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Belgien: Terrorverdächtiger weiterhin auf der Flucht

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Der Flüchtige vom Flughafen: Die Polizei sucht weiterhin nach diesem Mann (r.)(c) imago/Belga (imago stock&people)
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Die Behörden suchen jenen Mann mit heller Jacke und schwarzem Hut, der auf den Überwachungsvideos vom Flughafen zu sehen ist. Er scheint nicht der verhaftete und nun wieder freigelassene Fayçal C. zu sein.

Die belgischen Behörden suchen nach wie vor fieberhaft nach weiteren Hintermännern der Attentate in der belgischen Hauptstadt vom vergangenen Dienstag: Bei mehreren Razzien im Großraum Brüssel wurden am Sonntag neun Personen verhaftet, wobei die meisten wieder freigelassen wurden. Gegen drei Personen hat die Justiz nun Haftbefehl erlassen, wiewohl die Behörden eine Verbindung zu den Brüsseler Anschlägen nicht explizit bestätigt haben. Den dreien wird vorgeworfen, einer terroristischen Vereinigung anzugehören.

Gesucht wird indes auch jener Mann mit heller Jacke und schwarzem Hut, der auf den Überwachungsvideos vom Brüsseler Flughafen zu sehen ist. Der mutmaßliche Terrorist schiebt, wie die zwei anderen Männer, die später als die Selbstmordattentäter Ibrahim El Bakraoui und Najim Laachraoui identifiziert wurden, einen Gepäckwagen. Am Wochenende hieß es noch in Medienberichten, dass der von der belgischen Polizei gefasste Fayçal C. der Mann auf dem Video sei. Nur führen die Ermittler den Mann mit Hut weiterhin auf der Gesucht-Liste, am Montag wurde zusätzlich das Video vom Flughafen auf die Internetseite der Polizei hochgeladen.

Zudem wurde Fayçal C. am Montag freigelassen. Medienberichten zufolge handelt es sich bei ihm um einen Reporter. Aufgetaucht ist eine Doku, in der C. über die Haftbedingungen für Muslime in belgischen Gefängnissen berichtet. Dem Brüsseler Bürgermeister sei er als gefährlicher Aktivist bekannt gewesen, zumal er junge Menschen für den Jihad rekrutiert habe. Kolportiert wurde auch, dass C. ein Komplize des unbekannten Mannes mit Hut sein könnte.

Bei den Anschlägen am 22. März haben sich mindestens zwei Selbstmordattentäter auf dem Flughafen Zaventem – El Bakraoui und Laachraoui – sowie ein Attentäter in der Metrostation Maelbeek in die Luft gesprengt; bei ihm handelt es sich um den Bruder von Ibrahim El Bakraoui, Khalid. Die zwei Brüder waren den Behörden als Kriminelle bekannt. Ibrahim wurde zu neun Jahren Haft verurteilt, weil er mit einer Kalaschnikow auf einen Polizisten geschossen hatte. Khalid wurde wegen schwer krimineller Akte zu fünf Jahren verurteilt.

 

Zahl der Opfer ist auf 35 gestiegen

Zu den Brüsseler Anschlägen hat sich der sogenannte Islamische Staat (IS) bekannt. Wie viele Menschen umgekommen sind, ist unterdessen noch Gegenstand von Untersuchungen. Bisher war von 31 Opfern die Rede, am Montag haben die Behörden die Zahl auf 35 erhöht, rund 300 Menschen wurden verletzt. Vier Betroffene erlagen im Krankenhaus ihren Verletzungen. Zu den nunmehr 35 Opfern kommen noch die drei Selbstmordattentäter hinzu. Bisher konnten 28 Tote identifiziert werden.

Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Kathedrale von Brüssel haben am Montag hunderte Menschen der Opfer der Anschläge vom vergangenen Dienstag gedacht. Auf Einladung des Erzbischofs von Mecheln-Brüssel, Jozef De Kesel, nahmen auch Vertreter der muslimischen, jüdischen und anglikanischen Gemeinde an der Trauerfeier zum Ende des Osterfestes teil. In seiner Predigt betonte De Kesel, Frieden sei "mehr als nur die Abwesenheit von Gewalt". Zu einem "wahrhaftigen Zusammenleben" gehöre auch tiefer gegenseitiger Respekt, sagte der Erzbischof und verurteilte jegliche "Gewalt im Namen Gottes".

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.03.2016)