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Zehn Jahre mit drei Börsenkrisen

Traders work on the floor of the New York Stock Exchange in New York
Die Nervosität an den Börsen (hier an der New York Stock Exchange) nach den Turbulenzen im Jänner und Februar ist hoch.REUTERS
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Nach der Finanzkrise und der Euro-Schuldenkrise werden die Börsen von den Folgen des Ölpreisverfalls durchgebeutelt. Experten sind uneins, ob das Schlimmste erst kommt.

Stehen wir vor einem Crash, oder ist dieser in den ersten Wochen dieses Jahres bereits erfolgt? Dass die Experten geteilter Ansicht sind, hat einen Grund: Zum einen sind die weltweiten Märkte von einer Blase wie etwa im Jahr 2000 weit entfernt, die Bewertungen liegen nur leicht über dem historischen Schnitt. Sollte die konjunkturelle Entwicklung aber enttäuschen (und die Aussichten sind nicht allzu rosig), könnten die Preise dennoch noch immer zu hoch sein.

Bei der Schoellerbank ist man optimistisch: In den vergangenen zehn Jahren hätten Aktionäre trotz dreier Krisen (Finanzkrise 2008, Euro-Schuldenkrise ab 2010 und der gegenwärtige Verfall des Ölpreises) unterm Strich verdient, und zwar 4,2 Prozent pro Jahr mit US-Aktien aus dem S&P 500 und 0,18 Prozent pro Jahr mit Papieren aus dem Eurostoxx 600, stellen die Experten in ihrem jüngsten Analysebrief fest. Inklusive reinvestierter Dividenden wären es 6,43 Prozent pro Jahr bei US-Aktien und 3,9 Prozent bei europäischen Aktien gewesen.


Flucht in Sicherheit bringt nichts. Die Bewertungen (Kurs-Gewinn-Verhältnisse) liegen zwar leicht über dem langjährigen Schnitt, das habe aber damit zu tun, dass nun Technologieaktien in den Indizes stärker gewichtet sind – und diese haben traditionell eine höhere Bewertung. Alte Muster wie die Flucht in Anleihen, um mehr Sicherheit zu erzielen, brächten wenig, da Anleihen – im Gegensatz zu Aktien – wirklich teuer seien. Vor allem die sicheren: So rentierten deutsche Bundesanleihen mit Laufzeiten von bis zu acht Jahren allesamt negativ, schreibt Schoellerbank-Experte Philipp Kain.

Bei den Ökonomen der Credit Suisse hält sich der Optimismus indes in Grenzen. Credit-Suisse-Expertin Nora Wassermann verwies kürzlich auf die flaue Gewinnentwicklung bei europäischen wie auch US-amerikanischen Unternehmen. Zwar sei das Binnenwachstum in der Eurozone und in den USA robust, doch bekämen beide Wirtschaftsräume die Probleme der Handelspartner in den Schwellenländern (vor allem China, Russland und Brasilien) zu spüren. Die Schweizer Großbank steht Aktien daher lediglich „neutral“ gegenüber, wobei sie Papieren aus der Eurozone, der Schweiz, Australien und Kanada gegenüber solchen aus den USA den Vorzug gibt.

Einige Wochen zuvor hatte die Credit Suisse bereits mit einer Studie („Global Investment Returns Yearbook 2016“) für Aufsehen gesorgt, in der sie den Anlegern nach sieben fetten Jahren zehn magere Jahre in Aussicht stellte. Hatte ein gemischtes Portfolio aus Anleihen und Aktien in den sieben Jahren nach 2008/2009 noch eine reale (inflationsbereinigte) Rendite von rund zehn Prozent pro Jahr gebracht, so sei in den kommenden zehn Jahren für ein derartiges Portfolio nur mehr mit realen Renditen von einem bis drei Prozent pro Jahr zu rechnen. Dabei glauben jedoch auch die Credit-Suisse-Experten, dass man mit Anleihen in den nächsten zehn Jahren noch weniger verdienen dürfte als mit Aktien.
Verlustreiche Dekaden.
Auch Gerd Gwiss von FTC Capital warnt vor Long-only-Strategien (nur auf steigende Kurse bei Aktien setzen). Wer im Jahr 1997, also vor knapp 20 Jahren, in den Technologieindex Nasdaq investiert hätte, hätte in den folgenden fünf Jahren – nach einer Vervierfachung der Kurse infolge der Dotcom-Blase und einem darauf folgenden steilen Absturz – null Prozent Performance erzielt.

Nun könnte man einwenden, dass man eben nicht nur auf eine Branche (Technologieaktien) setzen dürfe. Doch Gwiss hat zahlreiche Fünfjahreszeiträume ausgemacht, in denen der zahlreiche Branchen umfassende US-Leitindex Dow Jones um bis zu 27 Prozent gefallen ist (so viel verlor er etwa von März 2004 bis März 2009). Auch auf Zehnjahressicht kann man noch Geld verlieren, von März 1999 bis März 2009 gab der Dow Jones um 30 Prozent nach (ohne Berücksichtigung von Dividenden). Gwiss rät zu einer Beimischung von Managed Futures (Strategien, mit denen man von fallenden und steigenden Kursen profitieren kann).


Josef Urschitz ist auf Urlaub.

LET'S MAKE MONEY erscheint wieder
am 3. April.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2016)