein der Weisen“ gescheitert sind – so wie alle anderen Alchemisten vor und nach ihnen. Da waren die Goldgräber, die in den vergangenen Jahrhunderten das halbe Land auf der Suche nach dem wertvollen Metall umgegraben haben, schon erfolgreicher.

 

Goldwaschen in Kärnten

Die Reise der Autoren durch Österreich führt sie nach Tirol, Salzburg, Kärnten, Niederösterreich sowie in die Steiermark – stets auf der Suche nach Geschichten jener Männer, die unter Einsatz ihres Lebens nach Gold gegraben haben. Die sichtbarsten Spuren der alten Minen finden sich zum Teil in schwer zugänglichem hochalpinen Gelände, aber auch direkt neben der Großglockner Hochalpenstraße.

Immer wieder begegnen Lux und Weichselbraun dabei auch den Spuren der geistlichen und weltlichen Herrscher, die nie weit weg waren, wenn irgendwo Gold entdeckt wurde – und rasch Burgen oder Kirchen errichtet haben, zur Markierung ihres Territoriums. Diese Baudenkmäler, etwa das Weitmoser Schlössl in Bad Hofgastein, erzählen dann die ganz persönlichen Geschichten von Familien und Adelsgeschlechtern, die durch das Gold zu unermesslichem Reichtum gelangt sind – und rasch wieder verschwunden sind, als die Förderung des Metalls in dem von ihnen beherrschten Gebiet zum Erliegen gekommen ist. Gespickt ist das Buch mit mehr als hunderten teils wunderschönen, teils melancholischen Aufnahmen, die bei der Spurensuche in den österreichischen Landen entstanden ist.

Am Ende haben sich die beiden auch das Vertrauen der Goldwäscher von Tragin erarbeitet. Die vier Kärntner Pensionisten aus einem kleinen Ort bei Paternion im Drautal nahmen den Autor und den Fotografen an einen geheimen Ort mit, wo sie seit Jahrzehnten dem Hobby des Goldschürfens in einem Bachbett nachgehen. Dabei kommen zwar einige moderne Gerätschaften wie ein Goldstaubsauger zum Einsatz – das Prinzip des Goldwaschens hat sich aber seit Jahrtausenden nicht geändert. Die Ausbeute schon: Sie macht heute niemanden mehr reich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2016)