Erste Liga: Fußball-Renaissance in Blau-Gelb

FUSSBALL - Erste Liga, Gratkorn vs Vienna
FUSSBALL - Erste Liga, Gratkorn vs Vienna(c) GEPA pictures (Gepa Pictures/ Hans Oberlaender)
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Mit dem Auftakt zur ersten Liga hat für die Vienna eine neue Zeitrechnung. Statt großer Namen spielen junge Halbprofis, die beim 1:1 in Gratkorn Nervenstärke zeigten.

WIEN. „Es ist die gleiche Hack'n, ihr spielt Fußball. Nur sind wir jetzt in einer stärkeren Liga. Also müsst ihr schneller sein, mehr auf den Ball achten, härter attackieren. Dann schaffen wir es, gemma!" Peter Stöger schwört die Vienna-Spieler auf das Abenteuer erste Liga ein, es herrscht Stille auf dem abgelegenen Kunstrasenplatz des KSC Donaustadt. Der Trainer erklärt Spielzüge und zeigt Übungen vor. Danach beginnt das Training. „Schleicht's euch", hallt es plötzlich lauthals aus dem Hinterhalt. „Runter vom Rasen, der ist frisch!" Der Platzwart kennt kein Erbarmen und wirft zwei Jungspieler raus, die auf dem angrenzenden Fußballplatz auslaufen wollen.
Stöger schüttelt den Kopf, ärgert sich und lächelt trotzdem. Es steht zu viel auf dem Spiel, immerhin führte er den Klub nach acht Jahren ins Profigeschäft zurück. Und beim First Vienna Football Klub, Österreichs ältestem Fußballklub, wird Tradition großgeschrieben. Dazu zählt auch die Sichtweise des engagierten Platzwarts.

Kein Kempes, kein Krankl

„Bei der Vienna hat sich trotzdem vieles verändert", sagt Stöger. Sorgten früher Namen wie Decker, Kempes, Krankl oder Herzog für Aufsehen, so müssen heute Fading oder Bozkurt danach trachten, die Vereinsfarben hochzuhalten. Der Kader umfasst vierzehn Eigenbauspieler, sogar drei 17-Jährige seien darunter. Viele haben Nebenjobs, studieren oder gehen noch zur Schule. An ihren Terminen orientiert sich auch der Trainingsplan. Können die Spieler, wird täglich sogar zweimal geübt.

Ob das für die erste Liga reicht? Beim Auftakt in Gratkorn waren Schwächen nicht zu übersehen, auch fehlte die führende Hand. Ein Elfmeter brachte Vienna in Rückstand, der Ausgleich durch Bjelovuk (64.) sicherte den 1:1-Endstand - obwohl Kapitän Fading (76.) ausgeschlossen wurde. Stögers junge Spieler zeigten Nervenstärke, das imponierte dem Trainer: „Wir werden uns auch weiterhin nicht verstecken!"

Admira - FC Lustenau 0:1,
St. Pölten - FC Dornbirn 2.0,
Gratkorn - Vienna 1:1,
Innsbruck - Salzburg Juniors 2:1,
Altach - Hartberg 4:0,
Austria Lustenau - Austria Amateure 1:0.

Dass die erste Liga andere Anforderungen stellt, ist nicht nur Stöger bewusst. Auch die Klubführung musste vor dem Saisonstart reagieren. Die ehrwürdige Hohe Warte erhält - wenn auch mit Verzögerung - eine neue Flutlichtanlage, ansonst wären TV-Übertragungen und Abendspiele unmöglich. Der Trainer nimmt das Blackout gelassen. So bleiben drei Runden Zeit bis zum ersten Heimspiel am 31. Juli gegen FC Lustenau. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass Vienna just gegen den Klub, gegen den 2001 die Relegation verloren ging, seine Renaissance vor eigenem Publikum feiert.

In den Glanzzeiten des Klubs strömten die Massen auf die Hohe Warte, 85.000 Zuschauer waren keine Seltenheit. Danach wurde es trotz mancher Höhenflüge, Titel, Überraschungen und Europacupspiele Jahr für Jahr ruhiger. Bis irgendwann sogar ein böser Witz in Wien die Runde machte: „Ruft ein Mann im Vienna-Sekretariat an und fragt nach dem Spielbeginn. Die Sekretärin antwortet: Wann wollen S' denn kommen . . ?" Peter Stöger findet das nicht lustig, schließlich zählte der Klub im Vorjahr oft über tausend Zuschauer, zu Topspielen wie gegen Mattersburg (Amateure) kamen sogar 1700. „Wenn wir Erfolg haben, kommen sicher viele Zuschauer!"

Ziel ist der Klassenerhalt

Das erklärte Ziel ist der Klassenerhalt. Obwohl Salzburgs und Austrias Amateure aufgrund der Liga-Reform als Fixabsteiger feststehen, sei nichts entschieden, da noch ein weiterer Klub absteigen muss. Stöger: „Ich glaube felsenfest an meine jungen Spieler." Deshalb hat er dem Lask abgesagt, auch die Bundesliga oder Austria vermisst er nicht. Er will sein Team weiterentwickeln. Aber dafür muss noch viel trainiert werden. Ob es dem Platzwart passt oder nicht.

DER VEREIN

Der First Vienna Football Club wurde 1894 gegründet, er ist der älteste Fußballklub Österreichs.

Blaugelb siegte im österreich-ungarischen, österreichischen und deutschen Cup und eroberte sechsmal den Meistertitel. Höhepunkt der Klubgeschichte war der Sieg im Mitropacup 1931.

Nach acht Jahren in der Ostliga spielt Vienna (Trainer: Peter Stöger) nun wieder in der ersten Liga.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2009)

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