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ORF-Auftrittsverbot für "Kurier"-Herausgeber Brandstätter?

2013 war die Welt noch in Ordnung. Brandstätter ganz rechts im Bild.
2013 war die Welt noch in Ordnung. Brandstätter ganz rechts im Bild.(c) APA
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Eine kleine Gruppe in der ORF-Führung behandle das Unternehmen immer mehr so, als wäre er ihr Privateigentum, kritisiert "Kurier"-Herausgeber Brandstätter. Der ORF weist den "absurden Zensur-Vorwurf schärfstens zurück".

"Kurier"-Herausgeber Helmut Brandstätter sieht sich vom ORF mit einem Auftrittsverbot belegt. Brandstätter hätte bei der Romy-Gala am 16. April die Laudatio auf den beliebtesten Moderator der Kategorie Information halten sollen, das will der ORF verhindern - wegen eines kritischen ORF-Artikels Brandstätters, wie der "Kurier"-Chefredakteur vermutet. Im ORF weist man diese Darstellung zurück.

Der österreichische Film- und Fernsehpreis Romy wird heuer bereits zum 27. Mal von der Tageszeitung "Kurier" veranstaltet. Traditionellerweise wird die Veranstaltung, bei der Film- und Fernsehgrößen aus dem deutschsprachigen Raum ausgezeichnet werden, vom ORF live übertragen. Brandstätter sollte dabei den oder die Preisträgerin in der Kategorie beliebtester Moderator/beliebteste Moderatorin Information präsentieren. Hans Bürger (ORF), Sandra Maischberger (ARD), Corinna Milborn (Puls 4), Peter Resetarits (ORF) und Martin Thür (ATV) stehen zur Wahl. Brandstätter wollte bei seinem Auftritt auf das hohe Gut glaubwürdiger Information und journalistischer Qualität in politisch bewegten Zeiten hinweisen. "Wir befinden uns in nicht einfachen Zeiten in Europa. Umso wichtiger sind Qualitätsmedien für die weitere politische Entwicklung", sagte der frühere ORF-Journalist schon bei der Präsentation der Romy-Nominierten im Februar.

Auftrittsverbot war schon einmal Thema

Schon im vergangenen Jahr war ein Auftrittsverbot für Brandstätter im ORF Thema im ORF-Publikumsrat. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hatte damals die Nichteinladung Brandstätters zur ORF-Diskussion nach der Wien-Wahl mit dessen Auftritten bei "Talk im Hangar-7" bei Servus TV begründet. Brandstätter deshalb nicht einzuladen, gehe gar nicht, meinten einzelne Publikumsräte. "Der Boykott meiner Person stellt sich inzwischen anders dar", schrieb der "Kurier"-Herausgeber nun in einem der APA vorliegenden Mail an die Vertreter des ORF-Gremiums. Der ORF wolle seinen Auftritt bei der Romy verhindern. Brandstätter verwies gegenüber den Publikumsräten auf ein entsprechendes Mail des Wrabetz-Vertrauten Pius Strobl.

"Interessant ist, dass die Entscheidung im ORF unmittelbar nach einem - zugegebenermaßen kritischen - Artikel im 'Kurier' gefallen ist. Es hat mir allerdings niemand gesagt, dass ich da etwas Unwahres geschrieben hätte, aber urteilen Sie selbst", schreibt Brandstätter. Konkret geht es um den "Kurier"-Artikel "Ein Wahlkampf, der allen schadet" vom 15. März, in dem Brandstätter die Verflechtungen zwischen ORF und Politik aufzeigt.

"Als wäre der ORF ihr Privateigentum"

"Angesichts der Tatsache, dass die Pressefreiheit in unserer Nähe massiv gefährdet ist und jede demokratische Errungenschaft ständig verteidigt werden muss", hätte Brandstätter den Auftritt bei der Romy-Gala für "wichtig" gehalten. "Es geht mir auch nicht um meine Person, intern habe ich vorgeschlagen, dass 'Kurier'-Geschäftsführer und VÖZ-Präsident Thomas Kralinger auch diese Laudatio halten könnte."

Der Boykott des ORF soll sich laut Brandstätter aber nicht nur auf die Romy beschränken. "Inzwischen höre ich auch, dass ich bei den 'Pressestunden' anlässlich der Wahl zum Bundespräsidenten nicht vorkommen darf. Das gilt angeblich auch für einen anderen Chefredakteur, der sich kritisch geäußert hat. Ich kann Ihnen nicht mein wachsendes Unbehagen darüber verhehlen, dass eine kleine Gruppe in der ORF-Führung das Unternehmen immer mehr so behandelt, als wäre er ihr Privateigentum", so der "Kurier"-Herausgeber an den Publikumsrat.

ORF: "Absurder Zensur-Vorwurf"

Im ORF weist man die Darstellung Brandstätters indes zurück: Ein Auftritt des "Kurier"-Chefredakteurs bei der Live-Übertragung der "Romy" sei nie geplant und auch nie zugesagt gewesen. Man wolle derartige Sendungen generell frei von politischen Reden, Aufrufen und Appellen halten. Auftritte von Geschäftsführern und Verantwortlichen der Veranstalter seien bei solchen Shows ebenfalls nicht vorgesehen. Mit Brandstätters kritischen Artikeln zum ORF habe die Entscheidung jedenfalls nichts zu tun, die zeitliche Koinzidenz sei nur Zufall.

"Der absurde Zensur-Vorwurf wird selbstverständlich schärfstens zurückgewiesen. Darüber hinaus kommentieren wir die einseitige Brieffreundschaft zwischen dem 'Kurier'-Chefredakteur und dem ORF-Publikumsrat nicht", teilte der ORF mit.

(APA)