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Pakistan: 70 Tote bei Taliban-Anschlag gegen Christen

In diesem Park in Lahore versammelten sich christliche Familien, um das Osterfest zu feiern.
In diesem Park in Lahore versammelten sich christliche Familien, um das Osterfest zu feiern.APA/AFP/ARIF ALI
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Der Selbstmordattentäter hatte 20 Kilogramm Sprengstoff bei sich. Er riss mehr als 70 Menschen mit sich in den Tod. Darunter 35 Kinder.

Ein Taliban-Attentäter hat am Ostersonntag in einem Park der pakistanischen Großstadt Lahore mindestens 72 Menschen mit in den Tod gerissen. Mehr als 230 Menschen wurden verletzt, als der Islamist bei einem Spielplatz seinen Sprengsatz inmitten feiernder Christen zündete, wie die Behörden mitteilten. Der Park war an einem der ersten warmen Abende des Jahres besonders voll gewesen. Viele christliche Familien hatten dort Ostern gefeiert. 

Die Bombe explodierte in der Nähe des Kinderspielplatzes: In einem Park der pakistanischen Millionenstadt Lahore hat ein Selbstmordattentäter am Sonntag mindestens 70 Menschen getötet. Darunter seien 35 Kinder ums Leben gekommen, sagte Nasrullah Chadha, leitender Beamter des Polizeibezirks am Park, am Montagnachmittag (Ortszeit) in der Millionenstadt Lahore. Chadha sagte, die Behörden hätten immer noch keinen vollständigen Überblick über die Opfer. Man sei noch dabei, die von Krankenhäusern geschickten Listen zusammenzufügen. Etwa 350 Menschen seien verletzt worden, sagte er.

Der Attentäter brachte etwa 20 Kilogramm Sprengstoff zur Detonation. Sein Sprenggürtel sowie ein Rucksack mit Explosivstoffen war nach Polizeiangaben zusätzlich noch mit Schrauben und Muttern gefüllt. Die schossen unter dem Druck der Explosion wie Schrapnell durch den Park und verletzten Menschen in einem weiten Umkreis.
Der Täter konnte mittlerweile als ein 28-jähriger Mann aus Süd-Punjab identifiziert werden. Nach Medienberichten war er Lehrer an einer Religionsschule. 

Aktion gegen Christen gerichtet?

Die Taliban-Gruppierung Jamaat-ul-Ahrar bekannte sich zu dem Anschlag und nannte Christen als das Ziel. "Wir haben das Attentat von Lahore begangen, weil Christen unser Ziel sind", sagte Ehsanullah Ehsan, Sprecher der radikalen Taliban-Gruppierung Jamaat-ul-Ahrar, am Montag einer Nachrichtenagentur. Seine Gruppe plane weitere Anschläge, auch gegen Schulen und Universitäten. Die Jamaat-ul-Ahrar hatte sich 2014 von der Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) abgespalten, schloss sich ihr später aber wieder an.

Nach dem Selbstmordanschlag sind die Behörden mit Razzien und Festnahmen gegen Verdächtige vorgegangen. Das mächtige pakistanische Militär erklärte, nach dem Attentat habe es Razzien in Lahore selbst sowie in Faisalabad und Multan gegeben, die ebenfalls in Punjab liegen. Weitere Durchsuchungen würden folgen. Es habe eine Reihe von Festnahmen gegeben, außerdem sei ein "riesiges Waffen- und Munitionslager" ausgehoben worden, erklärte ein Armeesprecher.

Den Behörden in Lahore zufolge waren "zehn bis 15" der Todesopfer Christen, die Identifizierung der Opfer dauerte aber noch an. Polizeioffizier Haider Ashraf sagte ebenfalls, bei der Mehrheit der Toten habe es sich um Muslime gehandelt. "Alle gehen in diesen Park."

Papst verurteilte Terror

Papst Franziskus hat am Ostermontag beim Gebet mit den Pilgern auf dem Petersplatz den Anschlag in Lahore verurteilt. Beim "Regina Coeli"( "Königin des Himmels"), das er vom Fenster seines Arbeitszimmers aus betete, prangerte der Papst das Attentat als "Massaker an vielen unschuldigen Menschen", darunter zahlreiche Mitglieder der christlichen Minderheit, an.

Die pakistanische Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai hat den verheerenden Terroranschlag in ihrer Heimat als "sinnloses Töten" verurteilt. Sie sei tief bestürzt, teilte die 18-Jährige im englischen Birmingham mit, wo sie mit ihrer Familie lebt. Pakistan und die Welt müssten sich zusammentun, schrieb sie. "Jedes Leben ist wertvoll und muss respektiert und geschützt werden."

 UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sprach von einem "entsetzlichen Akt des Terrorismus" und forderte die Regierung in Pakistan auf, auch die religiösen Minderheiten zu schützen. Auch die US-Regierung und das Auswärtige Amt in Berlin verurteilten den Anschlag auf unschuldige Zivilisten.

Armee angefordert

Der Sprecher der Armee, General Asim Bajwa meldete per Kurznachrichtendienst Twitter, dass die Regierung die Armee zur Sicherung des Geländes anforderte. Soldaten errichteten eine "Rote Zone". Der Ministerpräsident der Provinz Punjab, Shehbaz Sharif, rief eine dreitägige Trauerzeit aus.

Deutschland und die USA verurteilten den Terroranschlag scharf. "Dieser abscheuliche Anschlag gegen Familien in einem belebten Park zeigt, dass sich Terrorismus in seinem mörderischen Wahn gegen alle Menschen gleichermaßen richtet - gleich ob Mann oder Frau, jung oder alt, gleich welchen Glaubens und welcher Hautfarbe", erklärte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Ned Price, sprach von einer "feigen" und "entsetzlichen" Tat. Die USA stünden an der Seite des pakistanischen Volkes und der Regierung.

Zuletzt weniger Anschläge in der Region

Punjab hat seit mehr als einem Jahr keinen größeren Anschlag erlebt. In der Provinz Khyber Pakhtunkhwa gab es aber jüngst einen Anschlag auf einen Bus voller Regierungsangestellter; 16 Menschen starben.

Ende Februar hatten dort pakistanische Taliban auch eine Universität angegriffen und mehr als 20 Menschen getötet, darunter 17 Studenten. Kurz darauf hatten sie weitere Anschläge angekündigt.

Seitdem im Dezember 2014 pakistanische Taliban in einer von der Armee betriebenen Schule in Peshawar 136 Kinder getötet hatten, hat die Armee ihre Operationen gegen Extremisten massiv erweitert. Dem Terrorismus werde das Rückgrat gebrochen, wiederholen Armeechef und -sprecher. Die Zahl der Anschläge und ihrer Opfer ging 2015 auch stark zurück. Aber Anschläge wie in Lahore und Peshawar zeigen, dass Extremisten weiter über Ressourcen und Rekruten verfügen.

(APA/Reuters/dpa)