Wird der Spartensender abgeschaltet, müssen viele Klubs und Verbände um ihre Existenz bangen. Peter Kleinmann prangert Österreichs fehlende Sport-Lobby an, aber auch die Politik ist über den ORF-Plan erbost.
WIEN. Das angekündigte Aus des Spartenkanals ORF Sport Plus bedeutet für viele heimische Sportverbände das Ende. Wird die Mitteilung von ORF-Informationsdirektor Elmar Oberhauser tatsächlich umgesetzt, drohen „Randsportarten“ wie Volleyball, Handball, Tischtennis, American Football oder Leichtathletik in Österreich ab 2010 endgültig von der Bildfläche zu verschwinden.
Oberhausers Erklärung, dass sich der ORF den sieben Millionen Euro teuren Kanal nicht mehr leisten könne, wurde Mittwochnachmittag veröffentlicht. Der sofortige Aufschrei aller Betroffenen blieb aber aus. Volleyball-Präsident Peter Kleinmann ging am Donnerstag als Einziger in die Offensive und lieferte Gründe für das „Schweigen der Lämmer“: „Österreich hat keine Sport-Lobby. Würde man einen Kultursender abdrehen, gäbe es einen Massenprotest!“ Bei anderen Sportverbänden fragte die „Presse“ nach.
„Eine Katastrophe!“
Kleinmann pochte auf die Pflichten des öffentlich-rechtlichen Senders: Es gehe im Sport sehr wohl auch um Bildung und Kultur. „Wir liefern Kindern Vorbilder, und Sport ist auch für Gesundheit, Tourismus und die Finanz ein wichtiges Instrument.“ Tischtennis-General Rudolf Sporrer teilte Kleinmanns Ansichten und fügte einen „überlebenswichtigen Punkt“ hinzu. „Wie im Volleyball sind auch im Tischtennis Klubs in der Champions League nur spielberechtigt, wenn die TV-Übertragung garantiert ist!“
Von einem „furchtbaren Schaden“ sprach Handball-Präsident Gerhard Hofbauer. Sport Plus zeigt ein Ligaspiel pro Woche und natürlich die Partien der erfolgreichen Hypo-Damen live.
Auf Anfrage fand auch Peter Teuschl vom Tennis-Verband klare Worte: „Für die Sportlandschaft ist es eine Katastrophe.“ Anders sah Football-Pendant Michael Eschlböck die Lage. Das letzte Wort in dieser Causa sei „noch nicht gesprochen“. Die Abschaltung von Sport Plus wäre „furchtbar“, er vermutete hinter der Ankündigung aber eine Drohgebärde, um zusätzliche Mittel – wahlweise von der Bundessport-Organisation, von Sponsoren oder der öffentlichen Hand – zu lukrieren.
Das Ende von Sport Plus würde Österreichs Sport nachhaltig schaden, lautet der kollektive Tenor. Vor allem würden mit dem Verschwinden vieler Klubs nicht nur Sportarten, sondern auch Arbeitsplätze verloren gehen. Kleinmann: „Es wäre für uns alle ein unfassbarer Supergau.“
Ostermayer kontra Oberhauser
Wenig begeistert von Oberhausers Vorstoß zeigte sich am Donnerstag auch Medienstaatssekretär Josef Ostermayer. „Solche Einzelinitiativen, die nicht akkordiert sind, nützen dem ORF jetzt nicht. Ich würde einen Gesamtplan notwendiger Einsparungen im ORF begrüßen. Und: Die Einstellung eines Spartenkanals ist auf Basis der gültigen Rechtslage nicht möglich.“
Diesen Ansatz teilte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz nicht. Der „Sparzwang“ verlange Einschränkungen, der ORF werde auch künftig seinen gesetzlichen Vorgaben gemäß Rundfunkgesetz §9a (Informationspflicht, Spartenprogramm) nachkommen. Art und Umfang richten sich nach ökonomischen Möglichkeiten. „Die Einstellung von Sport Plus ist noch nicht fix“, meinte Wrabetz. Das Match ist eröffnet. Gespielt wird um Geld. siehe Kommentar Seite 31
AUF EINEN BLICK
■Das verkündete Aus von ORF Sport Plus mit Ende 2009 ist für viele Sportverbände eine Hiobsbotschaft. „Randsportarten“ wie Volleyball, Handball oder Tischtennis droht das Ende.
■Kritik am ORF äußerte am Donnerstag Medienstaatssekretär Ostermayer. Er verstehe den Alleingang nicht, auch sei die Einstellungdes Spartenkanals ohne Änderung des ORF-Gesetzes nicht rechtens.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2009)