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IWF: Warum das billige Öl eher schadet als nützt

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Der Fonds gesteht seinen Irrtum ein – und bietet eine Erklärung an.

Wien/Washington. Meist verschweigen Wirtschaftsforscher schamhaft ihre falschen Prognosen von früher. Der Internationale Währungsfonds hat nun aber ein Mea Culpa gewagt: In einer Analyse, mitgezeichnet vom Chefökonomen Maurice Obstfeld, gesteht der IWF, dass er bei seinem globalen Ausblick vom April 2015 die Wirkung der extrem niedrigen Ölpreise viel zu optimistisch eingeschätzt habe – wie viele andere auch. Aber warum?

Interessant ist vor allem die Begründung für reiche Ölimportländer wie die Staaten der Eurozone. Im Hinterkopf hatten die Ökonomen die bestens erforschten Effekte der stark steigenden Ölpreise in den 1970er- und 1980er-Jahren: Unternehmen, die in der Produktion viel Energie brauchten, mussten Mitarbeiter abbauen und bei Investitionen sparen. Zugleich erhöhten sie ihre Preise, um die Kosten abzuwälzen. Die Folge war Stagflation, die berüchtigte Kombination aus darbender Wirtschaft und steigenden Preisen. Nun schien es logisch, dass ein stark sinkender Ölpreis konträre, positive Effekte habe.

Aber dabei hat der IWF die extrem lockere Geldpolitik übersehen. Wenn die Inflation zurückgeht, etwa weil Rohstoffpreise fallen, senken Zentralbanken üblicherweise die Zinsen. Das geht aber nicht, wenn der Leitzins längst schon bei null liegt. An den nominellen Zinssätzen, die Unternehmen und Staaten für ihre Schulden zahlen, ändert sich also nichts. Dafür erhöht sich aber, weil der Preisauftrieb ausbleibt, der Realzins und damit die tatsächliche Belastung. Die Schuldner müssen den Gürtel enger schnallen, Zahlungsausfälle nehmen zu. Paradoxerweise erwartet der IWF deshalb eine Erholung erst dann, wenn der Ölpreis und damit die Inflation wieder leicht anziehen – weil dann Schuldner wieder mehr Luft zum Atmen haben. (gau)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.03.2016)