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EM vor leeren Rängen? „Die Absage wäre ein Sieg der Terroristen“

Ein Geisterspiel bei der Euro 2016 in Paris-St. Denis ist keine Utopie mehr.
Ein Geisterspiel bei der Euro 2016 in Paris-St. Denis ist keine Utopie mehr.(c) AFP
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Was bedeuten die Anschläge von Paris und Brüssel für die Europameisterschaft im Juni in Frankreich? Belgien verlegte sein Testspiel, der Sicherheitsaspekt steht im Fokus.

Brüssel/Paris/Wien. Auch am Tag nach den Terroranschlägen von Brüssel herrschte im belgischen Fußballverband Stille. Man wolle sich nicht verstecken, sondern im Kampf gegen die Angriffe Stellung beziehen, verriet ein belgischer Funktionär. Doch die Bedenken angesichts der Sicherheitslage sind immens. 50.093 Zuschauer fasst das König-Baudouin-Stadion, es wäre ausverkauft gewesen für das Freundschaftsspiel am Dienstag gegen Portugal mit Cristiano Ronaldo.

Die Stadtregierung bat offiziell um Absage, der Verband entsprach – und damit ist zum zweiten Mal infolge von Terror ein Länderspiel in Brüssel abgesagt worden. Im vergangenen November ist ein Spiel gegen Spanien angesetzt gewesen, doch die Anschläge von Paris haben dem sportlichen Duell von Eden Hazard mit Andrés Iniesta jegliche Bedeutung genommen.

Portugal bot am Mittwoch kurzfristig an, als Gastgeber einzuspringen. Der EM-Test findet nun in Leiria statt, als Zeichen der Solidarität. Dennoch, auch diese Frage ist beklemmend. Wie geht es nach den Anschlägen mit dem Fußball, mit der Euro 2016, die am 10. Juni in Paris beginnen wird, weiter?

 

Weiterhin im Ausnahmezustand

Der Sicherheitsaspekt ist noch stärker in den Fokus gerückt, doch eine Absage des Turniers steht weiterhin nicht zur Debatte. Frankreich werde sich dem Terror nicht beugen und halte an allen Planungen fest. „Eine Absage wäre ein Sieg der Terroristen“, erklärt Premierminister Manuel Valls. Bereits nach den Anschlägen im November wurden die Sicherheitsvorkehrungen drastisch verschärft, erinnert Valls. „In Bezug auf die Sicherheit können wir nicht mehr tun, als wir bereits machen. Wir brauchen Sportveranstaltungen. Aber unter der Voraussetzung, dass sie unter den besten Bedingungen ausgetragen werden können.“

Die Absage der Europameisterschaft ist keine Option, dafür wird immer intensiver darüber spekuliert, ob einzelne Spiele notfalls vor leeren Rängen stattfinden könnten. Uefa-Vizepräsident Giancarlo Abete gab dieser Debatte neue Brisanz, weil „es um einen Wettbewerb geht, der um jeden Preis stattfinden soll“. In einem Turnier könne man nichts, auch nicht um einen Tag, verschieben. Die komplette Logistik für 24 Mannschaften, 51 Spiele und zehn Stadien wäre verloren. Und dennoch, trotz aller Hoffnungen und Beteuerungen des Gastgebers, Europas Fußball-Union Uefa: Die Behörden warnen, dass die Bedrohung noch nie so hoch gewesen sei. Es gilt weiterhin der Ausnahmezustand.

Wer als EM-Fan nach Frankreich reisen wird, sollte Geduld mitbringen, denn die Stadien dürften wahren Festungen gleichen. Sie werden weiträumig abgeriegelt, laut einem Bericht der „L'Equipe“ kommen dabei sogar Drohnen zum Einsatz. Die Polizei habe Urlaubssperren verhängt, die Uefa engagierte bereits 10.000 private Sicherheitsleute. Eliteeinheiten werden für die Sicherheit der Teams, sowohl beim Transport als auch in den jeweiligen Quartieren, sorgen.

Wie es um Vorkehrungen für Fanzonen und Public-Viewing-Veranstaltungen bestellt ist, darüber schweigt sich Frankreichs Regierung noch aus. Zweieinhalb Millionen Zuschauer werden in den Stadien, in den zehn Fanmeilen sieben Millionen Menschen erwartet. Innenminister Bernard Cazeneuve wurde dann aber doch noch sehr deutlich. Er schloss nicht aus, Fanzonen bei etwaiger Bedrohung sofort zu schließen.

 

Erhöhte Vorsicht auch in Wien

Die Terroranschläge haben auch Auswirkungen auf die Testspiele der österreichischen Fußballnationalmannschaft gegen Albanien (Samstag, 17.30 Uhr) und die Türkei in Wien. Vor allem das Spiel gegen die Türkei am Dienstag (20.30 Uhr) hat nicht erst seit den Brüsseler Anschlägen die besondere Aufmerksamkeit der Polizei.

Laut Patrick Maierhofer, Sprecher der Wiener Polizei, steht nicht nur das Spiel im Happel-Stadion, sondern vor allem auch die Unterkunft der türkischen Mannschaft unter besonderer Beobachtung. Am Spieltag werden zumindest 450 Polizeibeamte im Einsatz sein. Das umfasst Kontingente der Eko Cobra, der Wega, Sprengstoffeinheiten mit Hunden und die Bereitschaftseinheit. Mit den türkischen Behörden gibt es einen Informationsaustausch. (fin)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.03.2016)