Immofinanz prüft Verkauf des Russland-Portfolios

Experten sehen Russland-Engagement als Sorgenkind des Unternehmens.

Der börsennotierte Immobilienkonzern Immofinanz prüft, wie es mit dem Russland-Portfolio weitergeht. Nach Abwertungen in Höhe von rund 400 Mio. Euro überlegt Immofinanz-Vorstandschef Oliver Schumy nun den Verkauf des gesamten Russland-Geschäftes. Auch ein Spin-off ist möglich, sagt Schumy in einem Interview im "WirtschaftsBlatt" (Dienstag).

"Wir bereiten uns auf sämtliche Optionen vor", wird Schumy in der Zeitung zitiert. Welche das wären: "Zum einen natürlich, dass Moskau für die Immofinanz ein Kernmarkt im Einzelhandelsbereich bleibt, zum anderen aber auch für Optionen wie Spin-off oder Verkauf", so der Immofinanz-Chef.

Einen Zeitplan oder eine Entscheidung gebe es noch nicht: "Nein, dafür ist es zu früh. Wir wollen damit lediglich unterstreichen, dass wir uns auf sämtliche Optionen vorbereiten und über diese verfügen können."

Spielball der Politik

Ein Verkauf wäre keine schlechte Lösung, urteilen Wertpapierexperten, die das Russland-Portfolio als Sorgenkind der Immofinanz sehen: Die Mieterträge haben sich in zwei Jahren halbiert, weitere Abwertungen in dreistelliger Millionenhöhe sind nicht ausgeschlossen, schreibt das Blatt unter Berufung auf Analysten. Denn die russische Wirtschaft und der Moskauer Immobilienmarkt seien zum Spielball für die Politik der Großmächte und die Kapriolen des Ölpreises geworden. Die nächste externe Bewertung des Russland-Portfolios findet Ende April statt.

"Ein Spin-off oder Verkauf wäre zu begrüßen", sagt der Analyst Wolfgang Matejka im "WirtschaftsBlatt". Schumys Pläne zeigten, dass der frühere Kernmarkt Russland nicht mehr sakrosankt sei, befindet Thomas Neuhold von Kepler Chevreux. "Ein Verkauf wäre eine Frage des Preises, auch die Russland-Assets an Aktionäre zu verteilen halte ich für eine gute Idee." Kurzfristig erscheinen ihm die Optionen Schumys aber begrenzt. Den "Supertanker" Immofinanz könne man nicht rasch auf einen anderen Kurs bringen, so Neuhold. "Ein Verkauf zu Buchwerten und damit implizit zu einer Bruttorendite von nur 6,4 Prozent scheint nahezu unmöglich." (APA)

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