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BND: Iranische Atombombe nicht mehr zu verhindern

Iranische Rakete
(c) REUTERS (© Fars News / Reuters)
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Ein Experte des deutschen Geheimdienstes BND erklärt: "Wenn sie wollen, können sie in einem halben Jahr die Uranbombe zünden". Angeblich arbeitet der Iran derzeit massiv am Bau von Langstreckenraketen.

Dass der Iran eine Atombombe baut, ist nach Erkenntnissen des deutschen Geheimdienstes nicht mehr zu verhindern. "Wenn sie wollen, können sie in einem halben Jahr die Uranbombe zünden", sagte ein Experte des Bundesnachrichtendienstes (BND) dem Hamburger Magazin "Stern" vom Mittwoch. Demnach haben die Iraner mittlerweile die komplette Technologie zur Uran-Anreicherung und genügend Anreicherungszentrifugen, um waffenfähiges Uran herzustellen. "Das hat denen vor ein paar Jahren niemand zugetraut."

Wie der "Stern"  weiter berichtet, arbeitet der Iran "zurzeit massiv" am Bau von Raketen, die Atombomben auch zu Zielen in Europa transportieren könnten. Beim deutschen Auslandsgeheimdienst gebe es "keinerlei Zweifel", dass das iranische Raketenprogramm "ausschließlich" auf den Bau atomarer Sprengköpfe abziele. Dafür geeignete ballistische Raketen werde Teheran aber erst in etwa drei Jahren herstellen können.

IAEO möchte Bericht nicht kommentieren

Diplomaten mit Kontakten zur Internationalen Atomenergiebehörde IAEO in Wien sind allerdings skeptisch, dass der Iran wirklich in einem halben Jahr im Besitz einer Atombombe sein könnte. "Die Informationen die ich kenne, würden nicht unbedingt darauf hinweisen - das würde mich überraschen", sagte ein europäischer Diplomat am Mittwoch in Wien. Offiziell wollte sich die IAEO nicht zu dem Bericht äußern. Die UN-Behörde hatte es stets vermieden, sich zu Spekulationen zu äußern, wie schnell der Iran eine Bombe haben könnte.

Aus den vergangenen IAEO-Berichten geht hervor, dass das gesamte niedrig angereichte Uran unter Kontrolle der Behörde steht. Die Atominspektoren überwachen die Urananreicherung zu zivilen Zwecken in der Anlage im iranischen Natanz unter anderem per Kamera. Für eine Atombombe braucht die Regierung in Teheran jedoch hoch angereichertes Uran. Um das in für eine Bombe ausreichendem Maße in wenigen Monaten herzustellen, müsste das Land nach Einschätzung von Experten noch eine zusätzliche, geheime Uran-Anreicherungsanlage besitzen. Die zweite Möglichkeit wäre, dass der Iran alle Atominspektoren ausweist und seine Anlage in Natanz umrüstet. Diesem Vorgehen würden Israel und wahrscheinlich auch die USA aber nicht tatenlos zusehen.

Israel erwägt Militärschlag

Die internationale Gemeinschaft befürchtet schon länger, dass der Iran sein bestehendes Atomprogramm zu militärischen Zwecken vorantreibt. Die Führung in Teheran hat dies stets bestritten.

Das iranische Atomprogramm dient offiziellen Angaben zufolge nur der Energiegewinnung. Die internationale Gemeinschaft hat einerseits UN-Sanktionen gegen den Iran durchgesetzt, anderseits Wirtschaftshilfe als Ausgleich für einen Verzicht auf die Urananreicherung angeboten. Nach Meinung von Experten würde eine Atommacht Iran das politische Gefüge im Nahen Osten aus den Fugen geraten lassen. Israel, dessen Vernichtung sich der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad auf die Fahnen geschrieben hat, fühlt sich durch das iranische Atomprogramm existenziell bedroht und erwägt einen Militärschlag gegen die dortigen Atomanlagen.

 

(Ag./Red.)