Die beiden Konzerne werden laut Medienberichten fusionieren. Porsche-Chef Wiedeking muss dann gehen.
wien (jaz). Es hätte sein größter Coup werden sollen, nun dürfte es sein Ende an der Spitze von Porsche besiegeln. Die gescheiterte Übernahme von VW wird aller Voraussicht nach Porsche-Chef Wendelin Wiedeking schon demnächst seinen Posten kosten. Denn laut übereinstimmenden Berichten der „Financial Times Deutschland“ und der „Welt“ haben sich die Porsche-Eigentümerfamilien darauf geeinigt, den Sportwagenbauer mit VW zu fusionieren. Damit würden sie dem Vorschlag von Wiedekings Widersacher Ferdinand Piëch folgen. Für Wiedeking wäre in dem neuen, von der VW-Zentrale in Wolfsburg dominierten Konzern kein Platz mehr.
Beschluss nächste Woche
So soll in den bevorstehenden Aufsichtsratssitzungen am 23.Juli in Stuttgart – die Aufsichtsräte beider Unternehmen treten gleichzeitig zusammen, um sich während der Sitzungen abstimmen zu können – beschlossen werden, dass VW 49Prozent an der operativen Tochter von Porsche kauft. Als Kaufpreis bot VW zuletzt vier Mrd. Euro. Gleichzeitig soll der Porsche-Aufsichtsrat beschließen, dass das arabische Emirat Katar Porsche VW-Optionen abnimmt. Das arabische Emirat will dabei rund sieben Mrd. Euro investieren.
Damit wäre Porsche knapp die Hälfte seiner Schulden los und müsste den Banken nicht mehr monatlich einen dreistelligen Millionenbetrag für die Verlängerung der VW-Optionen bezahlen. Die Gefahr einer Insolvenz wäre für Porsche somit erstmals gebannt.
Schlussendlich soll der Fahrplan jedoch vorsehen, dass der Sportwagenbauer Porsche vollständig in VW aufgeht und die darüber stehende Holding – nicht zu verwechseln mit der österreichischen Autohandelsfirma Porsche Holding, die ebenfalls den Familien Porsche und Piëch gehört – mit dem Wolfsburger Konzern verschmolzen wird. An dem neuen Konzern hätten die Familien knapp die Hälfte der Anteile. Je 15 bis 20Prozent würden auf das Land Niedersachsen und Katar entfallen, der Rest wäre Streubesitz.
Der Sportwagenhersteller Porsche wäre somit eine weitere Konzernmarke des VW-Konzerns. Die Macht würde vollständig in Wolfsburg gebündelt sein. Für Wiedeking wäre dann kein Platz mehr. Er, der Porsche in den 1990er-Jahren saniert und zu einem der profitabelsten Autohersteller gemacht hat, würde daher das Unternehmen verlassen.
„Wir wissen von keiner endgültigen Entscheidung. Wiedeking ist im Amt und bleibt bis zum Ende seiner Amtszeit 2012“, heißt es bei Porsche zu den Berichten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2009)