ÖFB-Team verliert EM-Test gegen die Türkei 1:2

(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Österreichs Fußball-Nationalmannschaft hat in der Vorbereitung auf die EURO 2016 einen Dämpfer hinnehmen müssen.

All jene, die Marcel Koller in der Vergangenheit mangelnde Experimentierfreudigkeit vorwarfen, wurden beim Testspiel gegen die Türkei Dienstagabend zumindest auf den ersten Blick teilweise eines Besseren belehrt. Österreichs Teamchef veränderte die Startformation gegenüber dem Vergleich gegen Albanien (2:1) drei Tage zuvor an immerhin vier Positionen, allerdings mitunter erzwungen.

Denn neben dem erkrankten Julian Baumgartlinger stand im zweiten von vier Freundschaftsspielen vor der EM in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli) auch Martin Harnik (reiste zu seiner hochschwangeren Frau) nicht zur Verfügung, das Duo wurde durch Stefan Ilsanker und Guido Burgstaller ersetzt. Eine Chance, sich für weitere und höhere Aufgaben zu empfehlen bekamen auch Ramazan Özcan (statt Robert Almer) und Rubin Okotie (statt Marc Janko). Wirklich große Eigenwerbung betrieb aus dem neuen Quartett allerdings niemand.


Die ÖFB-Elf begann wie schon gegen Albanien engagiert und wild entschlossen. In der dritten Minute bewies die Achse Fuchs-Arnautovic ihr gutes Verständnis, das feine Zuspiel von Arnautovic fand Alaba, dessen Abschluss auch beinahe das türkische Tor. Österreich war zunächst spielbestimmend, eine Einlage von Okotie an der Strafraumgrenze war hübsch anzusehen, blieb aber ohne Ertrag (7.). Die Türkei, zuletzt gegen Schweden 2:1 siegreich, machte in der zehnten Minute erstmals auf sich auferksam: Ein Calhanoglu-Freistoß verpasste sein Ziel nur knapp.


Jubel dann in der 22. Minute: Arnautovic mit einem weiteren starken Flankenlauf und der gefinkelten Vorlage in den Rückraum auf Junuzovic, der technisch perfekt mit einem Schuss ins lange Eck vollendete. Doch das Tor beflügelte weder die Österreicher noch verunsicherte es die Türken, beide Teams neutralisierten sich zunehmend. Die Gäste sollten dennoch zufrieden die Halbzeitpause genießen, weil Calhanoglu in der 43. Minute seine Lieblingsdisziplin, das Freistoßschießen, eindrucksvoll ausübte. Özcan war ohne Abwehrchance, der von der Torlinie vor- und zurück irrende Klein diente nicht der nötigen Übersicht.


Die zweite Halbzeit begann aus österreichischer Sicht ohne personelle Veränderung, aber mit viel Elan. Alaba führte einen Freistoß rasch aus, schickte Arnautovic auf die Reise, der erneut auffällig spielfreudige England-Legionär spitzelte den Ball nur knapp an Schlussmann Babacan und dem Tor vorbei (47.). Alaba trat nicht nicht nur als Passgeber in Erscheinung, er versuchte es auch selbst aus der Distanz, es fehlte jedoch an der nötigen Präzision (54.).

Folgenschwerer Fehler

Es war die letzte gute Möglichkeit der Österreicher, die sich vom Schock der 56. Minute nicht mehr erholten: Özcan hatte außerhalb des Strafraums und unbedrängt Arda Turan eine perfekte Vorlage geliefert, der türkische Superstar im Dienst des FC Barcelona nahm das Geschenk dankend an. „Die Niederlage geht auf meine Kappe. Ich habe mich schon bei den Jungs entschuldigt“, sagte Özcan. Bei der EM wird wohl ohnehin Robert Almer das ÖFB–Tor hüten.


Österreichs Nationalspieler gehen nun wieder für längere Zeit getrennte Wege. Ende Mai wird Marcel Koller das Team wieder um sich versammeln, das Trainingslager im Schweizer Laax wird durch die finalen Testspiele gegen Malta (31. Mai in Klagenfurt) und die Niederlande (4. Juni in Wien) abgerundet, ehe am 14. Juni in Bordaux der EM-Auftakt gegen Ungarn erfolgt.