Der jüngste Börsenaufschwung war von Privaten getragen.
wien (red). Den Österreichern wird gerne nachgesagt, dass sie bei der Veranlagung kein besonders großes Risiko eingehen. Die jüngsten Daten der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) sagen aber etwas anderes.
Laut OeNB-Direktor Aurel Schubert ist der jüngste Aufschwung an der Wiener Börse vor allem auf österreichische Privatanleger zurückzuführen.
Die Wiener Börse wurde im vergangenen Jahr infolge der Finanzkrise stärker abgestraft als die meisten anderen Aktienmärkte. Im März erreichte sie ihren Tiefpunkt, von da an ging es bergauf – steiler als bei den anderen Börsenplätzen. Die inländischen Haushalte spielten dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Diese betätigten sich als Schnäppchenjäger.
Gutes Händchen bewiesen
Anleger aus dem Ausland warfen dagegen nach den jüngsten Diskussionen über das Osteuropa-Risiko österreichische Aktien zurück auf den Markt.
Laut OeNB-Statistik kauften schon im vierten Quartal 2008 heimische Privatanleger Aktien im Wert von einer Milliarden Euro, während ausländische Investoren Wertpapiere im Ausmaß von 2,5 Mrd. Euro abgestoßen haben.
Im Rückblick betrachtet haben sich die Finanzmärkte dramatisch entwickelt. Seit Ausbruch der Finanzkrise Mitte 2007 ging das österreichische Wertpapiervolumen (Anleihen, Aktien und Investmentfonds) um 126 Milliarden Euro auf 667 Milliarden Euro zurück.
Damit wurde das Niveau von 2004 erreicht. Allein im Vorjahr sank der Wert der heimischen börsenotierten Gesellschaften um 64 Prozent auf 60 Milliarden Euro. Hauptverantwortlich waren die massiven Kursverluste. Dazu kamen weiters die Börsenabgänge von Böhler Uddeholm und Bank Austria.
Immo-Aktien stark betroffen
Besonders hart hat es die Immobiliengesellschaften erwischt. Ende 2006 wiesen diese einen Börsenwert von 18,5 Milliarden Euro auf. Ende 2008 waren es nur noch 1,7 Milliarden Euro. Das bedeutet einen Rückgang von 90 Prozent. Zum Vergleich: Im Euroraum hat sich der Marktwert der börsenotierten Gesellschaften im Vorjahr um 46 Prozent verringert.
Starke Abflüsse gab es auch bei den Investmentfonds. Seit Mitte 2007 reduzierte sich das Volumen der Fonds um 30 Prozent auf 103 Milliarden Euro.
Neben Aktienfonds schnitten auch Rentenfonds schwach ab. Nur die relativ sicheren Papiere, die in Staatsanleihen investiert waren, konnten sich während der Finanzkrise behaupten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2009)