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Brüsseler Bürgermeister bedauert Freilassung von Verdächtigem

Yvan Mayeur hätte den Verdächtigen Faycal C. gerne wegen anderer Vergehen länger in Haft gesehen.
Yvan Mayeur hätte den Verdächtigen Faycal C. gerne wegen anderer Vergehen länger in Haft gesehen.APA/AFP/THOMAS SAMSON
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Auch wenn Faycal C. nicht mit dem Brüssel-Terror in Verbindung steht, so hätte er etwa wegen der Anwerbung von Jihadisten in Haft bleiben sollen, sagt Yvan Mayeur.

Der Bürgermeister von Brüssel, Yvan Mayeur, hat die Freilassung eines als möglichen dritten Flughafen-Attentäter festgenommenen verdächtigen Mannes bedauert. Faycal C. sei ein Unruhestifter und habe wahrscheinlich Jihadisten angeworben, sagte Mayeur am Dienstag dem französischen Radiosender France Inter.

Auch wenn der 30-Jährige nicht wegen einer Verwicklung in die Anschläge festgehalten werden konnte, hätte er wegen anderer Tatbestände in Haft bleiben sollen.

"Mit Flüchtlingshelfern geprügelt"

"Dieser Mann hat Flüchtlinge aufgewiegelt und hat sich mit Vertretern von Hilfsorganisationen geprügelt", berichtete Mayeur von Ereignissen in dem zentralen Flüchtlings-Zeltlager, das im Herbst vergangenen Jahres Hunderten von Flüchtlingen eine provisorische Unterkunft in Brüssel gegeben hatte. Schon damals habe er die Staatsanwaltschaft aufgefordert, einzugreifen und ein Platzverbot gegen Faycal C. auszusprechen. Dies sei vergeblich gewesen, berichtete der Bürgermeister der belgischen Hauptstadt.

Faycal C. war am vergangenen Donnerstag festgenommen worden. Er wurde verdächtigt, der "Mann mit dem Hut" zu sein, der als dritter Verdächtiger der Anschläge auf dem Brüsseler Flughafen gesucht wird. Da sich der Verdacht nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht bestätigte, wurde der 30-Jährige am Montag aber ohne Auflagen freigelassen. Nach dem "Mann mit Hut", der auf der Aufnahme einer Überwachungskamera neben den zwei Selbstmordattentätern vom Flughafen zu sehen ist, fahndete die Polizei am Dienstag weiter.

Ökumenische Gedenkfeier

Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Kathedrale von Brüssel haben Hunderte Menschen der Opfer der Anschläge vom vergangenen Dienstag gedacht. Auf Einladung des Erzbischofs von Mecheln-Brüssel, Jozef De Kesel, nahmen auch Vertreter der muslimischen, jüdischen und anglikanischen Gemeinde an der Trauerfeier zum Ende des Osterfestes teil.

In seiner Predigt betonte De Kesel, Frieden sei "mehr als nur die Abwesenheit von Gewalt". Zu einem "wahrhaftigen Zusammenleben" gehöre auch tiefer gegenseitiger Respekt, sagte der Erzbischof und verurteilte jegliche "Gewalt im Namen Gottes".

Die junge Muslimin Kamar Takka sagte in ihrer Rede, sie wolle den Menschen "Mut und Hoffnung" wiedergeben. Mit zugeschnürter Kehle sagte sie zum Abschluss, sie werde auch dann weiter "glauben, wenn alle anderen die Hoffnung verlieren". Höhepunkt der Zeremonie war ein minutenlanges Schweigen.

Applaus für Polizei und Rettung

Ganz vorne in der voll besetzten Kirche saß ein Mann in einem Rollstuhl, ein Bein steckte in einer Schiene. Er habe die Anschläge überlebt und sei wegen des "Zusammenhalts" gekommen, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Zu dem Gottesdienst eingeladen waren auch mehrere Vertreter von Polizei und Rettungsdiensten. Als sie am Ende die Kathedrale verließen, brandete ihnen spontaner Applaus entgegen.

Bei den Anschlägen islamistischer Terroristen am Brüsseler Flughafen und in einer U-Bahn-Station im Europaviertel der belgischen Hauptstadt waren 35 Menschen getötet worden.

(APA/AFP)